Naher Osten

Anschlag auf palästinensischen Geheimdienstchef

Beerdigung eines Leibwächters in Gaza

Beerdigung eines Leibwächters in Gaza

20. Mai 2006 Der palästinensische Geheimdienstchef Tarek Abu Radschab ist am Samstag bei einem Anschlag in Gaza schwer verletzt worden. Einer seiner Leibwächter wurde nach Angaben von Geheimdienstmitarbeitern getötet, als eine Bombe im Hauptquartier Radschabs explodierte. Acht weitere Menschen wurden verletzt, zwei von ihnen schwer. Die meisten von ihnen waren laut Krankenhaus Leibwächter des Geheimdienstchefs.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ordnete eine Untersuchung an. Die Abbas nahe stehenden Al-Aksa-Brigaden warfen der Hamas vor, hinter dem Anschlag zu stecken. Kämpfer der Brigaden drangen aus Protest in das Gelände des Palästinenserparlaments in Ramallah ein.

Bombe im Fahrstuhl

Trägt die Hamas die Verantwortung?

Trägt die Hamas die Verantwortung?

Radschabs Leben war nach Angaben des Chefs der Notabteilung im Krankenhaus Schifa nicht in Gefahr. Der Geheimdienstchef hatte sich nach Angaben eines seiner Mitarbeiter in seinem persönlichen Fahrstuhl aufgehalten, als eine dort versteckte Bombe explodierte. Ein Leibwächter wurde getötet.

Radschab war im April 2005 von Abbas auf seinen Posten berufen worden. Er leitete zuletzt eine palästinensische Delegation nach Jordanien. Die Behörden des Nachbarlandes warfen der radikalislamischen Hamas vor, Waffen in das Königreich geschmuggelt zu haben, um dort Anschläge vorzubereiten. Die Hamas, die die neue palästinensische Regierung stellt, bestritt die Vorwürfe.

„Gefährliche Eskalation“

Im August 2004 war Radschab schon einmal bei einem Anschlag verletzt worden. Die Attentäter beschossen damals seinen Fahrzeugkonvoi. Sein Fahrer und ein Leibwächter kamen ums Leben. Radschab selbst erlitt Schußverletzungen an der Brust und am Bein.

Ein Sprecher von Palästinenserpräsident Abbas, Nabil Abu Rudeina, bezeichnete das jüngste Attentat als „gefährliche Eskalation“ der Gewalt. Mitglieder der mit der von Abbas geführten Fatah-Bewegung liierten Al-Aksa-Brigaden warfen der konkurrierenden Hamas vor, den Anschlag geplant zu haben. Angehörige der Brigaden stürmten den Parkplatz des Parlamentsgebäudes in Ramallah und gaben dort Schüsse in die Luft ab.

Machtkampf zwischen Abbas und Hamas-Regierung

Der Sprecher der Hamas-Regierung, Ghasi Hamad, wies darauf hin, daß noch nicht endgültig erwiesen sei, ob es sich bei der Explosion tatsächlich um einen Anschlag auf Radschab handelte. Es sollten keine „voreiligen Anschuldigungen“ verbreitet werden, warnte er.

Fatah-Anhänger vor dem Krankenhaus, in dem Radschab behandelt wird

Fatah-Anhänger vor dem Krankenhaus, in dem Radschab behandelt wird

Das Attentat wurde vor dem Hintergrund eines offenen Machtkampfs zwischen Abbas und der Hamas-Regierung über die Kontrolle der Sicherheitsdienste in den Autonomiegebieten verübt. Am Mittwoch hatte die Hamas gegen den Widerstand von Abbas eine 3.000 Mann starke Truppe zur Sicherung des Gazastreifens aufmarschieren lassen, die direkt dem Hamas-Innenminister Said Siam unterstellt ist. Im Gegenzug hatte Abbas die Präsenz seiner Sicherheitskräfte verstärkt.

Israelischer Raketenangriff

Unterdessen kam bei einem israelischen Raketenangriff auf ein Auto in Gaza-Stadt am Samstag abend ein Führer der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad ums Leben. Nach Angaben von Ärzten handelt es sich um Mohammed Dahduh, einen der Anführer der Al-Kuds-Brigaden in Gaza-Stadt.

Zunächst hatte es geheißen, das Opfer sei ein führendes Mitglied der Hamas-Miliz. Bei dem israelischen Angriff kamen den Angaben zufolge außerdem eine Frau und ihr vierjähriges Kind ums Leben. Fünf Menschen seien verletzt worden.

Text: FAZ.NET mit Material von AFP und dpa
Bildmaterial: AP

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