11. September

Drahtzieher müssen vor Zivilgericht

Von Matthias Rüb, Washington

Chalid Scheich Mohammed auf undatierten FBI-Fahndungsfotos: ihm soll jetzt in New York der Prozess gemacht werden

Chalid Scheich Mohammed auf undatierten FBI-Fahndungsfotos: ihm soll jetzt in New York der Prozess gemacht werden

14. November 2009 Die mutmaßlichen Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001 werden vor ein ziviles Gericht in New York gestellt. Das teilte Justizminister Holder am Freitag mit. Danach sollen Khalid Scheich Mohammed, der sich bei Anhörungen vor einem Militärtribunal im Gefangenenlager Guantánamo mehrmals der Vorbereitung der Tat „von A bis Z“ bezichtigt hatte, sowie Ramzi Binalshibh, Ali Abdel Asis Ali, Mustafa Ahmed al Hausawi und Walid bin Attasch von Guantánamo in ein Gefängnis nahe New York verlegt werden. Da nach einem jüngst vom Kongress verabschiedeten Gesetz die Verlegung mutmaßlicher Terroristen von Guantánamo auf das amerikanische Festland mindestens 45 Tage zuvor angekündigt werden muss, dürften die fünf Al-Qaida-Verschwörer erst kommendes Jahr nach New York geflogen werden.

Der Prozess vor einem Geschworenengericht soll demnach unweit von dem Ort im Süden Manhattans stattfinden, an dem einst die Zwillingstürme des World Trade Center standen, bei deren Einsturz allein etwa 2600 Menschen starben. Es wird erwartet, dass die Anwälte der Angeklagten die Verlegung des Prozesses an einen anderen Ort beantragen, da in Manhattan kein faires Verfahren erwartet werden könne. Zudem dürften die Anwälte auf den Umstand hinweisen, dass allein Mohammed in 183 Fällen der Vernehmungsmethode des simulierten Ertränkens (Waterboarding) unterzogen wurde und dass die so herausgepressten Aussagen nicht als Beweise zugelassen werden dürfen. Die Vorbereitung des Verfahrens in New York dürfte noch mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen.

Präsident Obama zeigte sich in Tokio „absolut überzeugt“, dass die fünf ein „peinlich genaues“ Verfahren bekommen werden. Obama hatte am zweiten vollen Tag seiner Amtszeit die Schließung des Lagers bis Ende Januar 2010 angeordnet. Derzeit werden dort noch 215 Männer festgehalten, von denen sich 40 bis 50 vor Zivil- und Militärgerichten auf amerikanischem Boden verantworten sollen. Die Entscheidung der Regierung, Mohammed und seine Mitverschwörer vor einem Zivilgericht anzuklagen, wurde von einem Verband Hinterbliebener als „schrecklicher Fehler“ kritisiert.

Die fünf mutmaßlichen Drahtzieher

Chalid Scheich Mohammed
Der Mann, einst „Nummer drei“ im Terrornetz Al Qaida, gilt als Drahtzieher der Anschläge. „Ich war verantwortlich für die Planung der Operationen von A bis Z“, sagte er nach Angaben des Pentagons vom März 2007. Auch andere Terrorakte soll der heute 44 Jahre alte Mann gestanden haben. Kritiker zweifeln die Aussagekraft der Geständnisse allerdings an und verweisen auf Berichte, nach denen Mohammed gefoltert wurde. Der Mann kam 1964 oder 1965 in Kuweit auf die Welt, sein Vater soll aus der pakistanischen Provinz Baluchistan stammen. In den 1980er Jahren studierte er in den Vereinigten Staaten, wo er angeblich einen Abschluss als Ingenieur erwarb.

Ramzi Binalshibh
Der heute 36 Jahre alte Jemenit wohnte in Hamburg zusammen mit Mohammed Atta, dem Anführer der Todespiloten vom 11. September. Er soll einer seiner engsten Vertrauten gewesen sein. In der Hamburger Terrorzelle soll Binalshibh als Organisator und „Bankier“ gewirkt haben. Nach Überzeugung der amerikanischen Regierung ist er einer der Mitverschwörer der Terroranschläge. Angeblich sollte er ursprünglich bei den Flugzeug-Entführungen dabei sein, bekam aber kein Visum für die Vereinigten Staaten.

Ali Abdel Asis Ali
Der in Kuweit aufgewachsene Mann soll die Flugzeugattentäter mit Geld versorgt haben. Er ist mit Scheich Mohammed und dem Drahtzieher des Anschlags von 1993 auf das World Trade Center, Ramsi Jussef, verwandt. Jussef war im November 1997 zu einer Freiheitsstrafe von 240 Jahren verurteilt worden.

Mustafa Ahmed al Hawsawi
Der Saudi-Araber soll den Flugzeugterroristen Geld beschafft haben. Kurz nach den Anschlägen soll er unter anderem Al-Qaida-Chef Usama bin Ladin getroffen haben. Er sagte im Prozess gegen den Franzosen Zacarias Moussaoui aus, der im Mai 2006 als Mitverschwörer der Anschläge vom September 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war.

Walid bin Attasch
Er soll die Todespiloten unterstützt und in direktem Kontakt mit ihnen gestanden haben. Der Guantánamo-Häftling hat nach Angaben des Pentagons vom März 2007 die Planung des Anschlags auf das Kriegsschiff „USS Cole“ im Oktober 2000 im Jemen zugegeben, bei dem 17 amerikanische Soldaten getötet wurden. Zudem soll er seine Beteiligung an den Terrorangriffen auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998 mit 230 Toten gestanden haben. Angeblich unterstützte Attasch die Attentäter unter anderem mit gefälschten Stempeln und Visa. Zeitweise soll er Leibwächter von Usama bin Ladin gewesen sein.

Text: dpa
Bildmaterial: dpa

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