Cyber-Kriminalität

Amerika und Estland wollen gegen Internet-Angriffe kooperieren

Bush: Internet-Angriffe machen alle Länder verletzbar

Bush: Internet-Angriffe machen alle Länder verletzbar

26. Juni 2007 Die Vereinigten Staaten und Estland wollen sich zusammenschließen, um gezielte Angriffe auf Internet-Seiten und Rechnersysteme ihrer Länder abzuwehren. Der estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves habe dazu die Einrichtung eines speziellen Büros der Nato in Estland vorgeschlagen, sagte der amerikanische Präsident George W. Bush nach einem Gespräch mit Ilves am Montag in Washington. Internet-Angriffe machten alle Länder einschließlich der Vereinigten Staaten sehr verletzbar.

Ilves verwies auf die Gefahren für moderne Informationsgesellschaften. In Estland würden beispielsweise 97 Prozent aller Banküberweisungen im Internet abgewickelt. Deshalb könnten Angriffe schweren Schaden anrichten. Nachdem auch die Vereinigten Staaten, Israel und Dänemark über das Internet angegriffen worden seien, müsse man diesem Problem mehr Aufmerksamkeit widmen.

„Der FSB kontrolliert in Russland das Internet“

Ilves: Den Gefahren mehr Aufmerksamkeit widmen

Ilves: Den Gefahren mehr Aufmerksamkeit widmen

Estland war Ende April und Anfang Mai das Ziel einer beispiellosen Internetattacke: Banken, Behörden, Polizei und Regierung waren tagelang lahmgelegt. Das estnische „Computer Emergency Response Team“, eine Behörde, die es in allen EU-Staaten für die Untersuchung von Computer-Notfällen gibt, konnte bis heute nicht herausfinden, wer dafür verantwortlich war.

Ilves ging nicht darauf ein, wer hinter den Internet-Angriffen auf sein Land stecken könnte. Estnische Regierungsmitglieder hatten zuvor Russland dafür verantwortlich gemacht. In einem Interview mit der F.A.Z. hatte auch Ilves diesen Schluss nahegelegt, ohne ihn direkt zu ziehen: „Die Angriffe kamen von überall her, ganz einfach, weil durch Botnets Rechner von Amerika bis Vietnam für die Angriffe benutzt wurden. Wir wissen also nicht, wer dahintersteckt. Was wir aber wissen, ist, dass seit drei Jahren jeder Internetprovider in Russland per Gesetz seine Leitungen durch den Geheimdienst FSB legen muss. Der FSB kontrolliert dort das Internet.“ (Siehe auch: Estlands Präsident über den Internetangriff auf sein Land)

Heimatschutzministerium verzeichnet Hacker-Attacken

Unterdessen hat das Heimatschutzministerium der Vereinigten Staaten, zuständig auch für den Kampf gegen Bedrohungen aus dem Internet, auf seinen Computern innerhalb von zwei Jahren mehr als 800 Einbrüche von Hackern, Virus-Attacken und andere Sicherheitsprobleme registriert. Bei einer Anhörung im Kongress sagte der Informationsbeauftragte des Ministeriums, Scott Charbo: „Wir müssen unsere Wachsamkeit verstärken und sicherstellen, dass solche Vorfälle nicht wieder passieren.“ Das Ministerium nehme die Angriffe sehr ernst.

In einem Fall wurden Hacker-Tools für das Aufspüren von Passwörtern und anderen Daten auf zwei internen Rechnern des Ministeriums gefunden. Ein anderes Mal wurden Arbeitsplatzrechner der Küstenwache und der Verkehrssicherheitsbehörde mit Schadsoftware infiziert, die eine Kommunikation mit Außenstehenden ermöglicht. Außerdem kam es zu Einbrüchen in Internet-Server des Ministeriums.

Estland im Visier von Crackern

Der Internetangriff auf Estland gilt als der bislang schwerste „Cyberangriff“ auf einen Staat. Bei einer DoS-Attacke (Denial of Service - deutsch: Dienstverweigerung) werden ein oder mehrere zentrale Rechner (Server) durch Überlastung arbeitsunfähig gemacht. Sie erhalten binnen kurzer Zeit so viele Anfragen, dass sie mit der Bearbeitung nicht mehr hinterherkommen und zusammenbrechen. Der Angreifer benötigt noch nicht einmal Passwörter, um seiner Attacke zu ihrer Wirkung zu verhelfen. Auf diese Art wurden schon bekannte Internet-Server der Firmen Amazon, Yahoo oder eBay mit bis zur vierfachen Menge des normalen Datenverkehrs belastet, so dass sie für reguläre Anfragen ausfielen.

Erfolgen die Zugriffe koordiniert von einer Vielzahl von Systemen aus, wie es in Estland geschah, spricht man von DDoS (Distributed Denial of Service - deutsch: Verteilte Dienstverweigerung). Dazu benutzen Angreifer oft Programme, die sich durch das Internet von selbst auf andere Rechner verbreiten, wodurch zusätzliche Kapazitäten für Angriffe verfügbar gemacht werden. Der Weg der Daten lässt sich leicht verschleiern, so dass der Ursprung des Angriffs praktisch verborgen bleibt. (nto.)

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: REUTERS

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