Blutige Kämpfe im Nordirak

Dutzende Tote bei türkischer Offensive gegen PKK

An der Offensive sollen mehr als 10.000 türkische Soldaten beteiligt sein

An der Offensive sollen mehr als 10.000 türkische Soldaten beteiligt sein

23. Februar 2008 Bei ihrer Großoffensive im Nordirak haben sich türkische Truppen am Samstag schwere Kämpfe mit Rebellen der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK geliefert. Mindestens 44 PKK-Kämpfer und fünf Soldaten wurden bislang getötet, wie der türkische Generalstab mitteilte. Eine kurdische Einheit der irakischen Armee meldete Gefechte in der Umgebung der Stadt Sacho. Die massive Bodenoffensive wurde von der türkischen Luftwaffe unterstützt, die auch mutmaßliche PKK-Stellungen in den Kandil-Bergen angriff.

An dem Einsatz sind nach unbestätigten türkischen Medienberichten mehr als 10.000 Soldaten beteiligt. Der Nachrichtensender CNN-Türk berichtete unter Berufung auf türkische Sicherheitskreise, die am Donnerstagabend begonnene Militäroperation solle etwa zwei Wochen dauern. Die PKK drohte nach Angaben arabischer Medien damit, „den Kampf in die Türkei hineinzutragen“.

Türkische Soldaten im Nordirak

Türkische Soldaten im Nordirak

Die irakischen Kurden wollen sich aus den Kämpfen heraushalten. „Wir werden keine Kriegspartei sein im Kampf zwischen der Türkei und der PKK, nur wenn die Türken Bürger unseres Staates oder bewohnte Gebiete angreifen sollten, dann werden wir erbitterten Widerstand leisten, und darauf haben wir uns auch schon vorbereitet“, sagte der Präsident der nordirakischen Autonomieregion der Kurden, Massud Barsani.

Ban: Türkei und Irak sollen Grenzregion gemeinsam stabilisieren

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon kritisierte den Einsatz der Armee. Ihm seien die Bedenken der Türkei zwar bewusst, gleichwohl bekräftige er seine Aufforderung zu größtmöglicher Zurückhaltung und zu Respekt vor der internationalen Grenze zwischen dem Irak und der Türkei, ließ Ban am Freitag in New York erklären. Zugleich forderte er die PKK auf, ihre Terrorattacken auf türkisches Gebiet einzustellen. „Der Schutz der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten der Grenze bleibt das vordringliche Anliegen“, sagte ein Sprecher Bans.

Ein Sprecher der Autonomieregierung forderte, die türkischen Truppen sollten sich „sofort aus dem Irak zurückziehen“. Der amerikanischen Regierung warf er vor, sie habe Ankara grünes Licht für diesen „Angriff auf die irakische Souveränität“ gegeben. Aus Washington hieß es, die Türkei könne im Kampf gegen die PKK auf die Solidarität der Vereinigten Staaten zählen, solle bei ihrem Einsatz jedoch „präzise und schnell“ vorgehen.

Die türkische Armee rückte am Samstag weiter in den Irak vor. Türkische Medien berichteten, es gebe in mehreren Regionen schwere Schießereien mit PKK-Einheiten. Kampfhubschrauber und türkische Artillerie beschossen demnach Verstecke der kurdischen Kämpfer. Der Militäreinsatz verlaufe „wie geplant“, teilte die türkische Armee mit. Wo genau die Kämpfe stattfanden, wurde nicht mitgeteilt. Das Militär betonte, dass sich der Einsatz ausschließlich gegen die als Terrororganisation eingestufte PKK richte und zeitlich begrenzt sei.

Bundesregierung in „großer Sorge“

Auch die Sicherheitskräfte der drei von den Kurden verwalteten Autonomieprovinzen des Nordiraks bestätigten, bisher hätten die Türken weder zivile Ziele noch Stellungen der irakischen Kurden- Kämpfer („Peschmerga“) angegriffen. „Wir sind nicht Teil dessen, was entlang der Grenze passiert, aber falls die türkische Armee zu den Kasernen der Peschmerga marschieren würde, dann würden wir sie zurückdrängen“, sagte ein Armeesprecher der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak.

Die amerikanische Regierung hofft auf eine schnelle und zielgerichtete Operation der türkischen Armee. „Wir haben bei der türkischen Regierung darauf gedrungen, dass sie ihre Operationen auf das präzise Ziel der PKK im Ausmaß und der Dauer begrenzt“, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington. Die Bundesregierung in Berlin äußerte „große Sorge“. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte, die Präsenz türkischer Truppen im Irak sei ein „nicht unerhebliches Destabilisierungsrisiko“.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, dpa

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