Russland

Wird Putin auch Gasprom-Chef?

21. Dezember 2007 Laut einem Bericht der russischen Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ soll der russische Präsident Putin kommendes Jahr Aufsichtsratschef des Staatskonzerns Gasprom werden. Derzeit hat diesen Posten der stellvertretende Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew inne, der nach dem Wunsch Putins im März zum Präsidenten gewählt werden soll.

Medwedjew hat am Donnerstag angekündigt, dass er das Amt nach seiner Wahl aufgeben werde. Putin soll unter einem Präsidenten Medwedjew Ministerpräsident werden, doch wäre dies kein Hindernis, auch den Aufsichtsrat von Gasprom zu führen.

Auch frühere russische Ministerpräsidenten hatten führende Aufgaben in staatlichen Unternehmen. So war zum Beispiel Michail Fradkow, der bis September Ministerpräsident war, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der staatlichen Außenhandelsbank Wneschtorgbank.

„Einen Schritt rückwärts“

Allerdings hatte Putin früher auf die Frage, ob er sich eine Aufgabe an der Spitze von Gasprom vorstellen könne, geantwortet: „Ich bin kaum in der Lage, irgendeine Wirtschaftsstruktur zu führen: Weder meinem Charakter noch meiner bisherigen Lebenserfahrung nach fühle ich mich als Geschäftsmann.“

Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice hat gegenüber der Nachrichtenagentur AFP die innenpolitische Entwicklung Russlands im Hinblick auf die Rochade Putins und Medwedjews kritisiert. Russland habe, was seine Demokratisierung betreffe, „einen Schritt rückwärts“ gemacht. Es herrsche allgemein Besorgnis darüber, dass Russland „in dieser Hinsicht keine gute Zeit“ erlebe.

Zugriff auf den Gasmonopolisten

Sollte Putin nicht die Nachfolge Medwedjews bei Gasprom antreten, stellt sich allerdings die Frage, welche der im Kreml um Macht und wirtschaftlichen Einfluss ringenden Gruppen dann den Zugriff auf den Gasmonopolisten erhält.

Bisher gilt Gasprom als das wirtschaftliche Rückgrat der eher liberalen Gruppierungen; doch waren in der Vergangenheit immer wieder Begehrlichkeiten der Geheimdienstfraktion im Kreml erkennbar, die den staatlichen Ölkonzern Rosneft kontrolliert.

Unterdessen gab Medwedjew bekannt, dass sein Wahlkampfstab vom bisherigen Leiter der Kreml-Administration, Sergej Sobjanin, geleitet werden soll. Die ersten Wahlkampfreisen sollen Medwedjew im Januar laut Berichten russischer Medien in jene Regionen führen, in denen die Kreml-Partei „Einiges Russland“ in der Duma-Wahl Anfang Dezember unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielt hat.



Text: rve./F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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