Anschläge in Afghanistan

Jung: Der Gewalt nicht weichen

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08. Oktober 2007 In Afghanistan sind abermals deutsche Soldaten in Afghanistan angegriffen worden. Wie erst jetzt bekannt wurde, schlugen im Feldlager der Bundeswehr im nordafghanischen Kundus am Sonntagabend vier Raketen ein. Dies bestätigte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Montag. Verletzt wurde niemand, doch ist dies anscheinend auch glücklichen Umständen zu verdanken.

Denn eine Rakete war im Küchengebäude eingeschlagen, hatte dabei zwei Wände durchbrochen, explodierte aber nicht. Direkt anschließend war es den Angaben zur Folge zu einem Schusswechsel mit den Angreifern gekommen. Bundeswehrsoldaten und afghanische Sicherheitskräfte eilten den unbekannten Tätern hinterher, konnten jedoch niemanden festnehmen, wie der Sprecher sagte. Offensichtlich versuchten „radikale Kräfte“, Einfluss auf die am Freitag im Bundestag anstehende Entscheidung über eine Verlängerung des Bundeswehrmandats in Afghanistan zu nehmen, sagte der Sprecher.

Verletzte Soldaten kehren zurück

Tom Koenigs

Tom Koenigs

Erst am Freitag waren in Afghanistan drei deutsche Soldaten bei einem Selbstmordanschlag verletzt worden. Die drei werden am Montagabend auf dem militärischen Teil des Köln/Bonner Flughafens in Wahn erwartet. Ein Soldat wurde bei dem Anschlag westlich der nord-afghanischen Stadt Kundus so schwer verletzt, dass er im Feldlazarett der Bundeswehr in Mazar-i-Sharif operiert werden musste. Die beiden anderen seien mittelschwer verletzt worden, erklärte die Bundeswehr. Lebensgefahr habe für die Soldaten aber zu keinem Zeitpunkt bestanden.

Die Soldaten haben nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp bei dem Anschlag auch Augenverletzungen erlitten. Die Bundeswehr hatte zunächst erklärt, die Opfer seien lediglich leicht verletzt worden. Die Soldaten waren auf einer Patrouillenfahrt. Bei dem Anschlag wurde auch der afghanische Dolmetscher verletzt.

Jung: „Klare Chancen für einen Erfolg“

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat trotz der jüngsten Anschläge abermals für eine Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan geworben. Er sehe „klare Chancen für einen Erfolg“ in Afghanistan. Der Bundestag will an diesem Freitag über die Verlängerung der Mandate für den Bundeswehreinsatz entscheiden.

Deutschland werde der Gewalt der Terroristen „nicht weichen“, sagte Jung. Er hoffe bei der Abstimmung im Bundestag auf eine „breite Zustimmung“.

Dafür kann die Regierung trotz eines anderslautenden Parteitags-Beschlusses auch mit Stimmen von Abgeordneten der Grünen rechnen. „Ich gehe davon aus, dass das Recht auf eine Gewissensentscheidung in unserer Partei nicht in Frage gestellt wird“, sagte die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Krista Sager am Wochenende und warb für das deutsche Engagement am Hindukusch.

„Verurteilt, den Weg zu Ende zu gehen“

Deutschland werde, so kündigte der Verteidigungsminister an, die „Ausbildung der afghanischen Streitkräfte und der Polizei verstärken“. Über einen Abzug der Bundeswehr könne erst geredet werden, wenn es „eine selbsttragende Sicherheit“ gebe, womit ein Zustand gemeint ist, da sich die afghanische Regierung und ihre Sicherheitsorganisationen selbständig gegen die Bedrohungen durch Terror und Kriminalität verteidigen können.

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, sprach sich eindringlich für eine Verlängerung um ein weiteres Jahr aus. Mit Blick auf das Votum sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa: „Wir sind verurteilt, den Weg, den wir begonnen haben, zu Ende zu gehen.“ Trotz hoher Sicherheitsrisiken für die Soldaten und massiver Defizite beim Aufbau der afghanischen Polizei müsse Deutschland an seinem Engagement festhalten.

Jung: „Klare Chancen für einen Erfolg”

Jung: „Klare Chancen für einen Erfolg”

Die bisher getrennten Mandate für die deutsche Beteiligung an der internationalen Schutztruppe Isaf und für den Einsatz von Tornado- Aufklärungsflugzeugen sollen mit der Abstimmung zusammengelegt werden. Union, SPD und FDP haben bereits Zustimmung signalisiert. Die Grünen werden sich voraussichtlich mehrheitlich enthalten oder dagegen stimmen. Die Partei Die Linke wird nach Angaben ihres Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi geschlossen gegen den Einsatz votieren. Über das Mandat zur Beteiligung an dem von den Amerikanern geführten Anti- Terroreinsatz „Enduring Freedom“ soll erst im November entschieden werden.

Sager: „Eindeutiges Signal nötig“

Die Grünen-Politikerin Sager kritisierte die Haltung des Parteitages vom September, der mehrheitlich die Zustimmung zur Verlängerung des Isaf-Einsatzes abgelehnt hatte unter anderem wegen des damit verbundenen Mandats zur Entsendung von Aufklärungsflugzeugen der Bundeswehr. Die deutschen „Tornados“ gäben, sagte Frau Sager, eine „Nicht-Zustimmung zum Isaf-Mandat nicht her. Schließlich agieren die ,Tornados' nicht als Kampfbomber, sondern dienen schlicht der Luftaufklärung, das heißt, sie machen Fotos.“

Ziel eines Anschlags: Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan

Ziel eines Anschlags: Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan

Frau Sager schrieb zudem: „Die Menschen in Afghanistan haben ein Recht auf ein eindeutiges Signal, dass sie sich auf die Solidarität der deutschen Politik auch zukünftig verlassen können. Und die Grünen sollten sich nicht einreden lassen, ihre jahrzehntelangen intensiven Diskussionen über die Entwicklung einer multilateralen Außenpolitik nach Überwindung der Blockkonfrontation hätten gar nicht stattgefunden. Wer den Eindruck erweckt, die Grünen seien nur den Manipulationen einer übermächtigen Einzelperson erlegen oder ihre Außenpolitik sei ein Zugeständnis an die SPD in Regierungszeiten gewesen, betreibe ein unerträgliches Maß an Verdummung, Selbstverleugnung und Selbsterniedrigung, das für langjährige Parteimitglieder kaum noch zu ertragen sei.

Weitere Anschläge und Gefechte

Unterdessen kamen bei amerikanischen Luftangriffen in der ostafghanischen Provinz Paktikakamen 16 Kämpfer des usbekischen Kriegsherrn Tahir Juldasch ums Leben. Juldasch führt die Islamische Bewegung Usbekistans, gilt als Kommandeur des Terrornetzes Al Qaida. steht auf der Liste der meistgesuchten Personen in Afghanistan. Auf ihn ist ein Kopfgeld von 200.000 Dollar ausgesetzt.

In der Provinz Urusgan, wo vor allem australische und niederländische Truppen stationiert sind, riss eine Bombe einen Nato-Soldaten in den Tod. Dort wurden am Montag auch zwei niederländische Apache-Hubschrauber beschossen. Beide konnten sicher landen, verletzt wurde niemand.

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Nato-Konvoi in der südafghanischen Provinz Helmand wurden zwei afghanische Kinder sowie ein Erwachsener verwundet. In Chost im Osten des Landes kam ein afghanisches Kind auf einem Trainingsgelände der Isaf-Schutztruppe ums Leben, zwei weitere wurden verletzt. Die näheren Umstände des Zwischenfalls waren zunächst nicht bekannt, wie die Nato erklärte.

Bei einem weiteren Anschlag gegen einen amerikanischen Militärkonvoi waren am Samstag in der Hauptstadt Kabul ein Soldat und fünf weitere Personen getötet worden. Der Tat bezichtigten sich die radikalislamischen Taliban.

Isaf-Soldaten erschossen im Osten und Süden des Landes am Wochenende insgesamt drei Zivilisten. Am Samstag waren zwei Männer in einem Lastwagen auf eine Straßensperre in der ostafghanischen Provinz Kunar zugefahren, ohne auf Zurufe anzuhalten. In der Provinz Paktika im Süden wurde ein dritter Zivilist getötet, der sich zu Fuß einem Isaf-Konvoi genähert hatte. „Wir bedauern den Verlust von Menschenleben zutiefst“, sagte ein Sprecher der Isaf. Die Vorfälle würden untersucht.

Bei einem Angriff im Süden Afghanistans kam ein britischer Major um, der früher Befehlshaber des britischen Prinzen William gewesen war. Es war der 82. britische Militärangehörige, der seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes im Jahr 2001 getötet worden war. Er sei von dem Tod „tief betroffen“, teilte Prinz William am Samstag in London mit.

Text: FAZ.NET mit ddp./pca.
Bildmaterial: AP, ASSOCIATED PRESS, F.A.Z., picture-alliance/ dpa, reuters

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