Chirac: Übers Ziel hinausgeschossen?

Atomwaffen als Abschreckung gegen Terror

„Wofür sollten sie sonst da sein?“

Als erster führender deutscher Politiker hat der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), Verständnis gezeigt für das Plädoyer des französischen Präsidenten, Terrorregimen mit nuklearer Vergeltung zu drohen.

Lesermeinungen zum Beitrag

26. Januar 2006 11:14

Atomwaffen als Abschreckung gegen Terror?

Erwin Sailer (Erwin13)

Der Erwägung des Einsatzes von Atomwaffen als Reaktion auf terroristische Anschläge muss eine Klärung vorausgehen, die in der Diskussion vernachlässigt wird. Es muss davon ausgegangen werden, dass niemand in der Lage ist, im voraus zu wissen, wie und in welchem Umfange sich das Bedrohungspotential des Netzwerkes der Terroristen entwickelt. Alte Vorstellungen zur Frage, ob und unter welchem Bedingungen quasi ein "Präventivschlag" gegen terroristische Zellen (unter nicht verhinderbare Inkaufnahme einer großen Zahl unschuldiger Opfer) erlaubt sei, um einen noch größeren Schaden zu verhindern, kann und darf sich bei dem Stand unseres Unwissens unter Berücksichtiguing des ungeheueren Vernichtungspotentials von Massenvernichtungswaffen nicht stellen.

Das bedeutet, dass ein weltweiter Konsens darüber hergestellt werden müsste, wonach der Einsatz von Massenvernichtungswaffen als Präventionsmittel auf keinen Fall zulässig sein darf. Wenn es auf keine andere denkbare Weise verhinderbar ist, muss die Gefahr Inkauf genommen werden, dass Terroristen für ihre Zwecke Massenvernichtungswaffen einsetzen, falls sie über sie verfügen. Erst in einem solchen Fall sollte ein atomarer Gegenschlag international legitimiert sein. Dessen Ziel müßte die Vernichtung der Regierung des Landes sein, das den Terroristen die Plattform für Ihre Aktivitäten geboten hat.

Es würde dann jedenfalls im Interesse jeder Regierung liegen, eine solche Plattform nicht erst entstehen zu lassen.

E. Sailer

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20. Januar 2006 15:28

Atomwaffen gegen Terrorismus

Erni Bär (Kuwitter)

Ich hatte bisher geglaubt, das infame am initernationalen Terrorismus sei seine "relative" Unangreifbarkeit, weil er nach der alten Mao-Doktrin wie der Fisch im Wasser der lokalen Bevökerungen schwimme. Wie sollen da begrenzte Atomschläge zu befriedigenden Ergebnissen führen können? Es hieße doch, ganze Regionen wegzubomben und unbewohnbar zu machen, was dann natürlich auch die Terroristen, lebten sie denn dort, träfe.

Ich kann mir schon vorstellen , dass manch ein Politiker davon träumt, mit einem großen Rumms (fast wie bei Inspector Cluseau) mal anständig aufzuräumen, und ich bin sicher, Hitler.z. B. hätte es getan. Meiner Meinung nach wird es Terrorismus so lange geben wie Ausbeutung, Ungerechtigkeit, Diktatur usw. usw. - also immer!

Für Europa empfiehlt sich doch ein entschlossenes und vernünftiges Gesamt-Verteidigungskonzept, was sicher nicht einfach herzustellen sein wird. Solche Dinge dauern Jahrzehnte und erfordern ein Höchstmaß an Energie aller Beteiligten. Also, liebe Politiker: Strengt Euch mal an, anstatt nur mit dem zu drohen, was man auch noch machen könnte!

Erni Bär, Hamburg

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20. Januar 2006 15:11

self fullfilling Prophecy

Winston Hauser (sealgate)

Der Islam führt keinen aktiven Krieg, sondern der Krieg wird Ihnen aufgezwängt und dialektisch als Stempel aufgedrückt. So wundert es nicht, dass sie nun selbst dieser Auffassung sind und es nun für sich beanspruchen und als Waffe benutzen. Die Waffe heisst Terror, sie ist für den Westen fasst noch nützlicher als für den Islam, wenn man sich auch nur etwas mit der Materie beschäftigt hat. So verwundert es nicht das westliche Spitzenpolitiker solche Aussagen öffentlich treffen, Ist es doch vor allem Ihre "Schutzfunktion" die Ihnen vornehmlich die Stimmengewinne für die Zukunft sichert. Oder ist Chirac etwa für eine führende Wirtschaftspolitik in Frankreich oder gar Europa bekannt geworden ?

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20. Januar 2006 09:52

Nukleare Skalpelle

Jörg Gondermann (joeyyy)

Die Herren Westerwelle und Trittin täten gut daran, schon genau zu unterscheiden, wenn sie ihre rhetorischen Keulen herausholen: Es gilt nicht, einzelne Terroristen aufs Korn zu nehmen, sondern alle Länder mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu ermutigen, die Infrastrukturen des Terrors zu beseitigen bzw. gar nicht erst zuzulassen. Das gilt insbesondere für Länder und Regierungen, die sich auch noch offen zum Terror bekennen.

Nun müssten unter der Verwirklichung der Drohungen natürlich ganz viele Zivilisten leiden. Das ist das fatale und grausame Gesetz eines jeden Krieges. Wenn man einen bösartigen Tumor aus einem lebensfähigen Organismus herausschneidet, muss man immer auch umliegendes gesundes "Gewebe" mit herausschneiden.

Und um so wenig "Kollateralschäden" wie möglich zu verursachen, benötigt es nun mal skalpellartige Waffen - zur Not auch mit nuklearen Köpfen.

Ich würde mir die Welt auch lieber anders wünschen, aber leider ist in permanent eskalierenden Zieldifferenzen immer irgendwann die Zeit der Diplomatie vorbei.

Krude Triebe in uns Menschen führen uns immer wieder zielstrebig auf den nächsten Kampf oder Krieg zu. Egal was wir im Herzen fühlen oder im Kopf denken. Und dann bin ich froh, wenn ich mich verteidigen kann - auch wenn es durch Angriff ist.

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20. Januar 2006 09:45

Aus der Geschichte lernen

Franz-Gerhard Zeus (fgzeus)

Wenn ich daran denke, dass in vielleicht fünfzehn Jahren zum Beispiel der Iran oder eine andere, der westlichen Welt feindlich gesindte "Kultur" über Atomwaffen verfügen könnte, verstehe ich die Schönrederei mancher weiser (?) Politiker nicht.

Trotz unendlicher Dekaden, die mit Worten verbracht worden sind, hat es immer in der Geschichte kriegerische Phasen gegeben. Wir sind nicht alleine auf dieser Erde und dürfen nicht den Fehlschluss begehen, alle Mitbewohner des Planeten würden so gutmenschlich denken wie wir. Die Bedrohung der westlichen Zivilisation wird immer deutlicher. Die Diplomatie im Umgang mit der wachsenden verbalen und atomaren Bedrohung aus Teheran hat bisher total versagt. Der Krieg ist die Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln, und deshalb ist richtig, solchen bedrohlichen Ideologien ernsthaft das eigene Risiko aufzuzeigen.

Die Abschreckung hat trotz hoher Risiken im Ost-West-Verhältnis gehalten, warum sollte das im West-(islamischer) Terrorismus-Verhältnis nicht auch funktionieren.

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20. Januar 2006 09:15

60 Jahre 'unfallfrei'? Hiroshima und Nagasaki verdrängt?

gisbert heimes (gisbert4)

Und die Deutschen hätten sie mit größter Wahrscheinlichkeit auch eingesetzt, wenn sie sie denn gehabt hätten. Daß die Russen sie vor der Implosion des Ostblocks nicht eingesetzt haben (wie auch schon 1962 in der Kubakrise nicht), wird man vielleicht einmal als historisches 'Verdienst' anerkennen.

Die Entwicklung von Superwaffen inclusive eines breiten und verfeinerten ('sauberen') Spektrums von Nuklearwaffen wird weitergehen. Damit wächst die Gefahr der 'chirurgischen' Anwendung.

Terroristen, Terrorstaaten, Präventivschläge. Unter diese Anwendungskategorien fiel Hiroshima übrigens nicht. Der amerikanische Weg, den Terrorismus, überhaupt die Gewalt, mit Gewalt zu besiegen, kann nur um den Preis funktionieren, danach das zu sein, was man besiegt hat.

Der einzige Weg, dieses Szenario zu vermeiden, ist, die Verzweiflung und die Habgier, die zur Anwendung von Gewalt führen, zu besiegen. Und das geht nicht mit Waffen. Das wissen die Menschen seit Jahrtausenden. So einfach das scheint, so schwer ist es zu leisten: auf den Vorteil des Augenblicks zu verzichten. Dieser natürliche Reflex war in der Evolution zweifellos überlebenswichtig; für die Spezies ist er ceteris paribus heute die größte Bedrohung.





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20. Januar 2006 08:06

Atomschlag durch die Franzosen

Hans-Jürgen Schroeder (hschroeder1)

20.1.06
Der Wahnsinn bekommt Methode!

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20. Januar 2006 07:45

Und ewig träumt das Murmeltier

Jürgen Rieger (Riegerparis)

Die ewig friedensbewegte Meinung des letzten Leserkommentares zeigt - neben Philosophiestreit - daß die Logik der nuklearen Abschreckung kaum verstanden wird. Kennen Sie die 7 Pläne - logistisch bis ins Detail vorbereitet, als Deutschland gottseidank friedlich das wurde, was es jetzt ist - des Angriffes gegen die NATO / westliche Welt, die in den Panzerschränken lag? Wissen Sie, wieviele davon mit Nuklearschlägen begonnen haben? Also - besser darüber nachdenken, daß wir nicht "das Zeitalter der Nuklearwaffen überlebt haben", sondern, daß wir unter anderem dadurch, daß der Politik als "letzte Möglichkeit" diese Waffen zur Verfügung standen, die Wahnsinnigen NICHT zum Zuge kamen. Bisher sind Nuklearwaffen die einzigen Waffen, die Kriege verhindert haben. Im Wissen um Risiken und Verantwortung haben fast alle Politiker (und die sie beratenden Militärs) kontrolliert diese Waffen immer weiter so abgebaut, daß eine Balance der Abschreckung bleibt. Wenn also der französische Staatspräsident im Sinne dieser Logik folgerichtig die Möglichkeit nicht ausschließt, daß bei Angriffen auf vitale Interessen Frankreichs der Einsatz dieser Waffen - unter etwa 1000 anderen Optionen - erwogen wird, so ist das ein klares Zeichen an Terroristen und die dahinterstehenden Staaten, deren Aktionen sehr genau zu überlegen. Mehr nicht - aber auch nicht weniger. Terroristenjagd mit Nuklearwaffen ist absurd - und das weiß Monsieur le Président und sein Beraterstab glaube ich besser, als jeder Leser.

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19. Januar 2006 20:13

SeeArmee?

Henriette Kaschulke (Wissibesser)

"Die nuklearen See- und Luftstreitkräfte der französischen Armee ermöglichten es dem Land, sich gegen die neuen Bedrohungen „diversifiziert und komplementär” zu schützen. "

Hat die franz. Armee Seestreitkräfte? Sie meinen doch nicht etwa die Marine National? Genauigkeit! Meine Damen und Herren!

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19. Januar 2006 20:08

Nur 60 Jahre einer Ewigkeit überlebt

Moritz Brandenburger (Moritz29)

Ich verstehe nicht, warum man in Zeiten, in denen eine "klassische" kriegerische Auseinandersetzung für Staaten wie Frankreich, Deutschland etc. in immer weitere Entfernung rückt, an der Atombombe festhält. Chirac führt den Kampf gegen den Terror an und er scheint ja sogar begriffen zu haben, dass man mit der Androhung eines "großen Vernichtungsschlages" gegen Terroristen eher albern als glaubwürdig wirkt. Aber warum plädiert er als Folge dessen für die Entwicklung kleinerer Atombomben? Entweder man weiß, wo ein Terrorist ist, oder man weiß es nicht. Wenn man es weiß, kann man ihn sicherlich auch mit "konventionellen" Mitteln zur Strecke bringen, ansonsten hilft auch eine Atombombe nicht, oder?
Mit Nuklearwaffen besteht die Möglichkeit, die ganze Erde zu vernichten! Diese Gefahr wird die Menschheit für die Ewigkeit verfolgen. Wir haben erst 60 Jahre dieser Ewigkeit "unfallfrei" hinter uns gebracht, relativ gesehen also eine verschwindend kleine Zeitspanne. Angesichts dessen sollte man dafür kämpfen, eine solche Gefahr ein für alle mal aus der Welt zu schaffen, denn ansonsten wird es wohl irgendwann in der noch ausstehenden Ewigkeit einen passenden Moment geben, die Nuklearbombe einzusetzen - irgendwann zählt nicht mehr nur die Abschreckung!

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