01. Mai 2008 Der sudanesische Rebellenführer Abdelwahid al Nur, der an der Spitze des Sudan Liberation Movement (SLM) steht, hat im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft in Darfur kritisiert. Der Genozid geht weiter, sagt Nur, obwohl seit Anfang dieses Jahres in Darfur UN und Afrikanische Union (AU) mit der Friedenstruppe Unamid die größte Mission dieser Art auf der Welt aufbauen. Die Zahl der Opfer in Darfur sei wesentlich höher als von der UN angegeben, sagte Nur in Paris, wo er seit mehr als einem Jahr im Exil lebt.
Mehr als 400. 000 Menschen sind in Darfur in dem seit fünf Jahren andauernden Konflikt nach seinen Worten systematisch getötet worden: Wir wissen das von unseren Familien, die dort sind. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht dagegen von mehr als 200 000 Toten, der UN-Nothilfekoordinator John Holmes von 300 000.
Von den im Mandat des UN-Sicherheitsrats vorgesehenen 26 000 Mann einer Friedenstruppe sind derzeit weniger als 10 000 im Einsatz; im Mai sollen nach jüngsten Unamid-Angaben 1200 ägyptische Soldaten und ein äthiopisches Bataillon dazukommen. Die volle Truppenstärke wird jedoch voraussichtlich erst 2009 erreicht sein. Nach Nurs Ansicht müssen die ausländischen Soldaten erst Sicherheit und Stabilität für die Menschen in Darfur herstellen. Erst dann seien Friedensverhandlungen sinnvoll. Nur hält deshalb trotz wachsender internationaler Kritik am SLM-Boykott der Friedensgespräche fest, an denen er sich seit 2006 nicht mehr beteiligt. Die SLM werde auch nicht auf der Darfur-Konferenz in London vertreten sein, die die britische Regierung möglichst bald veranstalten will. Die Rebellen in Darfur sind in zahlreiche Gruppen zersplittert. Neben Nurs SLM ist das Justice and Equality Movement (JEM) von Gewicht, das den Islamisten nahesteht und Verhandlungen aufgeschlossener ist.
Text: hcr.; F.A.Z.