15. Mai 2006 Die sonst so streitlustige Islam-Kritikerin und niederländische Parlamentsabgeordnete Ayaan Hirsi Ali gibt auf. Offensichtlich zermürbt vom Mangel an politischer Unterstützung und von einer neuen Debatte über ihre Person will die aus Somalia stammende Politikerin Den Haag verlassen. Sie versucht ihr Glück künftig an dem konservativen American Enterprise Institute in Washington, das auch Präsident George W. Bush ideologischen Rückhalt gibt.
Schon vor einigen Wochen hatte Hirsi Ali gesagt: Manchmal macht mich das alles wirklich müde. Damals hatte sie gerade ein Gerichtsurteil hinnehmen müssen, das sie dazu zwingt, ihre Wohnung in Den Haag zu verlassen. Nachbarn hatten sich daran gestört, daß für die Sicherheit der umstrittenen Abgeordneten so viel Aufwand getrieben wird. Sie fühlten sich belästigt, selbst in Gefahr - und bekamen Recht.
Ich mache mehr kaputt als wieder gut
Die Regierung hatte Hirsi Ali die relativ gut zu bewachende Wohnung besorgt, weil sie kaum eine andere Möglichkeit sah, ihr Leben zu schützen. Denn radikale Muslime haben Hirsi Ali wiederholt mit dem Tode bedroht. Muslim-Extremisten hatten schon den Regisseur Theo van Gogh ermordet, der Hirsi Alis Drehbuch zu dem Film Submission (Unterdrückung) verfilmte. Der Film thematisiert die Unterdrückung von Frauen durch den Islam.
Hirsi Ali nennt den Propheten Mohammed einen perversen Mann, weil er eine Neunjährige geheiratet habe. Für ihre Unerschrockenheit wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Auf der politischen Bühne in Den Haag, die sie selbst gesucht hat, ist sie jedoch fast isoliert. Selbst in ihrer eigenen Partei, der rechtsliberalen Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD), wurde sie wegen ihrer kaum auf Dialog zielenden Äußerungen regelmäßig zur Ordnung gerufen. Sie selbst sagte einmal: Ich mache mehr kaputt als wieder gut. Bei den Bürgern kommt meine Botschaft verfälscht an.
Ich hätte sie ausgewiesen
Doch in den vergangenen Tagen galt die Aufmerksamkeit der Medien nicht Hirsi Alis Islamkritik, sondern ihrer Person. Durch eine Fernsehdokumentation wurde erstmals landesweit bekannt, daß sie gelogen hatte, um vor 14 Jahren in den Niederlanden politisches Asyl zu erlangen. Sie war nicht aus dem Bürgerkrieg in Somalia geflohen, sondern hatte längst in Kenia gelebt. Nicht Hirsi Ali ist ihr richtiger Name gewesen, sondern Hirsi Magan.
Das alles wird von ihr nicht bestritten und ist auch nicht völlig neu. So hatte Hirsi Ali unter anderem die Parteiführung der VVD eingeweiht, die sie 2002 mit einem Sitz im Parlament von der sozialdemokratischen Arbeitspartei weglockte.
Ausländerministerin Rita Verdonk (Ich hätte sie ausgewiesen) hatte zunächst gesagt, Hirsi Ali habe heute nichts mehr zu befürchten. Doch jetzt ordnete sie an, den Fall zu überprüfen. Erst kürzlich mußte auf Anordnung Verdonks eine 19 Jahre alte Frau aus dem Kosovo kurz vor dem Abitur die Niederlande verlassen, weil sie gegenüber der Einwanderungsbehörde gelogen hatte. Verdonk will Spitzenkandidatin der VVD bei der Wahl im nächsten Jahr werden und offenbar nicht in einen Sog von Unglaubwürdigkeit geraten. Denn nichts steht bei der Eisernen Rita so hoch wie der Spruch Regeln sind Regeln.
Text: dpa
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb
