30. Juli 2007 Die Entführer von 22 Südkoreanern haben der afghanischen Regierung wieder ein neues Ultimatum gesetzt. Der selbst ernannte Taliban-Sprecher Kari Jussef Ahmadi sagte, seine Organisation habe den Unterhändlern eine Liste mit 23 inhaftierten Aufständischen übergeben, deren Freilassung im Austausch für die Südkoreaner gefordert werde. Sollten sie nicht bis Montagmittag (9.30 Uhr MESZ) frei sein, dann würden eine oder auch mehrere Geiseln erschossen.
Kurz vor Ablauf des Ultimatums der Taliban hat die afghanische Regierung die Rebellen im Fall der 22 südkoreanischen Geiseln um zwei Tage mehr Zeit gebeten. Unsere Delegierten sind im Gespräch mit ihnen (den Taliban), damit sie uns zwei zusätzliche Tage geben, sagte der Gouverneur der südostafghanischen Provinz Ghasni, Mehrajuddin Patan, der Deutschen Presse-Agentur. Patan sagte kurz vor Ablauf der Frist, die Verhandlungen dauerten an.Bislang äußerten sich die Taliban nicht zu der Bitte um Fristverlängerung.
Der afghanische Staatspräsident Hamid Karsai nannte die Entführungen am Sonntag im Gespräch mit einer südkoreanischen Delegation eine Schande. Seine Regierung werde nichts unversucht lassen, um die Freilassung der Verschleppten zu erreichen. Es war die erste öffentliche Stellungnahme von Karsai zu dem Fall seit der Entführung am 19. Juli. Die Geiselnahme ausländischer Gäste sei eine Schande und die Entführung von Frauen unislamisch, erklärte Karsai. Die Regierung in Kabul hat einen Militäreinsatz als letztes Mittel zur Befreiung der in Afghanistan verschleppten Südkoreaner nicht ausgeschlossen.
Deutsche Geisel nach Medieninformationen wohlauf
Ahmadi erklärte, wenn die Forderungen der Geiselnehmer nicht erfüllt würden, dann töten wir vielleicht eine, vielleicht zwei, vielleicht vier oder auch alle Geiseln. Darunter könnten Frauen oder auch Männer sein. Bisherige Ultimaten verstrichen bislang, ohne dass Geiseln getötet wurden. Einer der Entführten, ein Pfarrer, wurde aber am Mittwoch erschossen. Die Gruppe christlicher Freiwilliger hatte beim Wiederaufbau in Afghanistan geholfen, als sie vor fast zwei Wochen von den radikalen Islamisten entführt wurde.
Die Leiche der von den Taliban erschossenen südkoreanischen Geisel Bae Hyung Kyu soll am Montag in die Heimat überführt werden. Sein Bruder Bae Shin Kyu sagte, die Beisetzung werde erst erfolgen, wenn alle anderen 22 Geiseln auch wieder zu Hause seien. Baes Hyung Kyus Leiche wurde am Mittwoch gefunden, seinem 42. Geburtstag. Er hinterlässt eine neunjährige Tochter und seine Frau.
Die deutsche Geisel in Afghanistan ist nach Medieninforamtionen am Leben und wohlauf. Dem Bauingenieur gehe es weiterhin gut, erfuhr die dpa aus gut informierten Kreisen. Weder das Auswärtige Amt noch Regierungssprecher wollten diese Berichte kommentieren.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa