Ein einigermaßen lächerlicher Vorwurf, Deutschland thematisisere den Holokaust nicht ausreichend. Was überfällig ist, ist, dass in Polen endlich nicht nur die anti-jüdischen Exzesse während des Zweiten Weltkriegs, sondern vor allem in der unmittelbaren Nachkriegszeit thematisiert werden. Unzählige Schoa-Überlebende wurden 1945/46 in Polen ein weiteres Mal Opfer von anti-jüdischem Hass. Die polnischenn Politiker sollten in dieser Angelegenheit nicht vergessen, auch vor der eigenen Haustür zu kehren.
Nun kann ich, da ich die Ausstellung nicht gesehen habe, diese nicht beurteilen, aber da befinde ich mich mich ja in Gesellschaft einiger Herrschaften, auch jenseits von Oder und Neiße.
Ich gehöre keiner Landsmannschaft an, und man kann mir vieles unterstellen, aber revanchistische Gefühle hege ich wirklich nicht: aber man darf das Leid der Deutschen nicht ignorieren, weil diese den Krieg begonnen, Zerstörung und einen Völkermord ungeahnten Ausmaßes über Europa gebracht haben; Mörder und Opfer gab es auf allen Seiten.
Allerdings bekenne ich mich zur deutschen Geschichte und eben auch zur Verantwortung der Deutschen in dessen Angesicht. Und genau deshalb und völlig unabhängig von dieser Ausstellung darf und muss man eine Meinung zur Ausrichtung der derzeitigen polnischen Regierung und Präsidentschaft haben: Tendenzen der Diskriminierung von Minderheiten, Angriffe auf die Pressefreiheit und permanente Ausfälligkeiten gegen die Nachbarn und Europa: nein, Verantwortung heißt "Wehret den Anfängen" - egal ob in Berlin, Warschau, Minsk oder anderswo. Die wahren ewig Gestrigen residieren derzeit in Warschau.
"Kritiker werfen dem Zentrum unter Leitung von BdV-Präsidentin Erika Steinbach (CDU) vor, das Leid der deutschen Vertriebenen zu stark in den Vordergrund zu rücken. Die konservative Regierung Polens und ein Großteil der dortigen Bevölkerung halten den Organisatoren vor, die Deutschen als Opfer eines Krieges darzustellen, den sie selbst begonnen hatten. "
In einer ausführlichen Reportage im WDR 5 hörte ich gestern genau das Gegenteil. Frau Steinbach wird vorgeworfen, eben NICHT genug Partei für deutsche Vertriebene ergriffen zu haben. Was ist denn nun richtig?
Und Spitzenpolitiker jedweder Länder sollten genug Plan haben, Ihre Tagespolitik nicht wegen Ausstellungen, die nicht vom politischen Partner veranstaltet werden, zu ändern..
Ist es Ihnen lieber, Herr Marcinkiewicz, die deutsche Regierung würde Einfluss nehmen auf Berichterstattung? (aber stimmt ja, die polnische Demokratie ist noch nicht SO alt ..)