Vereinigte Staaten

Demokraten äußern Skepsis

Von Matthias Rüb, Washington

Senator John Rockefeller (l.) kritisiert Präsident Bushs Irak-Politik

Senator John Rockefeller (l.) kritisiert Präsident Bushs Irak-Politik

10. Februar 2006 Die jüngsten Aussagen von Präsident Bush, wonach amerikanische Geheimdienste gemeinsam mit den Behörden eines asiatischen Landes Anfang 2002 einen geplanten Anschlag auf ein Hochhaus in Los Angeles vereitelt haben, ist von den oppositionellen Demokraten mit Skepsis aufgenommen worden.

Der Bürgermeister von Los Angeles, Antonio Villaraigosa, zeigte sich überrascht über den Umfang der Informationen, die der Präsident in der Nacht zum Freitag bekanntgegeben hatte. Zwar sei die Stadtverwaltung vorab über Bushs Rede unterrichtet worden, man habe aber nur allgemeine Informationen vom Weißen Haus und von den Sicherheitsbehörden erhalten. Das führende Mitglied der Demokraten im Geheimdienstausschuß des Senats, John Rockefeller, sagte, die Regierung sei „vielleicht müde gewesen“, fortgesetzt über den vereitelten Anschlag auf die Brooklyn-Brücke in New York zu reden, und habe „irgendwie nach einem anderen Bauwerk gesucht“.

Nach dem Muster des 11. September

Bush hatte jetzt bisher unbekannte Details zu dem geplanten Anschlag preisgegeben, über dessen Vorbereitungen die Öffentlichkeit seit Oktober 2005 nur in groben Zügen unterrichtet war. Danach reisten vier Terroristen aus Südostasien im Oktober 2001 Usama Bin Ladin nach Afghanistan, schworen diesem Gefolgschaft und versprachen, einen Anschlag nach dem Muster der Attentate vom 11. September 2001 auf den Library Tower (heute US Bank Tower) in Los Angeles zu verüben.

Mit einer in einem Schuh an Bord eines Flugzeugs geschmuggelten Bombe hätte die Tür zum Cockpit aufgesprengt, das Flugzeug entführt und in den 72 Stockwerke hohen Büroturm - das höchste Gebäude in den Vereinigten Staaten westlich von Chicago - geflogen werden sollen.

Der Plan sei dank der Zusammenarbeit amerikanischer Dienste mit den Behörden der südostasiatischen Staaten vereitelt worden; nach Agenturberichten soll einer der Verdächtigen der Malaysier Zaini Zakaria gewesen sein, der sich 2002 den Behörden in Kuala Lumpur gestellt habe. Drahtzieher des Anschlages war nach Erkenntnissen der amerikanischen Dienste Khalid Scheich Mohammed, der auch die Anschläge von New York und Washington geplant hatte. Mohammed wurde 2003 festgenommen.

Vier Asiaten festgenommen

Er habe für den Anschlag junge Männer aus Südostasien ausgewählt, weil er glaubte, diese würden weniger Verdacht erregen als Araber, sagte Bush. Auch die südasiatische Terrorgruppe Jemaah Islamiah unter deren Führer Riduan Isamuddin, genannt Hambali, soll an den Vorbereitungen beteiligt gewesen sein. Hambali wurde 2003 gefaßt. Bushs Beraterin für Sicherheitsfragen und Terrorismusbekämpfung, Frances Townsend, sagte, alle vier für den Anschlag ausgewählten jungen Asiaten seien festgenommen worden.

Deshalb habe man die bisher geheimgehaltenen Informationen jetzt der Öffentlichkeit zugänglich machen können. Die Verschwörung zu dem vereitelten Anschlag auf Los Angeles zeige, wie entschlossen und unerbittlich der Feind sei, sagte Bush: „Er operiert in vielen Ländern, und deshalb erfordert der Schutz unserer Bürger auch eine bisher nicht gekannte Zusammenarbeit mit anderen Staaten.“

Text: F.A.Z., 11.02.2006, Nr. 36 / Seite 5
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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