Von Heinz-Joachim Fischer
08. Januar 2008 Regierungschef Prodi nennt den Müll-Notstand von Neapel eine Schande für Italien; Staatspräsident Napolitano eine Tragödie. Von der schicksalhaften Unabänderlichkeit einer Tragödie ist dieser Skandal jedoch weit entfernt. Bleibende Missstände haben immer ihre Gründe und Nutznießer, leider auch noch mehr Leidtragende, die sich nicht genug wehren.
Schnell verliert sich im Dickicht von Ausflüchten, wer danach forscht, warum seit Jahren in und um Neapel mehr als hunderttausend Tonnen Haushaltsmüll wie zur Vorbereitung einer Umweltkatastrophe herumliegen und weshalb es gerade jetzt zu heftigen Protesten gegen die Wiedereröffnung einer Mülldeponie in einer Vorstadt von Neapel kommt.
Beides hat weniger miteinander zu tun, als es scheint. Es gibt keinen wirklichen Grund für das Versagen der Verwaltung, aber viele Gründe und Verantwortliche, die Abhilfe verhindert haben. Wie so häufig in Italien fehlt den Politikern der Rechten wie der Linken die Kraft, Vernünftiges gegen Widerstände durchzusetzen. Neapel ist nur die Spitze eines riesigen Vulkans ungelöster Probleme.
Text: F.A.Z., 08.01.2008, Nr. 6 / Seite 10
Bildmaterial: AFP
