Kanada

Video von Verhör in Guantánamo veröffentlicht

Video in voller Größe

15. Juli 2008 In Kanada ist zum ersten Mal eine Videoaufzeichnung eines Verhörs im amerikanischen Gefangenenlager Guantánamo veröffentlicht worden. Die Anwälte des damals 16 Jahre alten Häftlings Omar Khadr gaben die Bilder heraus. Sie zeigen, wie ihr Mandant von einem kanadischen Geheimdienstbeamten verhört wird.

Dem kanadischen Staatsbürger Khadr wird vorgeworfen, nach einem Gefecht in Afghanistan eine Granate auf amerikanische Truppen geschleudert und dabei einen Soldaten getötet zu haben. 2002 wurde er im Alter von 15 Jahren gefangengenommen. Das sieben Stunden lange Video wurde über vier Tage hinweg aufgenommen und ursprünglich als geheim eingestuft.

Während des Verhörs berichtet Khadr, er sei im amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Bagram in Afghanistan gefoltert worden. Er hob sein orangefarbenes Hemd, um Wunden zu zeigen, die nach seinen Worten auf diese Folterung zurückgehen. Zehn Minuten lang weint Khadr auf dem Video, das Gesicht in seinen Händen verborgen. Außerdem wirft er der Leitung des Gefangenenlagers vor, ihm trotz seiner Bitte nicht die angemessene medizinische Versorgung gewährt zu haben. (Zum Video: Ausschnitt aus dem Verhör in Guantánamo)

„Khadr ist menschlich behandelt worden“

Khadr wirkt auf dem Video zeitweise ruhig, dann wieder resigniert und verzweifelt. Die Aufnahme wurde von einer versteckten Kamera aufgezeichnet.

Ein Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums wies die Vorwürfe zurück. Khadr sei nicht misshandelt worden. „Unsere Politik ist es, Insassen menschlich zu behandeln“, sagte der Sprecher. „Khadr ist menschlich behandelt worden.“

Unterdessen belegen Verhörprotokolle im Verfahren gegen den als mutmaßlichen Terroristen jahrelang in Guantánamo inhaftierten Fahrer Usama Bin Ladins, dass diesem 50 Tage lang der Schlaf entzogen wurde. Das teilte der vom Pentagon ernannte Verteidiger Salim Ahmed Hamdans, der Korvettenkapitän Brian Mizer, am Montag mit. Mizer forderte, dass im Prozess gegen Hamdan Anklagepunkte gestrichen werden, die auf Aussagen in Verhören der „Operation Sandman“ beruhten.

Wer ist „Alfred Hitchcock“?

Mizer sagte, Samdan sei in dem Gefangenenlager Guantánamo ab dem 11. Juni 2003 der Schlaf entzogen worden. Während der „Operation Sandman“ habe er auch Besuch von „Alfred Hitchcock“ erhalten, wobei aus den Protokollen nicht hervorgehe, wer oder was sich hinter diesem Codenamen verbirgt.

Der nun etwa 37 Jahre alte Hamdan wurde im November an einer Straßensperre in Afghanistan verhaftet. In seinem Auto wurden zwei Boden-Luft-Raketen gefunden. Bei einer Verurteilung wegen Verschwörung zum und Unterstützung von Terrorismus droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

Schlafentzug wird oft als unmenschliche Behandlung von Gefangenen kritisiert. Amerikaische Staatsanwälte in Kriegsverbrecherverfahren gegen die Guantánamo-Häftlinge Mohammed Dschawad und Omar Khadr haben dagegen erklärt, Schlafentzug sei keine Folter. Dschawad und Khadr hatten sich über Schlafentzug in den vergangenen Monaten beschwert.



Text: FAZ.NET mit AP
Bildmaterial: reuters

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