Von Leo Wieland, Madrid
21. Mai 2008 Er galt als der jüngste Kopf der Eta-Hydra: Francisco Javier López Peña, alias Thierry. In der Nacht zum Mittwoch wurde der Anführer der baskischen Terrororganisation in einer gemeinsamen Aktion der französischen und spanischen Polizei in Bordeaux gefasst. Die Beamten überraschten ihn und drei Komplizen um Mitternacht in einer konspirativen Wohnung in der südfranzösischen Großstadt. Die Bande hatte Pistolen und angeblich auch eine kleinere Menge Sprengstoff zur Hand, leistete aber keinen Widerstand.
Die Polizei stellte umfangreiches Datenmaterial sicher und nahm auch das Trio in Haft: die ehemaligen Abgeordneten der inzwischen verbotenen Batasuna-Partei Ainhoa Ozaeta und Jon Salaberria, denen vorgeworfen wird, die Grenze von der Politik zur Gewalt überschritten zu haben, sowie den jungen Igor Suberbiola, der als Anstifter von Straßenterror in San Sebastián gesucht wurde.
Er steckte hinter der Frühjahrsoffensive
Der dicke Fisch ist freilich der 49 Jahre alte Thierry. Er ist nach Darstellung der spanischen Behörden der Mann, der erst mit der Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero Friedensverhandlungen führte, einen einseitigen Waffenstillstand erklärte, diesen dann wieder brach und zum Beweis an Weihnachten 2006 den Befehl zu einem tödlichen Attentat auf dem Madrider Flughafen gab. Damals kamen zwei Immigranten aus Ecuador ums Leben, die im Parkhaus in ihren Autos schliefen, während sie auf die Ankunft von Angehörigen aus Lateinamerika warteten. Sie wurden von den Trümmern erdrückt.
Thierry fungiert in den Eta-Diagrammen der spanischen Sicherheitskräfte als der politische Anführer der Bande, der auch hinter der gegenwärtigen Frühjahrsoffensive steckt, die zuletzt in der vorigen Woche einen Zivilgardisten im Baskenland das Leben gekostet hat. Der militärische Kopf ist der mutmaßlich ebenfalls noch in Frankreich untergetauchte Garikoitz Aspiazu, alias Txeroki. Er ist, was den hausgemachten und nicht islamistischen Terrorismus in Spanien angeht, neben dem nun festgenommenen Thierry der Staatsfeind Nummer 2.
Diskrete Zusammenkünfte in der Schweiz
Thierry war zur Überraschung der Unterhändler Zapateros aus dem Hintergrund getreten, als die Friedensverhandlungen vor eineinhalb Jahren auf der Kippe standen. Bis dahin hatte die Regierung bei diskreten Zusammenkünften mit den Etarras in der Schweiz mit dem als relativ verständigungsbereit geltenden und inzwischen ebenfalls wieder untergetauchten früheren Batasuna-Abgeordneten Josu Urrutikokoetxea, alias Josu Ternera zu tun. Dann verschwand der Veteran aus dem Blickfeld und es war Thierry, der an die spanische Regierung plötzlich für diese unerfüllbare politische Forderungen stellte: Selbstbestimmung für das Baskenland im Gegenzug für einen Gewaltverzicht und Einbeziehung der Region Navarra in ein künftiges Großbaskenland.
Da waren Zapatero die Hände gebunden, und Eta griff unter Thierrys mutmaßlichem Oberfehl wieder zu Bomben und Pistolen. Dass er nun als Organisator und Kommandeur ausfällt, ist für die Bande ein schwerer Schlag.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP