17. Oktober 2007 China hat am Mittwoch das Treffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush und dem Dalai Lama scharf verurteilt. Das Treffen sei eine unangebrachte Einmischung in innere Angelegenheiten gewesen, die man den Vereinigten Staaten sehr übel nehme, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Liu Jianchai nach Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Wir haben die Vereinigte Staaten dringend gebeten, dieses Fehlverhalten zu korrigieren und jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas zu beenden.
Bush war mit dem tibetischen Religionsführer am Dienstag zu einem halbstündigen privaten Meinungsaustausch zusammengekommen. Um den inoffiziellen Charakter zu unterstreichen, fand das Treffen zwischen nach Angaben des Weißen Hauses nicht in Bushs Amtszimmer, sondern in einem Raum der Privatresidenz statt. Dennoch hatte die chinesischen Regierung, die eine internationale Aufwertung des Dalai Lama verhindern möchte, die Zusammenkunft schon im Vorfeld scharf kritisiert.
Kongress zeichnet Dalai Lama aus
An diesem Mittwoch sollten sich Bush und der Dalai Lama bei einer Ordensverleihung an den Tibeter im amerikanischen Kongress abermals begegnen. Bei einer offiziellen Feierstunde im Kongress, bei der das geistliche Oberhaupt der Tibeter die Goldmedaille des Parlaments erhält. Auch die staatliche Zeitung China Daily warnt Washington deswegen vor einer Verschlechterung der bilateralen Beziehungen. Die Auszeichnung werde einen Schatten über das Verhältnis zwischen Peking und Washington werfen, schrieb das englischsprachige Blatt am Mittwoch.
Der amerikanische Kongress will den Dalai Lama für seine herausragenden Beiträge zum Frieden, zur Gewaltfreiheit sowie für Menschenrechte und religiöse Verständigung ehren. Die Auszeichnung haben bereits der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela, der frühere Papst Johannes Paul II. und der britische Expremierminister Tony Blair erhalten.
Nach der privaten Unterredung mit Bush am Dienstag wischte der Dalai Lama die chinesischen Proteste beiseite. Das mache die Regierung in Peking ständig, sagte er vor seinem Hotel in Washington zu Journalisten. Er habe mit Bush über die Lage in Tibet gesprochen und dem Präsidenten dafür gedankt, dass er sich um Tibet kümmere.
Keine Bilder
Die Medien waren von dem Treffen ausgeschlossen. Das Präsidialamt entschied auch entgegen sonstiger Gepflogenheit, keine Fotos von der Begegnung zu veröffentlichen. Der chinesische Außenminister Yang Jiechi hatte die Vereinigten Staaten zuvor aufgefordert, die Veranstaltungen mit dem Dalai Lama unbedingt abzusagen.
Ein für Mittwoch geplantes Berliner Treffen der fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschlands zwecks Beratungen über das iranische Atomprogramm wurde nach amerikanischen Angaben verschoben, weil China seine Teilnahme aufkündigte. Peking hatte bereits heftig auf den Empfang des Dalai Lama im Kanzleramt vor gut drei Wochen reagiert. China hat Tibet 1950 besetzt und betrachtet es als Teil seines Territoriums.
Der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der tibetischen Buddhisten, ging damals ins Exil. Der Friedensnobelpreisträger von 1989 fordert keine Unabhängigkeit für Tibet, tritt aber für eine wirkliche Autonomie ein. Der Regierung in Peking ist jedoch jeder Empfang des Dalai Lama von internationalen Staats- und Regierungschefs ein Dorn im Auge.
Text: FAZ.NET mit AFP/AP
Bildmaterial: AFP, reuters