09. Juni 2006 Taliban-Anführer Mullah Mohammed Omar sieht auch nach der Tötung Abu Musab al Zarqawis keine Schwächung der Kämpfer gegen ausländische Armeen in islamischen Ländern.
Der Widerstand gegen die Kreuzfahrer-Truppen in Afghanistan und anderen Teilen der islamischen Welt wird nicht geschwächt werden, zitierte die Afghan Islamic Press in Pakistan. Viele, viele andere junge Männer können Zarqawi werden, sagte er. Die Nachfolger können noch stärker als er werden. So lange das Ausland seine Angriffe auf die islamische Welt fortsetze, werde jeder junge Moslem im Kampf seinen Glauben verteidigen.
Zarqawis Tod ein Erfolg im Kampf gegen Terror
Die Bundesregierung äußerte sich besorgt, daß es weitere Terroranschläge im Irak geben werde. Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte, es gebe noch andere Gruppen, die den Stabilisierungs- und Demokratisierungsprozeß im Irak stören wollten. Dennoch sei der Tod von Zarqawi ein Erfolg im Kampf gegen den Terror. Es bestehe nun auch die Chancen, den Prozeß im Irak voranzutreiben. Die Wurzeln und der Nährboden für den Terrorismus seien aber nicht beseitigt. Steg verwies darauf, daß Zarqawi als wichtiger Drahtzieher des Terrorismus für barbarischen Terror und menschenverachtende Hinrichtungen verantwortlich gewesen sei.
Nach Ansicht des Islam-Experten Peter Scholl-Latour wird der Tod des Terroristen nichts an der Gewalt im Irak ändern. Er sagte: Das anzunehmen, ist absolut töricht. Zarqawi war kein besonders frommer Moslem, er war ein Killer, und als solcher hat er auch im Irak gegolten. Ein besonders grausamer und widerlicher Bandenführer, aber nicht repräsentativ für die Widerstandskämpfer oder die religiösen Truppen. Am Problem ändert sein Tod nichts. Zarqawi werde nicht annähernd so verehrt wie Osama bin Laden.
Scholl-Latour bestritt auch, daß Zarqawi der Chef des Terrornetzwerks Al-Qaida im Irak gewesen sein soll: Ich weiß nicht, wer das erfunden hat. Das ist Unsinn. Al-Qaida sei zudem eher ein Mythos, den die Amerikaner hochgespielt haben, der im Irak und der gesamten arabischen Welt aber keine so große Rolle spielt.
Fahrverbot und Entführung in Bagdad
Inzwischen hat die irakische Regierung in der Hauptstadt Bagdad und in Bakuba vorübergehend ein Fahrverbot verhängt, um mögliche Vergeltungsanschläge zu verhindern. In einem Vorort von Bakuba starben vier Iraker bei einem Gefecht zwischen amerikanischen Soldaten und Aufständischen.
In Bagdad wurde ein hochrangiger Mitarbeiter des irakischen Ölministeriums auf offener Straße verschleppt. Der für Ölprojekte zuständige Generaldirektor soll am gleichen Tag von Zarqawis Tod auf dem Weg zur Arbeit entführt worden sein. Er war in seinem Wagen in dem sunnitischen Bezirk Adhamiya unterwegs, als die Bewaffneten das Auto stoppten. Sie zerrten ihr Opfer aus dem Wagen, ließen aber den Fahrer laufen. Der irakische Ölminister Hussain al-Schahristani hatte nach dem Tod des irakischen Staatsfeinds die Hoffnung geäußert, daß sich die von zahlreichen Sabotageakten beeinträchtigte Ölförderung nun wieder stabilisieren werde.
Im Irak entführten Aufständische und kriminelle Banden immer wieder Menschen, um damit das Land zu destabilisieren oder Lösegeld zu erpressen. Neben Ausländern gerieten dabei auch immer wieder Verwaltungs- und Regierungsbeamte in das Visier von Entführern, die mit Gewaltakten die mit den Vereinigten Staaten verbündete Regierung treffen wollen. Das Ölministerium gilt als eines der Schlüsselressorts für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes. Infolge des Irak-Krieges von 2003 und zahlreicher Sabotageakte ist der Ölexport - einst eine sprudelnde Einnahmequelle des Golfstaates - stark beeinträchtigt.
Text: FAZ.NET mit Reuters, dpa
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