11. Dezember 2006 Attentäter haben im palästinensischen Gazastreifen drei kleine Söhne eines hochrangigen Verbündeten von Präsident Mahmud Abbas erschossen. Sie griffen am Montagmorgen das Fahrzeug an, mit dem die Kinder im Alter zwischen sechs bis neun Jahren zur Schule gebracht wurden.
Nach Polizeiangaben wurden bei dem Anschlag auch ein 25jähriger Passant getötet und zwei weitere Kinder verletzt. Der Angriff ereignete sich vor den Toren der Schule und unter den Augen zahlreicher Kinder, die gerade zum Unterricht kamen. Angehörige einer Polizeieinheit der regierenden Hamas nahmen Augenzeugen zufolge die Verfolgung der Attentäter auf. Es war unklar, wer hinter dem Anschlag steckte. Das Fahrzeug, mit dem die Kinder gebracht worden waren, war nach dem Attentat von Schüssen durchsiebt, die Sitze blutüberströmt. Die Bewaffneten waren maskiert und flohen in einem gelben Auto, nachdem sie viele Schüsse auf das Fahrzeug abgegeben hatten, sagte einer der Grundschüler, der zum Augenzeuge des Anschlags wurde. Die Kinder schrieen und weinten aus Angst. In der Straße befinden sich mehrere Schulen, vor denen sich zum Zeitpunkt des Attentats Kinder und Jugendliche drängten.
Häßliches Verbrechen
Der Vater der getöteten Kinder, Oberst Baha Baluscha, ist ein hochrangiger Offizier eines Geheimdienstes, der loyal zu Abbas ist. Baluscha nahm später persönlich am Trauerzug für seine Söhne teil. Dabei stand er unter massivem Personenschutz. Er war bereits im September Ziel eines Anschlags, als Hamas-Extremisten eine ganze Serie von Attentaten gegen führende Offiziere begingen, die loyal zu Abbas sind. Ein hochrangiger Geheimdienst-Mitarbeiter im Westjordanland sagte, die Attentäter hätten sich offenbar bewußt die Kinder Baluschas als Ziel ausgesucht, weil sie an den Offizier selbst nicht herangekommen seien. Die Mörder wußten, daß Baha nicht in dem Auto saß, weil er nie selbst seine Kinder zur Schule gebracht hat. Sie haben es nicht geschafft, ihn zu töten, also töteten sie statt dessen seine Kinder, sagte er. Angehörige trugen die drei Kinder in weiße Tücher gehüllt durch die Straßen von Gaza. Rund 2000 Menschen schlossen sich an. Einige Trauernde stürmten mit Waffen das Parlamentsgebäude und gaben Augenzeugen zufolge Schüsse ab.
Hamas-Sprecher Fausi Barhum verurteilte den Anschlag als schreckliches, häßliches Verbrechen an unschuldigen Kindern. Die Täter schadeten den Interessen der Palästinenser, indem sie Chaos verbreiteten, sagte er. Der Abgeordnete Sajeb Erakat, ein enger Vertrauter von Präsident Abbas, äußerte sich besorgt über die Folgen des Anschlags und eine mögliche Eskalation der Lage. Wenn das so weitergeht, wird unser schlimmster Albtraum wahr, nämlich blutige Kämpfe unter den Palästinensern, sagte Erakat.
Abbas bemüht sich seit Monaten um die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit, erklärte die Gespräche vor kurzem jedoch als gescheitert. Als möglichen Ausweg aus dem Machtkampf mit der Hamas erwägt der Präsident Neuwahlen (siehe auch: Abbas kündigt Neuwahlen an: Die Entscheidung geht an das Volk zurück). Die Hamas lehnt dies ab. Diese würden zu einem Chaos führen, warnte Ministerpräsident Ismail Hanija am Wochenende.
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