Prozessbeginn in Paris

Deutscher als Drahtzieher des Anschlags von Djerba angeklagt

Am 11. April 2002 wurde ein Anschlag auf die Synagoge der tunesischen Insel D...

Am 11. April 2002 wurde ein Anschlag auf die Synagoge der tunesischen Insel Djerba verübt

05. Januar 2009 Vor einem Schwurgericht in Paris soll an diesem Montag der Prozess gegen die mutmaßlichen Hintermänner des Anschlags auf die Synagoge der tunesischen Insel Djerba am 11. April 2002 beginnen, bei dem 21 Personen getötet wurden, darunter 14 deutsche und zwei französische Touristen. Unter den Angeklagten ist auch der aus Duisburg stammende Deutsche Christian Ganczarski, der eine herausragende Funktion im Terrornetz Al Qaida gehabt haben soll.

Der Selbstmordattentäter von Djerba hatte wenige Stunden vor dem Anschlag bei Ganczarski angerufen, dessen Telefon von den deutschen Sicherheitsbehörden wegen seiner Verbindungen zu islamistischen Extremisten abgehört wurde, und dessen „Segen“ erbeten. In diesem Gespräch hat Ganczarski nach Ansicht der Anklage das Signal gegeben, den Anschlag auszuführen.

Damals noch nicht strafbar

Auf der Anklagebank sitzt zudem der Bruder des Selbstmordattentäters, Walid Naouar. Als eigentlicher Drahtzieher des Anschlags auf Djerba, bei dem ein mit 5000 Liter Flüssiggas gefüllter Lastwagen zur Explosion gebracht wurde, gilt Khalid Scheich Mohammed, der von den Vereinigten Staaten als mutmaßlicher Kopf der Anschläge vom 11. September 2001 im Lager Guantánamo festgehalten wird. Ihm wird in Paris in Abwesenheit der Prozess gemacht. Al Qaida hatte sich des Anschlags im Juni 2002 bezichtigt. Allen drei Verdächtigen wird Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Ihnen drohen lebenslange Haftstrafen.

Die Bundesanwaltschaft hatte nach dem Djerba-Anschlag versucht, gegen Ganczarski einen Haftbefehl zu erreichen, was aber vom Bundesgerichtshof abgelehnt worden war, der in dem Telefonat keinen ausreichenden Beleg für sein Wissen um den geplanten Anschlag sah. Ganczarski hatte zwar Kontakte zu Al Qaida und Aufenthalte in afghanischen Ausbildungslagern des Terrornetzes zugegeben, aber die Unterstützung einer ausländischen Terrororganisation war damals noch nicht strafbar.

„Niemals fair“

Im November 2002 setzte sich Ganczarski nach Saudi-Arabien ab, von wo er im Frühsommer 2003 nach einer Serie von Anschlägen in der Hauptstadt Riad abgeschoben wurde. Bei einer Zwischenlandung in Paris wurde er von den französischen Sicherheitskräften festgenommen.

Der 42 Jahre alte Ganczarski weist alle Anschuldigungen zurück. In einem von seinem Anwalt veröffentlichten Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel bittet er laut Agenturberichten um Prozessbeistand: Er sei „weder ein Terrorist noch ein hochrangiges Al-Qaida-Mitglied“. Er sei auch nicht „irgendwie involviert“ in den Anschlag von Djerba. Er fürchte, dass der Prozess in Paris „niemals fair“ und „rein politisch motiviert“ sein werde. Der damalige französische Innenminister und heutige Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte Ganczarski im Juni 2003 als den „Informatik- und Telekommunikationsspezialisten“ von Al Qaida bezeichnet.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche