17. März 2006 Bei ihrer Großoffensive gegen Aufständische haben amerikanische und irakische Soldaten nördlich der Stadt Samarra 50 Verdächtige festgenommen und sechs Waffenlager ausgehoben. Auch am zweiten Tag der Operation Schwärmer gab es keine direkten Kämpfe zwischen den Soldaten und Aufständischen.
An der Operation, die auf mehrere Tage angesetzt ist, nahmen in der Anfangsphase tausend amerikanische Soldaten der 101. Luftlandedivision sowie 500 Soldaten der 4. Irakischen Division teil. Sie wurden von 60 Hubschraubern an ihre Einsatzorte befördert. Seit Kriegsende vor knapp drei Jahren sind bei keiner Operation mehr Hubschrauber eingesetzt worden.
Kampfflugzeuge kommen nicht zum Einsatz. Statt dessen durchkämmen die Soldaten systematisch einzelne Ortschaften und Landstriche. Am Freitag wurde die Zahl der Soldaten, die an der Operation beteiligt sind, auf 900 reduziert.
Kritik der Sunniten
General John Abizaid, der Kommandeur der amerikanischen Truppen, sagte, die Operation Schwärmer richte sich gegen aufständische Elemente. Der irakische Außenminister Zebari teilte mit, Erkenntnisse lägen vor, nach denen Aufständische aus dieser Region Anschläge planten. Aufständische hätten sich nach früheren erfolgreichen Operationen gegen sie im Euphrattal und nahe der Grenze zu Syrien in Gebiete um die Städte Dijala und Samarra zurückgezogen, sagte Zebari.
Saleh al Mutlaq, einer der einflußreichsten sunnitischer Politiker, kritisierte die Militäraktion. Sie sende an das irakische Volk und das Parlament das Signal, daß die Lösung der Probleme des Iraks militärisch und nicht politisch sei. Zu dem Zeitpunkt, als das Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengetreten sei, hätten die Amerikaner mit solchen bedeutungslosen Handlungen überrascht.
Washington wirft Teheran nicht hilfreiche Aktivitäten vor
Einen Tag, nachdem Iran Gesprächen mit den Vereinigten Staaten über den Irak zugestimmt hat, warf die amerikanische Botschaft in Bagdad Iran nicht hilfreiche Aktivitäten im Irak vor, über die sie besorgt sei. Mit der jüngsten Operation Schwärmer wollen die amerikanischen und irakischen Soldaten verhindern, daß die Aufständischen das politische Vakuum nutzen, das durch die sich über Monate hinziehende Regierungsbildung entstanden ist.
Zudem soll sie Anschläge gegen die Schiiten verhindern, die am kommenden Montag einen wichtigen religiösen Feiertag begehen. Die Amerikaner fordern auch von den Sunniten als Gegenleistung für ihre Unterstützung bei der Regierungsbildung offenbar eine Kooperation beim Aufspüren von Aufständischen.
Führer der Aufständischen verhaftet?
Die Operation konzentrierte sich bislang auf die vier Dörfer Dschillam, Mamlaha, Banat Hassan und Bukadu. Sie liegen in einer Wüstengegend entlang der Hauptstraße von Samarra nach Adwar, an der häufig Bombenanschläge verübt werden. Bei früheren Operationen gegen Aufständische waren in Falludscha, Ramadi und Nadschaf zwar mehr Soldaten eingesetzt. Dabei hatten die irakischen Einheiten nur die Aufgabe, die von den amerikanischen Soldaten zurückeroberten Stellungen zu halten. Diesmal sind die irakischen Soldaten auch mit Kampfeinheiten an der Operation beteiligt.
Unter den Verhafteten befinde sich möglicherweise mindestens ein Führer der Aufständischen, sagte der stellvertretende Gouverneur der Provinz Salaheddin, Abdallah Hussein. Er bezifferte die Zahl der in der Gegend aktiven Aufständischen auf 200. Sie setzten sich aus irakischen und ausländischen Kämpfern zusammen. In den Waffenlagern wurden neben Mörsergranaten, Sprengstoff und Telekommunikationsgeräten zur Auslösung von Bomben auch Uniformen der irakischen Armee sichergestellt, teilte Hussein mit.
Bush fordert Senat Nachtragshaushalt zuzustimmen
Das Repräsentantenhaus in Washington verabschiedete unterdessen einen Nachtragshaushalt zur weiteren Finanzierung der Kriege im Irak und in Afghanistan. Mit den jetzt bewilligten 67 Milliarden Dollar betragen die Kosten für die Militäreinsätze im Irak und Afghanistan jetzt insgesamt fast 400 Milliarden Dollar. Der Senat muß noch zustimmen. Präsident Bush hat den Senat aufgefordert, den vom Weißen Haus beantragten Nachtragshaushalt ebenfalls rasch zu beschließen. Mit dem Gesetz wurde außerdem die Hilfe für die von den Hurrikanen des vergangenen Sommers betroffenen Gebiete an der amerikanischen Golfküste um weitere 19 Milliarden auf zusammen etwa 90 Milliarden Dollar erhöht.
Unterdessen hat die amerikanische Regierung begonnen, von amerikanischen Soldaten nach der Invasion im Irak beschlagnahmte Dokumente des Baath-Regimes zu veröffentlichen. In amerikanischen Medien wurde vorab berichtet, in den Papieren und Tonbandaufzeichnungen gebe es Belege dafür, daß der gestürzte irakische Diktator Mitglieder von Al Qaida im Irak vermutet und deren Präsenz geduldet habe. Insgesamt sollen 48000 Kisten mit Aufzeichnungen von Gesprächen und andere Dokumente aus dem Irak ausgewertet und anschließend veröffentlicht werden. An vielen Gesprächen soll Saddam selbst teilgenommen haben.
Text: Her./rüb / F.A.Z.
Bildmaterial: AP, Dpa, Reuters