Grüne loben Merkel

Anbandeln mit der Kanzlerin

Von Jasper von Altenbockum

Der SPD in Umfragen davongeeilt: Merkel in China

Der SPD in Umfragen davongeeilt: Merkel in China

29. August 2007 Die erfolgreichen Auslandseinsätze der Kanzlerin werden selbst für die ohnehin schon ratlose Opposition zu einer Herausforderung. Auf einer Reise nach China die Ansprüche auch der Grünen noch zu befriedigen, ist jedenfalls ein Kunststück, das allein mit dem Verlauf der Visite nicht zu erklären ist.

Denn so offen und offensiv, wie Claudia Roth und Jürgen Trittin tun, war es ja nun auch wieder nicht, wie Frau Merkel in Peking über die Menschenrechte gesprochen hat. Daraus ein „Hut ab“ auf die Kanzlerin zu machen und eine nachträgliche Ohrfeige für ihren Vorgänger (Kohl musste auch etwas abkriegen, sonst hätte es allzu CDU-freundlich geklungen), ist mehr als ein Lob, das sich die links-bürgerliche Opposition einfach nur gönnerhaft erlaubt.

Wo bleibt Ströbele?

Frau Roth und Trittin stehen zwar nicht im Ruf, eine schwarz-grüne Option vorzubereiten. Sie mögen sich allerdings fragen, ob sie sich ihr eines Tages entziehen können. Fast möchte man den Grünen zurufen: Wo bleibt Ströbele?

Die Grünen bandeln mit Frau Merkels Führungsstil zu einem Zeitpunkt an, in dem sich nicht gerade beflügelt fühlen kann, wer die SPD loben will. So weit ist die Kanzlerin in Umfragen dem Regierungspartner mit ihrem Bonus davongeeilt, dass der SPD-Parteitag im Herbst auch darüber Auskunft geben muss, wie Kurt Beck und seine neue Führungsmannschaft die Vorteile eigentlich noch nutzen wollen, die ihnen die Zusammensetzung des Kabinetts seit zwei Jahren bietet.

Innen und Außen geschickt verquickt

Unter dem Stichwort „Optionen“ wird sich die Partei dann auch mit der Frage beschäftigen müssen, wer sich zum Gefangenen der großen Koalition macht: die CDU, die sich nach allen Seiten öffnet, oder die SPD, die mit allen kann, so schwach aber werden könnte, dass sie dazu auch fast alle braucht.

Frau Merkel verquickt Innen und Außen so geschickt, dass ihr niemand nachsagen kann, sie vollführe außenpolitische Pirouetten, um sich vor dem innenpolitischen Pflichtprogramm zu drücken. Klima, Recht, Sicherheit – solange die Konjunktur mitspielt, sind das Themen, die in Berliner Niederungen wie im Wahlkampf Glanz eintragen. Davon den einen oder anderen Strahl abzubekommen, ist für die Grünen so verlockend geworden wie für die FDP.

Die SPD mag sich derweil vom Polarforscher Steinmeier erzählen lassen, wie gut es sich im hohen Norden mit Linksparteien regiert.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

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