Nicolas Sarkozy

Sarko! President!

Von Michaela Wiegel, Paris

„Das Frankreich, von dem ich träume, ist wie eine Familie!”

„Das Frankreich, von dem ich träume, ist wie eine Familie!”

22. April 2007 Ein Trompetenspieler übt noch auf dem Bürgersteig die Marseillaise, als der Sprechchor „Sarko! President! Sarko! President!“ den Gewinner des ersten Wahlganges ankündigt. Nicolas Sarkozy hat es geschafft. „Alles wird möglich“, hatte er sich zum Wahlslogan gewählt, und zumindest an diesem Abend erscheint ihm alles möglich.

Eine neue „brüderliche Republik“ will er begründen, in der niemand mehr Angst zu haben braucht, verspricht er im übervollen „Salle Gaveau“, wo sonst Konzertbesucher klassischer Musik lauschen. „Ich will das französische Volk um einen neuen französischen Traum sammeln“, ruft er. Das Publikum klatscht begeistert. „Das Frankreich, von dem ich träume, ist wie eine Familie!“

„Eine Debatte über die Ideen“

Den Schwächsten will Sarkozy helfen, den Behinderten, all jenen, die leiden oder denen Schicksalsschläge widerfahren sind, sagt Sarkozy. Er will eine Gesellschaft schaffen, in der Vollbeschäftigung herrscht, in der alle so viel haben, dass ihnen das Abgeben leicht falle.

Dann sagt Sarkozy noch ein paar Worte zu seiner Gegnerin in dem Duell, das am 6. Mai über seine politische Zukunft entscheiden wird. „Eine Debatte über die Ideen“ wolle er mit Madame Royal führen, „in aller Klarheit und Würde“. Er respektiere seine politische Gegnerin, fügt er noch hinzu.

Erleichtert über das deutliche Ergebnis

Bald schon werden die Verhandlungen losgehen über das traditionelle Fernsehduell, in dem sich die beiden übrigen Kandidaten kurz vor der Stichwahl in zwei Wochen gegenüberstehen. Dem 52 Jahre alten Politiker, der sein Amt als Innenminister vor gut einem Monat schweren Herzens niedergelegt hat, ist die Erleichterung über das deutliche Ergebnis im ersten Wahlgang anzumerken.

Er verliert kein Wort über den Zentristen Bayrou, der mit 18 Prozent das größte Wählerreservoir darstellt. Sarkozy hat gesprochen, es ist erst 21 Uhr, aber der Wahlabend in der Salle Gaveau, einen Steinwurf von der Parteizentrale der UMP in der Rue de la Boetie entfernt, ist schon so gut wie vorbei.

Nicolas Sarkozy ist schließlich „der Kandidat des Frankreichs, das morgens früh aufsteht und arbeitet“, wie der Kandidat nimmermüde verkündet hatte. Einen triumphalen Auszug aus der Parteizentrale gönnt er sich noch, vorbei an den Sicherheitsgittern, die das gemeine Publikum von den geladenen Gästen trennt, vorbei an den Übertragungswagen, die vor dem Gebäude im Stau stehen. „Sarko! President!“, erschallt es wieder, dann singen junge Anhänger die Marseillaise.

Dann werden die Bildschirme, die Sarkozys Abschied vom Salle Gaveau fünfzigfach übertrugen, auf das gewöhnliche Fernsehprogramm umgeschaltet. Welchen Weg der Chauffeur Sarkozys wohl gewählt hat? Nur am Innenministerium vorbei, das gleich um die Ecke liegt, oder die Straße weiter hoch zum Elysee-Palast? Die Mannschaftswagen der Polizei, die das gesamte Viertel abgeriegelt hatten, fahren nach und nach davon.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Daniel Pilar; F.A.Z.

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