Zu behaupten, mit der neuen Regierung sei "in Moskau wenig Neues", ist oberflächlich. Wenn politische Schwergewichte aus der Präsidialverwaltung ins Kabinett wechseln, entsteht eine völlig neue Machtkonstellation: die Regierung übernimmt, in eigener Dynamik kraft personeller Besetzung, die Entscheidungen, die laut Verfassung dem Präsidenten zustehen. Das ist riskant und für die Wähler schwer zu verstehen: ein Staatsoberhaupt ohne das Sagen in den wichtigsten Fragen? In Russland wird eine solche Konstellation kaum halten, selbst wenn sie als eine Übergangslösung für die nächste Legislaturperiode gedacht ist. Die Geschichte belegt, daß die Macht eines zweiten Mannes in Moskau nur sehr instabil sein kann, mir erheblichen Risiken sowohl für das Innere wie auch für internationale Angelegenheiten. Der Zündstoff ist also da, auch wenn Flankierungsmaßnahmen zur künstlichen Stärkung der schwindenden Macht Medwedews getroffen werden. Ein stabiles Russland ist international, in erster Linie europäisch, unheimlich wichtig. Die Darstellung der wichtigen Ereignisse im Lande dürfen daher für deutsche Leser und vor allem für die deutsche Politik nicht irreführend sein. Einer Zeitung für "klüge Köpfe" tun solche bestimmt nicht gut.
Jetzt wissen wir, wem Putin vertraut. Bald werden wir wissen, wem der russische Wähler vertrauen kann.
Womit die nahe Verwandtschaft der Worte Kabinett und Kabarett dann auch wieder mal geklärt wäre...
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