
Bürger haften nicht für staatliche Verbrechen.
Für die Verbrechen der Stasi der DDR war keines ihrer Opfer verantwortlich. Also haften diese DDR_Bürger auch nicht.
Nichts anderes gilt auch für die im "Namen des Deutschen Volkes" begangenen Verbrechen der Nationalsozialisten und ihrer Helfer.
Es ist schon erstaunlich, mit welcher Selbstgerechtigkeit hier Haftungen für unschuldige, persönlich unbekannte Menschen konstruiert werden.

Die Feststellung, „mindestens ein Teil der Vertriebenen" sei "mit Sicherheit ohne Schuld am Nationalsozialismus" gewesen, ist völlig irrelevant. Zum einen wäre wohl kaum zu klären, wie weit Angehörige der Kläger zu der Minderheit der Gegner des NS-Regimes gehörten (was im nachhinein die Mehrheit für sich in Anspruch nahm...), zum anderen muss klar sein, dass es hier nicht um individuelle oder kollektive Schuld, sondern um die gemeinsame Haftung der Bürger dieses Staates als Rechtsnachfolger des "Dritten Reiches" geht, die aus den Verbrechen des NS-Regimes und seiner Unterstützer und Mitläufer resultiert. Dieser Haftpflicht ist in zwischenstaatlichen Verträgen Rechnung getragen worden, deren Verbindlichkeit durch private Klagen nicht berührt ist. Etwas anderes ist die zum Teil gequält kritische bis offen revisionistische Reaktion der hiesigen Öffentlichkeit auf die Ziele der "Preußischen Treuhand". Sie lässt das Bewusstsein für die Legitimität eben jener Haftpflicht vermissen, von der auch die Interessen einzelner nicht auszunehmen sind. Wer sich hier mit Hinweis auf das gewandelte gesellschaftliche Selbstverständnis herausstehlen will, handelt verwerflich und wird letztlich scheitern.

Herr Schuller hat zwar einen einleutenden Ansatz, verfehlt aber die Beschreibung der Wirklichkeit. Zumindest was die deutsche Seite betrifft.
Zu meiner Herkunft:Ich wurde 1950 als 6 Jähriger mit meiner Familie aus Liegnitz (Schlesien) vertrieben. Meine Eltern waren weder politisch noch militärisch im Faschismus verstrickt. Als Inhaber einer Autowerkstatt musste mein Vater von 1945-1950 für die Rote Armee zwangsweise arbeiten.
Zu meiner Wahrnehmung der politischen Korrektheit in Deutschland: Das Leid der Vertriebenen wurde in Deutschland während 50 Jahren tabuisiert. Jeder der darauf zu sprechen kam wurde in die rechte Ecke gestellt. Noch heute gibt es keine Berichte über die Erlebnisse der Vertriebenen ohne gleichzeitig auf die kollektive deutsche Kriegsschuld hinzuweisen, was letztendlich die Vertreibung ja rechtfertigt. Wie wäre es anstatt, mit der Anerkennung der deutschen Kriegschuld und mit richtigen Reparationen von allen Deutschen, ohne die Reparationen einseitig auf die Vertriebenen abzuladen? Ja, aber das wäre für die nicht vertriebenen Deutschen wohl doch etwas zuviel verlangt. Es ist doch leichter das Opfer wieder einmal auf eine Minderheit abzuladen.

haben die Deutschen ,die aus Königsberg vertrieben wurden individuell weniger gelitten ?
Oder schwankt das individuelle Leidensgefühl der Deutschen je nach dem wer ihnen das leid zugefügt hat ?
so nach dem Motto:
polen=großes leidensgefühl
"GASPROM Russland"=kleines leidensgefühl
??

In diesem Text sieht man das tiefe Verstandnis der vorliegenden Probleme. Danke.
Beide Seiten des Konfliktes sollten sich das Gedankengut der sog. "Pariser Kultur" mal vergegenwartigen. Ich schlage z.B. die Texte aus der Nachkrigszeit von Jerzy Stempowski zu den deutsch-polnischen Beziehungen vor.
Gregor