Obama und Clinton

„Wir brauchen sie dringend“

27. Juni 2008 Nach monatelangem erbitterten Wahlkampf Seite an Seite: Der designierte demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama und seine unterlegene Konkurrentin Hillary Clinton sind am Freitag zum ersten Mal gemeinsam bei einer Wahlkampfveranstaltung aufgetreten.

Clinton zeigte sich bei einer Rede in der Ortschaft mit dem symbolträchtigen Namen Unity (Einheit) überzeugt, dass Obama die Wahl im Herbst gewinnt und „den Amtseid als unser nächster Präsident ablegt“. Unity sei nicht nur ein schöner Ort, sondern auch ein schönes Gefühl, sagte Clinton vor rund 6.000 Menschen in der Ortschaft im Staat New Hampshire. Sie hatte Obama im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten vor drei Wochen den Vorzug lassen müssen. Beide Politiker fanden nach monatelangem Streit im Interesse der Parteiräson zusammen und führen jetzt gemeinsam Wahlkampf gegen den Republikaner John McCain.

Ihre Vision, ihre Weisheit

Obama betonte, die Demokraten bräuchten sowohl Hillary Clinton als auch ihren Mann, Expräsident Bill Clinton. „Wir brauchen sie. Wir brauchen sie dringend. Nicht nur mein Wahlkampf, sondern die Amerikaner brauchen ihren Einsatz, ihre Vision und ihre Weisheit in den kommenden Monaten und Jahren“, sagte der Senator aus Illinois. Die New Yorker Senatorin betonte vor dem gemeinsamen Termin: „Wir sind eine Familie.“ Obama traf am Donnerstagabend in einem Hotel in Washington mit mehr als 200 Geldgebern von Clinton zusammen. Die Frau des früheren Präsidenten Bill Clinton sagte ihren Spendern, sie sollten jetzt die Wahl von Obama zu ihrem vornehmsten Ziel machen. „Wir werden alles tun, was nötig ist, um das Weiße Haus zurückzugewinnen“, sagte Clinton. Im Gegenzug versprach Obama, er werde seine neue Verbündete bei der Rückzahlung von Schulden unterstützen. Demonstrativ unterschrieb er einen Scheck über 4.600 Dollar - das ist der zulässige Höchstbetrag für Einzelspenden. Clinton hat sich in ihrem Wahlkampf mit mehr als 20 Millionen Dollar verschuldet.

„Ich werde Hillary im Wahlkampf an meiner Seite brauchen“, sagte Obama nach einem Bericht des einzigen Journalisten, der zu der Veranstaltung zugelassen wurde. An die Geldgeber gewandt fügte er hinzu: „Und ich werde Sie alle brauchen.“ Hinter den Kulissen wird bereits intensiv darüber verhandelt, welche Rolle Clinton künftig für Obama spielen soll. Drei Berater Clintons - Cheryl Mills, Minyon Moore und Robert Barnett - trafen dazu mit der Wahlkampfführung Obamas zusammen. Auch in der öffentlichen Meinung findet Obama jetzt mehr Rückhalt bei den Anhängern Clintons als noch vor wenigen Monaten. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP und des Internet-Portals Yahoo gaben 53 Prozent der Anhänger Clintons an, dass sie jetzt Obama unterstützen wollten. Allerdings gibt es immer noch mehr als 20 Prozent aus dem Clinton-Lager, die jetzt lieber McCain unterstützen wollen als Obama.



Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: REUTERS

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