Präsidenten- und Parlamentswahlen

Opposition in Zimbabwe erklärt sich zum Sieger

Von Thomas Scheen, Johannesburg

30. März 2008 Einen Tag nach den Parlaments- und Präsidentenwahlen in Zimbabwe hat die Oppositionspartei „Movement for Democratic Change“ (MDC) den Sieg für sich beansprucht. „So wie es aussieht, bedarf es schon eines Wunders, wenn wir diese Wahl nicht gewinnen sollten“, sagte MDC-Generalsekretär Tendai Biti am Sonntagmorgen.

In einigen Vororten der Hauptstadt Harare kam es zu spontanen Kundgebungen von Oppositionsanhängern. Trotz der Warnung der Sicherheitskräfte vor vorzeitigen Freudenfeiern blieben die Demonstranten zunächst unbehelligt. Offizielle Zahlen über den Wahlausgang standen am Sonntag aber noch aus, ebenso Angaben über die Wahlbeteiligung. Nach ersten Einschätzungen von Wahlbeobachtern soll sie relativ gering gewesen sein.

Verbreitung „ungeprüfter Teilergebnisse“

Nach Angaben des MDC habe ihr Spitzenkandidat Morgan Tsvangirai in einem Drittel aller Wahlbezirke, darunter den beiden größten Städten des Landes Bulawayo und Harare, 67 Prozent der Stimmen gewonnen. Die Nationale Wahlkommission verurteilte die Verbreitung „ungeprüfter Teilergebnisse“. Tsvangirai gilt als aussichtsreichster Konkurrent von Präsident Robert Mugab. Dem ehemaligen Finanzminister Simba Makoni, der als Unabhängiger angetreten war, werden nur Außenseiterchancen zugestanden.

Um die Präsidentenwahl zu gewinnen, benötigen die Kandidaten eine absolute Mehrheit von mindestens 51 Prozent aller Stimmen. Anderenfalls müssen die beiden Kandidaten, die am besten abschnitten, sich in drei Wochen einer Stichwahl stellen. Mit einem offiziellen Ergebnis wird nicht vor Dienstag gerechnet.

Mugabe würde Machtwechsel nicht akzeptieren

Die Opposition erklärte ihr Vorpreschen mit der Sorge vor dem Versuch des Mugabe-Lagers, die Wahlergebnisse zu fälschen. „Wir trauen der Wahlkommission nicht, und sollte sie ein Resultat verkündet, das nicht dem der Wahlbüros entspricht, werden wir dies nicht akzeptieren“, sagte Biti. Informationsminister Sikhanyiso Ndlovu beschuldigte daraufhin die MDC, „Lügen zu verbreiten“ und „unnötige Spannungen“ zu schüren. Sein Kabinettschef George Charamba warnte derweil vor einem „Staatsstreich“.

Mugabe hatte vor der Wahl mehrfach kundgetan, dass er einen Machtwechsel niemals akzeptieren würde. Die Vorwürfe massiver Manipulationen, wie sie von der Opposition als auch von verschiedenen Menschenrechtsgruppen erhoben worden waren, hatte Mugabe indes zurückgewiesen: „Es ist nicht meine Art, Wahlen zu fälschen“, sagte er nach seiner Stimmabgabe in Harare, „das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.“

Unterdessen meldete eine der afrikanischen Wahlbeobachtergruppen Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wählerlisten an. Die Wahlbeobachter des in Johannesburg beheimateten panafrikanischen Parlamentes hatte am Samstag im Norden Harares einen Wahlbezirk entdeckt, in dem ausweislich der Wählerlisten rund 8500 Wähler wohnen sollen, das in Wirklichkeit aber ein menschenleeres Stück Brachland ist. Der MDC will alleine in der Provinz Uzumba-Maramba-Pfungwe im Norden des Landes eine Million „Phantomwähler“ entdeckt haben – verstorbene Wähler, deren Namen weiter geführt werden.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

 
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