09. November 2006 Nach der Niederlage der Republikaner bei den Kongreßwahlen vom Dienstag hat der amerikanische Präsident George W. Bush Fehler eingestanden und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld entlassen. Dessen Nachfolger im Pentagon soll der frühere CIA-Direktor Robert Gates werden. Der 63 Jahre alte Gates war bereits enger Berater von Bushs Vater während dessen Präsidentschaft von 1989 bis 1993.
Nach einer Reihe von Gesprächen sind Minister Rumsfeld und ich übereingekommen, daß dies ein guter Zeitpunkt für einen Führungswechsel im Pentagon ist, sagte Bush in Washington. Der Präsident zeigte sich vom Wahlausgang enttäuscht und gab zu, daß seine Irak-Politik nicht gut genug und nicht schnell genug funktioniere. Sie brauche eine frische Perspektive. Einen Abzug amerikanischer Truppen vor einem Sieg über die Aufständischen schloß der Präsident jedoch abermals aus.
Bush bietet Demokraten Zusammenarbeit an
Viele Amerikaner hatten vor den Kongreßwahlen angegeben, die Irak-Politik werde ihre Wahlentscheidung bestimmen. Bush sagte, als Chef der Republikanischen Partei trage er einen großen Teil der Verantwortung für das schlechte Wahlergebnis. Zugleich gratulierte er der Opposition zu ihrem Wahlerfolg. Die Demokraten hatten eine gute Nacht.
Bush zeigte sich zur Zusammenarbeit mit ihnen bereit. Ich glaube, daß wir in der Lage sein werden, unsere Differenzen abzuarbeiten. Die Botschaft der Wähler sei gewesen, daß sie von der politischen Führung in Washington verlangen, Parteipolitik beiseite zu lassen, sich an ethische Standards zu halten, und gemeinsam an der Lösung der Probleme des Landes zu arbeiten.
Cheney bleibt im Amt
Die Nachfrage, ob Vizepräsident Dick Cheney noch Bushs volles Vertrauen genießt, obwohl er im Irak-Krieg viele Positionen Rumsfelds vertritt, beantwortete Bush mit einem klaren Ja. Cheney werde im Amt bleiben, versicherte der Präsident.
Rumsfeld gehörte zu den umstrittensten Ministern seiner Regierung. Er stand vor allem wegen der Irak-Politik in der Kritik. Die Demokraten, aber auch zahlreiche ehemalige Militärs hatten ihm Inkompetenz vorgeworfen und mehrfach seinen Rücktritt verlangt. Vor der Wahl hatte Rumsfeld alle diese Forderungen weit von sich gewiesen.
Jüngster und ältester Verteidigungsminister
Der nun 74 Jahre alte Rumsfeld war der jüngste und älteste Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten. Er galt als Falke im Pentagon. Sogar Offiziere stieß Rumsfeld mit seinem selbstherrlichen und oft rüden Umgangston vor den Kopf. Mehrfach drohte der Irak-Krieg für ihn zum Fallstrick zu werden. Als Chefplaner des Militäreinsatzes, der sich zu einem langwierigen Engagement auswuchs, geriet er wiederholt in die Kritik und soll bereits mehrere Male vor dem Rücktritt gestanden haben.
In Rumsfelds zweite Amtszeit unter Präsident Bush fielen wichtige Entscheidungen wie der Aufbau einer Raketenabwehr im All, für den sich Rumsfeld vehement einsetzte. Er war es auch, der aus der schwer gepanzerten amerikanischen Streitmacht des Kalten Krieges eine hochmobile Truppe mit High-Tech-Waffen machte.
In der Pharmabranche zum Multimillionär
Geboren wurde Rumsfeld, dessen Großvater aus Bremen stammte, am 9. Juli 1932 in Illinois. Die Karriere des Geisteswissenschaftlers begann 1962 mit der Wahl ins Abgeordnetenhaus, aus dem Rumsfeld 1969 ausschied, um unter Präsident Richard Nixon verschiedene Beraterfunktionen auszuüben. 1973 wurde der verheiratete Vater von drei Kindern amerikanischer Botschafter bei der Nato in Brüssel. Schon ein Jahr später kehrte er nach Washington zurück und diente von 1975 bis 1977 unter Präsident Gerald Ford als Verteidigungsminister. Danach wechselte Rumsfeld als Chef eines Pharmaunternehmens in die Privatwirtschaft - und wurde zum Multimillionär.
Nach der Wahl im Jahr 2000 rief Präsident Bush ihn in sein Kabinett und belohnte ihn vier Jahre später mit einer abermaligen Berufung für seine unerschütterliche Loyalität. So kam es, daß Rumsfeld nicht nur der jüngste, sondern auch der älteste Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten wurde.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, AP , ddp, dpa, REUTERS