UN-Tribunal

Serbien wird Mladic bis Ende April ausliefern

„Ein charismatischer Mörder”

„Ein charismatischer Mörder”

06. April 2006 Serbien wird den als Kriegsverbrecher gesuchten früheren General Ratko Mladic nach Angaben des UN-Tribunals in Den Haag bis Ende des Monats ausliefern. Dies habe die Regierung in Belgrad UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte zugesagt, sagte ein Sprecher des Tribunals am Donnerstag.

Mladic ist wegen Kriegsverbrechen während des Bosnienkriegs in den Neunziger Jahren angeklagt. Die Europäische Union (EU) hatte zuletzt weitere Verhandlungen über eine Annäherung Serbien und Montenegros von der Festnahme und Auslieferung Mladics an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag abhängig gemacht..

„Damit wir uns richtig verstehen: Die EU bleibt bei ihrer Haltung, was die Zusammenarbeit mit dem Tribunal angeht“, hatte noch am Mittwoch abend der Leiter der EU-Delegation in Belgrad, Reinhard Priebe, nach der zweiten Verhandlungsrunde mit dem Balkanstaat über ein Assoziierungsabkommen gesagt. Ein solcher Vertrag gilt als erster Schritt auf dem Weg zu einer EU-Mitgliedschaft. Ende April werde abermals geprüft, ob Serbien ausreichend mit Del Ponte zusammenarbeite, fügte Priebe hinzu.

Kostunica gab Zusage

Belgrad hatte zugesagt, alles zu unternehmen, um den untergetauchten Mladic zu fassen. Das UN-Tribunal wirft dem früheren Militärchef der bosnischen Serben Völkermord in zwei Anklagepunkten vor, den er zwischen 1992 und 1995 während des Bosnienkrieges begangen haben soll. Serbische Medien spekulierten zuletzt, Mladic erwäge sich zu stellen oder seiner Festnahme durch Selbstmord zu entgehen.

Die EU hatte zuletzt eine Frist für den Beginn eines Ultimatums an Serbien zur Auslieferung Mladics bis zum 30. April verlängert. Das hatte EU-Erweiterungskommissar Rehn in der vergangenen Woche nach einem Treffen mit del Ponte gesagt. (Siehe auch: Fall Mladic: Lauter letzte Fristen)

Entgegen früheren Drohungen wurde an einer weiteren Verhandlungsrunde zwischen der EU und Serbien über ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen festgehalten. Der serbische Ministerpräsident Kostunica habe ihm die feste Zusage gegeben, Mladic „ohne Verzögerung ausfindig zu machen, festzunehmen und zu überstellen“, hatte Rehn zu Begründung gesagt. Auch Del Ponte habe ihm über Fortschritte in der Zusammenarbeit Serbien-Montenegros mit dem Haager UN-Tribunal für Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien berichtet, sagte Rehn.

Text: FAZ.NET mit Reuters/AP
Bildmaterial: AP, dpa, Reuters

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