08. November 2006 Die Hamas-Bewegung, die auch die Palästinenserregierung führt, hat die Waffenruhe mit Israel für beendet erklärt. Der bewaffnete Kampf könne wieder aufgenommen worden, sagte der Generalsekretär der islamistischen Organisation, Chaled Meschal, am Mittwoch in Damaskus. Er reagierte damit auf den Tod von mindestens 23 Menschen bei israelischen Angriffen vom Mittwoch morgen.
Bei einem Panzerangriff auf ein Haus in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen starben nach Angaben eines palästinensischen Krankenhauses mindestens 18 Palästinenser, darunter fünf Frauen und Kinder. Mehr als 20 Menschen seien verletzt worden. Bei Dschenin im Westjordanland wurden fünf weitere Palästinenser getötet. Nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte handelte es sich um vier Mitglieder der Al-Aqsa-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Das fünfte Opfer sei ein Zivilist gewesen, der in seinem Haus getötet wurde.
Unbekannte beschossen EU-Büro
Laut dem palästinensischen Bericht hatten die israelischen Streitkräfte ohne vorherige Warnung auf die Männer geschossen. Die Streitkräfte hätten vor ihrem Rückzug aus dem Dorf noch acht Verdächtige festgenommen. Die israelische Armee erklärte dazu, sie habe zur Abschreckung auf ein Gebiet geschossen, von dem aus militante Palästinenser am Vortag vier Kassem-Raketen auf Israel gefeuert hätten.
Ebenfalls am Mittwoch morgen beschossen nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte Unbekannte das Büro der Europäischen Union in Gaza-Stadt. Jugendliche hätten das Gebäude zudem mit Steinen beworfen. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor.
Dem amerikanischen Feind harte Lektionen erteilen
Nach dem neuen israelischen Angriff forderte die von der Hamas geführte Palästinenserregierung, Israel müsse ausradiert werden. Israel sollte verschwinden, hieß es in einer Erklärung von Kabinettssprecher Ghasi Hamad, der zudem den Ausschluß Israels aus den Vereinten Nationen forderte.
Der militante Flügel der Hamas rief zudem Muslime in aller Welt zu Anschlägen auf amerikanische Ziele auf. Amerika leiste politische und finanzielle Unterstützung für die Verbrechen der zionistischen Besatzungsmacht und ist verantwortlich für das Massaker von Beit Hanun, hieß es in einer Erklärung vom Mittwoch. Deswegen müßten dem amerikanischen Feind harte Lektionen erteilt werden. Bisher griff die Hamas nur amerikanische Ziele an, so daß die Erklärung einen Richtungswechsel darstellen könnte.
Livni bekräftigt Israels Recht auf Verteidigung
Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) verurteilte die israelischen Angriffe scharf. In einer Erklärung der OIC vom Mittwoch hieß es, Israel mache sich des Staatsterrorismus schuldig. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen müsse dringend Maßnahmen zum Schutz der palästinensischen Zivilbevölkerung ergreifen, forderte die Organisation, der 57 Staaten angehören.
Dagegen bekräftigte die israelische Außenministerin Zipi Livni das Recht ihres Staates zur Verteidigung seiner Bürger gegen palästinensische Raketenangriffe. Nach dem Abzug Israels aus dem Gazastreifen hätten die Palästinenser die Möglichkeit nicht genutzt, den Terrorismus selbst zu kontrollieren und das Leben zu entwickeln, kritisierte Frau Livni. Leider gibt es im Verlauf eines Kampfes bedauerliche Zwischenfälle wie am heutigen Morgen, sagte die Außenministerin.
Text: FAZ.NET mit AP, dpa und Reuters
Bildmaterial: AFP