Vorwahlen in Amerika

Clinton kann Obama nicht abhängen - McCain zieht davon

Gracias: Hillary Clinton punktet bei den Latinos

Gracias: Hillary Clinton punktet bei den Latinos

06. Februar 2008 Bei den Vorwahlen in mehr als 20 amerikanischen Bundesstaaten am „Super Tuesday“ hat Hillary Clinton ihren knappen Vorsprung vor Barack Obama behaupten können. Clinton gewann in neun Staaten; darunter ist das bevölkerungsreiche Kalifornien. Obama siegte in 13 Staaten, vor allem im Süden. Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur bei den Demokraten bleibt damit offen. Bei den Republikanern konnte der gemäßigt konservative Senator John McCain seine Führung am Dienstag ausweiten und sich klar von seinen beiden Mitbewerbern Mitt Romney und Mike Huckabee absetzen. (Siehe auch: Ergebnisse der Vorwahlen in Amerika)

Clinton lag in ihrem Heimatstaat New York nach vorläufigen Ergebnissen mit fast 60 Prozent der Stimmen vor Obama, der etwa 40 Prozent auf sich vereinigen konnte. Die frühere First Lady gewann auch in Arkansas, wo sie vom Ansehen ihres Mannes Bill profitierte, der diesen Staat als Gouverneur regierte, bevor er zum Präsidenten gewählt wurde. Erfolg hatte sie zudem in Arizona, Massachusetts, New Jersey, New Mexico, Oklahoma und Tennessee.

Obama dringt in neue Wählerkreise vor

Obama gelang es am Dienstag laut Umfragen, auch in manche Wählerkreise vorzudringen, in denen bislang seine Rivalin deutlich vorne lag - das sind vor allem weiße Wähler und Frauen. Obama gewann unter anderem die Vorwahl in Illinois, das er als Senator in Washington vertritt. Er siegte zudem in Alabama, Alaska, Colorado, Connecticut, Delaware, Georgia, Idaho, Kansas, Minnesota, North Dakota und Utah. Obama gewann mit sehr knappem Ergebnis auch in Missouri, das zunächst für Clinton gewertet worden war.

Bis zu den Wahlen am Dienstag hatte Clinton mit 261 zu 202 Stimmen geführt, einschließlich der sogenannten Superdelegierten. Dabei handelt es sich um Abgeordnete und Parteifunktionäre, die außerhalb der Vorwahlen für den Nominierungsparteitag delegiert werden. Gewählt wurden bei den Demokraten am „Super-Dienstag“ 1681 Delegierte. Für die Nominierung sind in dieser Partei mindestens 2025 Stimmen erforderlich.

McCain weitet seine Führung aus

Bei den Republikanern gewann der 71 Jahre alte McCain in Kalifornien und mindestens acht weiteren Staaten. Er siegte auch in New York, wo 101 Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag der Republikaner zu vergeben waren, die nach dem Prinzip „Winner Takes All“ nun alle an McCain fallen. Der Vietnamkriegsveteran profitierte dabei anscheinend von der Wahlempfehlung des ehemaligen New Yorker Bürgermeisters Rudolph Giuliani. McCain siegte zudem in Arizona, dessen Senator er ist, sowie in Connecticut, Delaware, Illinois, Missouri, New Jersey und Oklahoma.

Der frühere Gouverneur Mitt Romney geriet am Dienstag weiter ins Hintertreffen. Der dezidiert konservative Politiker war in seinem Heimatstaat Massachusetts erfolgreich, in dem er bis Anfang vergangenen Jahres als Gouverneur regierte. Außerdem gewann der bekennende Mormone in dem von dieser Religionsgemeinschaft geprägten Bundesstaat Utah sowie in Alaska, Colorado, Minnesota, Montana und North Dakota.

Besser als von manchen erwartet schnitt der ehemalige republikanische Gouverneur Mike Huckabee ab: Der einstige Baptistenprediger punktete in Alabama, Arkansas, Georgia, Tennessee und West Virginia.

Vor allem die Wirtschaft bewegt die Wähler

Bei den Republikanern wurden am Dienstag 1023 Delegierte in 22 Staaten bestimmt - zuvor waren 102 Delegierte auf McCain entfallen, 93 auf Romney und 43 auf Huckabee. Ebenfalls noch im Rennen war Ron Paul mit vier Stimmen; seine Bewerbung gilt aber als aussichtslos. Für die Nominierung sind bei den Republikanern mindestens 1191 Delegiertenstimmen erforderlich.

Wähler beider Parteien gaben in Umfragen die Entwicklung der Wirtschaft als wichtigstes Thema an. (Siehe auch: Bild für Bild: Die Wirtschaftspolitik der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten) Bei den Demokraten folgten danach der Irak-Krieg und die Gesundheitsversorgung. Für die Republikaner war die Einwanderung das zweitwichtigste Thema; erst danach kam die Entwicklung im Irak.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa, REUTERS

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