Von Claus Tigges und Norbert Kuls
24. November 2008 Die amerikanische Regierung eilt der angeschlagenen Großbank Citigroup mit Hunderten von Milliarden Dollar zu Hilfe. In der Hoffnung, einen Zusammenbruch des Bankkonzerns zu verhindern, wurde am Wochenende ein Bündel von Maßnahmen zwischen dem Vorstand der Citigroup, dem Finanzministerium, der Notenbank Federal Reserve (Fed) und der staatlichen Einlagensicherungsgesellschaft FDIC ausgehandelt. Es enthält eine Kapitalspritze der Regierung von 20 Milliarden Dollar sowie staatliche Bürgschaften für faule Kredite und problematische Wertpapiere in Höhe von 306 Milliarden Dollar.
Die amerikanische Regierung ist der Stabilität der Finanzmärkte verpflichtet, denn sie ist eine Voraussetzung für die Rückkehr zu einem kräftigen Wirtschaftswachstum, heißt es in einer Mitteilung von Finanzministerium, Fed und FDIC vom Montag. Darum habe sich die Regierung entschlossen, einen Schutz vor möglichen großen Verlusten der Citigroup zu bieten. Durch die Rettung der Citigroup zeichnet sich ab, dass Finanzminister Henry Paulson auch auf die zweite Hälfte des 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspakets zugreifen wird. Für seinen Nachfolger in der neuen Regierung wird wohl nichts mehr übrigbleiben.
Aktienkurs legt kräftig zu
Der Aktienkurs der Citigroup reagierte im frühen Handel an der New Yorker Börse mit einem Aufschlag von fast 60 Prozent. In der vergangenen Woche war der Kurs um 60 Prozent eingebrochen, weil Investoren zunehmend das Vertrauen in den Finanzriesen verloren hatten. Der fallende Aktienkurs drohte das Vertrauen von Kunden, Gläubigern und Kreditbewertungsagenturen weiter zu schwächen. Die Marktkapitalisierung der Citigroup betrug einst 250 Milliarden Dollar - zuletzt waren es nur noch 25 Milliarden. Der seit einem Jahr amtierende Citigroup-Vorstandschef Vikram Pandit kündigte Anfang vergangener Woche die Entlassung von mehr als 50 000 Mitarbeitern an. Pandit versuchte, die Bank mit Kostenkürzungen und dem Verkauf von Geschäftsbereichen wie etwa der deutschen Privatkundensparte zu sanieren.
Die Citigroup hat im Zuge der Häuserkrise stark unter Wertverlusten von komplexen Hypothekenanleihen gelitten. Die Bank hatte dieses Geschäft während des Marktaufschwungs ausgebaut, in den vergangenen vier Quartalen aber Verluste von 20 Milliarden Dollar angehäuft. Die amerikanischen Banken geraten wegen des Konjunkturabschwungs unter zusätzlichen Druck. Analysten rechnen deswegen mit steigenden Ausfällen bei Verbraucherdarlehen und Kreditkarten.
Boni für Bankmanager werden beschränkt
Laut Vereinbarung mit der Regierung würden die faulen Kredite und Wertpapiere weiterhin in der Bilanz der Citigroup geführt. Als Gegenleistung für die staatliche Garantie wird die Citigroup der Regierung dividendenberechtigte Vorzugsaktien im Wert von 7 Milliarden Dollar geben. Darüber hinaus werde sich das Finanzministerium mit weiteren 20 Milliarden Dollar an dem Konzern beteiligen, um dessen Kapitalausstattung zu stärken. Auch dafür wird die Regierung Vorzugsaktien erhalten. Die Citigroup wird auf diese Wertpapiere eine jährliche Dividende von 8 Prozent zahlen. Schon vor einigen Wochen hatte die Regierung im Rahmen des Rettungspakets 25 Milliarden Dollar in die Citigroup investiert.
Teil der Vereinbarung sind auch Beschränkungen für Bonuszahlungen an Bankmanager sowie für die Dividenden an Stammaktionäre. Vorgesehen ist weiter, dass die Citigroup Verluste aus dem Kredit- und Wertpapierportfolio bis zu 29 Milliarden Dollar selbst trägt. Darüber hinausgehende Verluste werden zu 90 Prozent von der Regierung übernommen, die Bank muss also noch 10 Prozent davon tragen. Das Finanzministerium würde zunächst auf bis zu 5 Milliarden Dollar aus einem Sonderfonds zurückgreifen, die FDIC würde dann die folgenden 10 Milliarden Dollar übernehmen. Für alle weiteren Verluste würde dann die Fed geradestehen.
Vergangene Woche waren an der Wall Street eine Reihe von Szenarien für die Rettung der Citigroup debattiert worden. Dazu zählte die Fusion mit einem stärkeren Institut oder der Verkauf größerer Sparten wie der Wertpapiersparte für Privatkunden, Smith Barney. Der Vorstandsvorsitzende Pandit hatte den Mitarbeitern des Konzerns am Freitag aber mitgeteilt, dass die Bank an ihrem Geschäftsmodell festhalte und auch Smith Barney behalten will. Die Regierung soll dennoch das Interesse potentieller Käufer oder Fusionspartner an der Citigroup ausgelotet haben. Analysten hatten die Wall-Street-Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley als mögliche Partner bezeichnet. Noch im Oktober hatte die Citigroup selbst als Rettungsanker für eine angeschlagene Bank gegolten. Die FDIC hatte damals den Verkauf des Bankgeschäfts des Finanzdienstleisters Wachovia an die Citigroup arrangiert. Wenige Tage später hatte allerdings die große kalifonische Regionalbank Wells Fargo ein höheres Angebot für Wachovia abgegeben und die Citigroup ausgestochen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP