06. Mai 2007 Nach der Wahl Nicolas Sarkozys zum neuen Staatspräsidenten Frankreichs haben in der Nacht 367 Autos gebrannt. Wie die Polizeiführung am Montag in Paris mitteilte, wurden im ganzen Land 270 Menschen festgenommen. Etwa die Hälfte der Sachbeschädigungen und der Festnahmen ereigneten sich in der Hauptstadtregion Île-de-France.
Die Zahl der brennenden Autos liege geringfügig über der vom vergangenen Nationalfeiertag am 14. Juli 2006, aber unter der Bilanz einer üblichen Neujahrsnacht, vermeldete die Generaldirektion der Polizei. 28 Polizisten und Gendarmen seien verletzt worden.
Die Demokratie hat gesprochen
Hunderte Gegner Sarkozys lieferten sich am Sonntagabend in Paris eine Straßenschlacht mit der Polizei. Am Rande einer Kundgebung von etwa 5000 Anhängern der unterlegenen Sozialistin Ségolène Royal auf dem Bastille-Platz griffen Vermummte die Polizei mit Pflastersteinen und Flaschen an. Es erklangen Rufe wie Sarko, Faschist, das Volk kriegt Dich. Die Beamten reagierten mit dem Einsatz von Tränengas.
Royals Wahlkampfberater Jean-Pierre Chevènement rief im Fernsehen die Linke dazu auf, ruhig Blut zu bewahren. Er könne die Enttäuschung vieler verstehen, sagte der frühere Minister. Doch die Demokratie hat gesprochen. Was die Wahlurnen schaffen, können die Wahlurnen eines Tages auch wieder abschaffen.
Keine großen Krawalle
Insgesamt gesehen habe es nach der Stichwahl zwischen Sarkozy und Frau Royal keine großen Krawalle in den Problemvierteln gegeben, berichtete die Polizei. Nur vereinzelt hätten kleinere Gruppen Autos und Mülltonnen in Brand gesteckt. In den Stadtzentren unter anderem von Lyon, Nantes, Paris, Toulouse und Rennes seien Kundgebungen von Linksextremen, Anarchisten und Autonomen dagegen in Zusammenstöße mit den Sicherheitskräften ausgeartet.
In ganz Frankreich protestierten laut Polizei etwa zehntausend Menschen auf diese Weise gegen die Wahl Sarkozys. (Siehe dazu: Video: Sarkozy wird Präsident Frankreichs) Tausende zusätzliche Polizisten waren im Einsatz, um Ausschreitungen zu verhindern. Der frühere Innenminister Sarkozy ruft in etlichen Trabantenstädten Wutausbrüche hervor, weil er straffällige Jugendliche aus den Vorstädten als Gesindel beschimpft und eine Säuberung der Problemviertel mit einem Hochdruckreiniger angekündigt hatte.
Der Präsident der Vorstadtvereinigung AC le Feu, Mohamed Mechmache, reagierte enttäuscht auf den Wahlausgang. Frankreich hat die Botschaft dessen nicht verstanden, was im Oktober und November 2005 passiert ist, klagte Mechmache, in Clichy-sous-Bois. Von dort waren damals Unruhen ausgegangen, die mehrere Wochen gedauert hatten.
Text: FAZ.NET mit AP, AFP und dpa
Bildmaterial: AFP, dpa, REUTERS