Lösegeld für Osthoff?

Bares in Bündeln

22. Januar 2006 Die im vergangenen Jahr im Irak entführte Susanne Osthoff soll zum Zeitpunkt ihrer Freilassung einen Teil des Lösegeldes bei sich gehabt haben. Wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ am Wochenende vorab berichtete, entdeckten Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Bagdad mehrere tausend Dollar.

Der außenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Eckart von Klaeden (CDU), sagte, wenn die Meldung stimme, müsse Osthoff gegebenenfalls an den Kosten ihrer Befreiung beteiligt werden. „Die Geschichte ist voller Ungereimtheiten, die aufgeklärt werden müssen“, sagte Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach. Auch FDP-Innenexperte Max Stadler sagte, die Geschichte werde immer verworrener.

Laut „Focus“ zufolge haben Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes die Seriennummern der Scheine überprüft und festgestellt, daß sie aus der Lösegeldzahlung stammten. Laut „Bild am Sonntag“ haben Sicherheitskreise den Bericht bestätigt. Ein Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte, ihr Ministerium gebe dazu keine Stellungnahme ab. Auch eine BKA-Sprecherin sagte, ihre Behörde wolle sich dazu nicht äußern. Laut „Focus“ hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier absolute Geheimhaltung in der Angelegenheit angeordnet. Zu Osthoff selbst ließ sich am Wochenende kein Kontakt herstellen. Auch das Magazin berichtete, die Archäologin sei bis Freitag abend nicht für eine Stellungnahme erreichbar gewesen.

Angeblich „absolut zuverlässige“ Quellen

Osthoff war Ende November im Irak entführt und nach gut drei Wochen wieder freigelassen worden. Das Auswärtige Amt hat bislang keine Angaben zu den Umständen der Freilassung gemacht. Auch hat es eine Lösegeldzahlung weder bestätigt noch dementiert. Die „Bild am Sonntag“ berichtete jedoch, Nachrichtendienste sprächen von einer Summe in Höhe von rund fünf Millionen Dollar.

Osthoffs Bruder Robert verteidigte seine Schwester. „Wenn sich der Fund dieser Geldscheine in der Kleidung meiner Schwester bestätigen sollte, halte ich das für eine hinterhältige Intrige und eine getürkte Sache“, sagte er „Bild am Sonntag“. Offenbar wollten bestimmte Leute seiner Schwester etwas unterstellen und sie in ein falsches Licht rücken.

Der Autor des „Focus“-Beitrags, Hubert Gude, sagte, das Magazin stütze sich bei seinen Recherchen auf mehrere Quellen, „die absolut zuverlässig sind“. Es gebe keinerlei Zweifel am Wahrheitsgehalt des Berichts.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Steinmeier hatten erklärt, Deutschland sei nicht erpreßbar und die Zahlung von Lösegeld werde grundsätzlich abgelehnt. Bosbach sagt der Zeitung „Die Welt“, er habe Verständnis dafür, „daß die Regierung zu Fragen des Lösegeldes keinen Kommentar abgibt, und ich würde dies auch nicht verlangen“. Er verlange jedoch Informationen darüber, „was man nach der Entdeckung des Geldes veranlaßt hat“. Insbesondere interessiere ihn, „ob man Frau Osthoff befragt hat oder ob sie das Geld behalten durfte“.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa/ddp/Reuters

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