Von Michaela Wiegel, Paris
25. Juli 2007 Nicolas Sarkozy hat sich beeilt, eine Mission“ für seine Ehefrau Cécilia zu finden. Hatte seine Gattin nicht in einem Interview gesagt, sie wolle auf keinen Fall eine First Lady der Benefizveranstaltungen werden, die nur noch als Wohltätigkeitsdame durch die Republik reise? Der französische Präsident hat seine Première Dame“ beim Wort genommen und ihr mit den zwei Libyen-Reisen ins Zelt des Oberst Gaddafi einen Auftrag gegeben, mit dem er Cécilias Wunsch nach humanitärem Engagement, Exotik und Abenteuer zu erfüllen glaubte.
Auf das Ergebnis, die Befreiung der bulgarischen Krankenschwestern und des libanesischen Arztes, zeigte sich Sarkozy im Elysée-Palast überaus stolz: Cécilia hat eine wahrhaft bemerkenswerte Arbeit geleistet.“ Kritik an ihrer Rolle wollte er nicht gelten lassen: Es gab ein Problem, wir haben es gelöst. Da braucht man nicht eine Theorie über den Status der Ehefrau des Staatspräsidenten zu entwickeln“, sagte Sarkozy. Überflüssig sei es, über eine neue Organisation der französischen Diplomatie zu theoretisieren.
Besondere Sensibilität
Cécilia habe eine nützliche Mittlerrolle“ aufgrund ihrer besonderen Sensibilität“ eingenommen. Ihr Mitgefühl habe nicht nur den Krankenschwestern, sondern auch den an Aids erkrankten Kindern und ihren Familien gegolten. Sie hatte die Aufmerksamkeit der Führung. Das brachte letztlich den Durchbruch, sagt auch EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Bei EU-Diplomaten in Brüssel war jedoch Verstimmung über das Vorgehen Frankreichs spürbar. Zum Dank für ihren Einsatz bei der Freilassung wurde das Ehepaar Sarkozy genauso wie die EU-Kommissarin zu Ehrenbürgern Sofias ernannt.
Cécilia Sarkozy kehrte am Dienstagmittag im Airbus der französischen Staatspräsidentschaft nach Paris zurück, der die Krankenschwestern zuvor in die bulgarische Hauptstadt gebracht hatte. (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Libyen begnadigt Bulgarinnen)
Im sportlichen weißen Polo-T-Shirt zur langen Hose hatte Cécilia Sarkozy der Ankunft der Frauen am bulgarischen Flughafen beigewohnt – schon ihre lässige Kleidung sollte einen Kontrast zu den Kaffeekränzchen-Kostümen der vorherigen Präsidentengattin Bernadette Chirac bilden. Frau Sarkozy fühlt sich am wohlsten im Milieu der Pariser Mode- und Werbeagenturen; ihre beste Freundin arbeitet als Pressechefin für Prada, ihre Trauzeugin ist mit einem Werbeagenturbesitzer verheiratet.
Offiziell angestellt als Kabinettschefin
Nach ihrer vorübergehenden Trennung von Nicolas Sarkozy legt die im November ihren 50. Geburtstag feiernde Cécilia Sarkozy Wert auf ihre Autonomie. Sie will nicht mehr wie vor der Ehekrise nur im Schatten ihrem Ehemann zuarbeiten. Seit Beginn ihrer Beziehung 1988 hatte Cécilia als inoffizielle Presseberaterin und persönliche Sekretärin den Terminkalender des Politikers Sarkozy bestimmt. Der gemeinsame Sohn Louis kam 1997 zur Welt, beide haben jeweils zwei Kinder aus vorangegangenen Ehen.
Cécilia Sarkozys Ausbildung beschränkt sich auf Einsätze als Fotomodell und ein paar Semester Jurastudium ohne Abschluss. Das erklärt vielleicht auch, warum ihre offizielle Anstellung als Kabinettschefin des UMP-Vorsitzenden Sarkozy nicht ohne Murren aufgenommen worden war.
Auch die Präfekten Westfrankreichs waren nicht amüsiert, als Frau Sarkozy aufgrund einer Verspätung ihres Mannes, des damaligen Innenministers, schon einmal die Tagesordnung mit ihnen durchging. Sie konnte dabei immer auf die Hilfe des damaligen Kabinettsdirektors ihres Mannes, Claude Guéant, vertrauen. Als Generalsekretär des Elysée-Palastes begleitete Guéant die Präsidentengattin auch nach Libyen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, reuters