Pakistan

Benazir Bhuttos Mörder identifiziert?

Von Hans-Christian Rößler, Lahore

Wird der Mord an ihr bald aufgeklärt?

Wird der Mord an ihr bald aufgeklärt?

08. Januar 2008 In Pakistan gibt es nach Presseberichten erste Hinweise auf den Mörder der Oppositionsführerin Benazir Bhutto. Die pakistanische Nachrichtenagentur APP meldete, man habe den Mann, der bei dem Anschlag umgekommen war, als Einwohner des Ortes Swabi identifiziert. Sein Haus sei durchsucht worden.

Ein Polizist, der den Anschlag miterlebte, sagte der Tageszeitung „Dawn“, er habe gesehen, wie ein Mann mit einer Sonnenbrille aus einer Entfernung von drei Metern auf Benazir Bhutto geschossen habe. Als er versucht habe, diesen Mann zu überwältigen, habe es eine starke Explosion gegeben, sagte Isthiaq Hussain Shah, der bei dem Anschlag verletzt worden war. Ihm sei aufgefallen, dass Bhuttos Fahrzeug kurz zuvor plötzlich von jubelnden Anhängern umgeben gewesen sei. Zudem sei der Strom ausgefallen, so dass die elektronischen Sicherheitsschleusen nicht funktioniert hätten.

Bericht: Schütze zündete Sprengsatz

Bilawal Bhutto will vorerst in Ruhe gelassen werden

Bilawal Bhutto will vorerst in Ruhe gelassen werden

Die pakistanische Regierung hatte bis zum Wochenende behauptet, Benazir Bhutto sei nicht durch Schüsse tödlich verletzt worden, sondern, weil sie mit dem Kopf gegen einen Hebel des Sonnendachs geschleudert worden sei.

Auch ein von der pakistanischen Tageszeitung „The News“ am Dienstag zitierter Geheimdienstbericht kommt zu dem Schluss, dass die Politikerin erschossen wurde. Sie sei daraufhin ins Innere des Wagens gesackt, bevor ein Sprengsatz explodierte. Wäre ihr Kopf noch außerhalb gewesen, wären die Verletzungen viel stärker ausgefallen.

Laut dem Bericht zündete der Schütze auch den Sprengsatz. Für das Attentat hätten sich erstmals eine „verbotene Dschihad-Organisation“, die den Selbstmordattentäter stellte, und eine Terrorgruppe aus Waziristan, die für die technische Ausstattung sorgte, zusammengetan. Sie seien von Bhutto-Gegnern „auf offizieller Seite“ in Islamabad unterstützt worden.

„Nur ein Versuch, die Wahrheit zu verschleiern“

In Pakistan stießen diese neuen Angaben zum Tathergang auf Skepsis, nachdem Regierung und Sicherheitskräfte ihre Darstellung mehrfach geändert hatten. Die oppositionelle Muslimliga des früheren Ministerpräsidenten Nawaz Sharif (PML-N) wies die Berichte zurück. „Das ist alles bedeutungslos und nur ein Versuch, die Wahrheit zu verschleiern“, sagte ein Parteisprecher am Dienstag in Lahore der F.A.Z. Benazir Bhuttos Pakistanische Volkspartei PPP besteht darauf, dass Ermittler unter der Leitung der Vereinten Nationen ihren Tod aufklären.

Unterdessen empfing am Dienstag Staatspräsident Musharraf in Rawalpindi die sieben Ermittler von Scotland Yard, die seit Freitag die pakistanische Polizei unterstützen. Er bekräftigte, dass die pakistansche Regierung alles tun werde, damit die Mörder vor Gericht kommen. Zuvor waren die britischen Beamten gebeten worden, ihren Bericht bis zur Parlamentswahl am 18. Februar fertigzustellen. Sie dürfen offenbar ihre Ermittlungsergebnisse auch der Öffentlichkeit vorstellen.

Bhuttos Sohn Bilawal: Habe „Politik im Blut“

Frau Bhuttos Sohn Bilawal Bhutto Zardari, der zu ihrem Nachfolger im Parteivorsitz bestimmt worden war, bat unterdessen auf einer Pressekonferenz in London die Presse, ihn in Ruhe sein Studium in Oxford beenden zu lassen. „So lange ich meine Ausbildung nicht beendet und ausreichend Reife erlangt habe, werde ich niemals weise genug sein, um die politische Arena zu betreten“, sagte er. Er werde „Schritt für Schritt“ in die Position des Parteivorsitzenden wachsen, da er „Politik im Blut“ habe.

Bilawal Bhutto Zardari sagte zudem, er sei „erschüttert“ über gefälschte Einträge in dem Internetnetzwerk Facebook, die von Journalisten aufgegriffen wurden. Auf der Plattform waren mehrere falsche Profile von ihm erschienen. (Siehe auch: Facebook: Die gefälschten Worte des Bilawal Bhutto Zardari) Britische Zeitungen hatten zudem von Party-Ausschweifungen des Jura-Studenten berichtet.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, REUTERS

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