27. November 2007 Nach dem tödlichen Zusammenstoß zweier Motorradfahrer mit einem Streifenwagen ist es in einem Pariser Vorort die zweite Nacht in Folge zu schweren Krawallen gekommen. Bei neuen Straßenschlachten mit Jugendlichen in Villiers-le-Bel wurden nach Polizeiangaben am Montagabend 77 Polizisten verletzt, fünf von ihnen seien in einem ernsten Zustand. Jugendliche hätten Schüsse auf die Sicherheitskräfte abgegeben. Wir haben es mit einer Stadtguerilla zu tun, die mit Waffen ausgerüstet ist, sagte ein Sprecher der Polizeigewerkschaft.
In Villiers-le-Bel und fünf weiteren Gemeinden im Bezirk Val d'Oise seien fünf Gebäude und mehr als 60 Fahrzeuge in Brand gesteckt worden, darunter auch ein Bus und ein Polizeifahrzeug. Erneut verwüsteten Randalierer auch Läden. Die Unruhen seien gewalttätiger gewesen als bei den wochenlangen Krawallen im Herbst 2005.
Zweite Nacht war heftiger
Die Krawalle in Villiers-le-Bel seien heftiger gewesen als in der Nacht zum Montag, sagten Polizeivertreter. Rund hundert wütende Jugendliche hätten sich hinter Mülltonnen verschanzt und die rund 160 Sicherheitskräfte mit Gegenständen beworfen, worauf diese Gummigeschosse und Tränengas eingesetzt hätten. Mehrere Polizisten seien durch Schrotladungen verletzt worden.
Sechs Personen wurden demnach polizeilich überprüft. Erstmals überflog ein Helikopter den Vorort, um Unruhestifter zu aufzuspüren. Allein in Villiers-le-Bel hätten Randalierer eine Vorschule, eine Fahrschule und einen Kosmetiksalon in Brand gesteckt, sagte Augenzeugen. Auch mehr als ein Dutzend Mülltonnen brannten.
Friedlicher Schweigemarsch
Zuvor hatten mehrere hundert Menschen bei einem friedlichen Schweigemarsch durch Villiers-le-Bel der beiden jungen Männer gedacht, die am Sonntag bei der Kollision ihres Minibikes mit einem Polizeiauto noch am Unfallort starben. Der Tod der 15 und 16 Jahre alten Jungen hatte schon am Sonntag zu gewaltsamen Ausschreitungen geführt, bei denen 40 Polizisten verletzt wurden. Die Staatsanwaltschaft leitete wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung Ermittlungen ein.
In Polizeikreisen hieß es, die Polizeiaufsicht habe bei ersten Untersuchungen festgestellt, dass die beiden Jungen sehr schnell mit einer Minicrossmaschine gefahren seien und die Vorfahrt missachtet hätten. Die Polizisten im Streifenwagen hätten den Unfall deshalb nicht verhindern können. Zeugen zufolge trugen die Jugendlichen keinen Helm, ihr Fahrzeug hatte zudem kein Licht und war nicht für den Straßenverkehr zugelassen.
Text: FAZ.NET mit Material von AFP
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS