Sex und Politik

Washington zittert vor „Miz Julias“ Enthüllungen

Die Frau hinter “Miz Julia“: Jeane Palfrey

Die Frau hinter "Miz Julia": Jeane Palfrey

30. April 2007 Sie nannte sich „Miz Julia“. 13 Jahre lang betrieb sie von Kalifornien aus einen speziellen Service „zur Erfüllung erotischer Phantasien“ für Kunden im Raum Washington. Nach ihrer Darstellung handelte es sich um einen völlig legalen VIP-Begleitdienst ohne Sex. Aber die Behörden sehen das anders. Sie haben die 50 Jahre alte ehemalige Jurastudentin wegen Betreibens eines Prostituiertenringes angeklagt, und das Zittern hat begonnen. Denn „Miz Julia“, die eigentlich Deborah Jeane Palfrey heißt, hat ihre Kunden-Telefonliste dem Sender ABC übergeben, der voraussichtlich am 4. Mai darüber berichten will.

Tausende Nummern sollen auf der Liste aufgeführt sein, und hinter einigen verbergen sich die Namen von „sehr prominenten Leuten“, wie Brian Ross von ABC sagt. Auch eine Reihe von Frauen „mit sehr wichtigen und seriösen Berufen“, die als Nebenjob für die „Madam“ arbeiteten, seien aufgeführt, wie die „Washington Post“ Ross zitiert. Palfreys Rechtsvertreter, Montgomery Sibley, ist nach eigenen Angaben von fünf Anwälten kontaktiert und gefragt worden, ob ihre Mandanten auf der Liste auftauchten und wenn ja, wie man es arrangieren könne, dass ihre Identität geheim bleibe.

„Aber es gab keinen Sex“

Randall Tobias gab sein Amt „aus privaten Gründen” auf

Randall Tobias gab sein Amt „aus privaten Gründen” auf

Die Affäre hat in Washington schon ein erstes ranghohes Opfer gefordert. Am Freitag erklärte einer der stellvertretenden Außenminister, Randall Tobias, „aus privaten Gründen“ seinen Rücktritt, nachdem ihn ABC auf den Kundenservice der „Madam“ angesprochen hatte.

Laut dem Sender gab der 65 Jahre alte Familienvater zu, dass er die von Palfrey angebotenen Dienste in Anspruch genommen habe. „Ich habe Mädchen in meine Wohnung kommen lassen. Sie haben mir eine Massage gegeben, aber es gab keinen Sex“, zitierte ihn der Sender. Kosten pro Service: Umgerechnet 275 Euro.

Weitere Enthüllungen stehen bevor

War der Name Tobias zwar der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt, so verbindet sich mit der Enthüllung eine besondere Pikanterie. Tobias war für Entwicklungshilfe zuständig, insbesondere für die Aids-Bekämpfung, und Tobias gehörte zu den Verfechtern „absoluter sexueller Abstinenz“, die er als bestes Rezept gegen die Immunschwäche-Krankheit pries.

Einen Namen brachte „Miz Julia“ selbst ins Spiel: Sie benannte in Gerichtspapieren den Wissenschaftler und Militärstrategen Harlan Ullman als möglichen Zeugen im anstehenden Prozess. Es tue ihr ja sehr leid, aber sie müsse schließlich Kunden zu ihrer Verteidigung aufbieten, begründete Palfrey, die schon einmal wegen Prostitution 18 Monate hinter Gittern saß, ihren Schritt. Die Staatsanwaltschaft könne das alles schließlich selbst verhindern, indem sie die Anklage zurückziehe. Aber daran denkt die Behörde jedenfalls bis jetzt nicht.

Text: dpa
Bildmaterial: Reuters

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