Kosovo

Langer Weg bis zur Unabhängigkeitserklärung

März 1981: Weniger als ein Jahr nach dem Tod des jugoslawischen Staatsgründers Tito entwickeln sich aus Studentenunruhen in Prishtina allgemeine Proteste der Albaner gegen die schlechten Lebensbedingungen in der Provinz Kosovo. Aus ihnen werden politische Kundgebungen, bei denen auch die Vereinigung mit Albanien gefordert wird.

April 1987: Bei einem Aufenthalt in dem kosovarischen Ort Kosovo Polje (Amselfeld) schwingt sich der bisher unauffällige kommunistische Funktionär Slobodan Milosevic zum Wortführer der Kosovo-Serben und damit der Serben Jugoslawiens auf. Sein politischer Aufstieg beginnt.

28. Juni 1989: Am 600. Jahrestag der Schlacht auf dem Amselfeld beschwört Milosevic im Kosovo vor etwa einer Million (meist serbischen) Zuhörern die Einheit der Serben und kündigt „künftige Schlachten“ an. Im gleichen Jahr lässt er schrittweise die Autonomie der Provinz abschaffen.

September 1991: Die Albaner, inzwischen in einem „Schattenstaat“ unter Führung von Ibrahim Rugova vereint, votieren in einem nicht anerkannten Referendum für die Unabhängigkeit des Kosovos. In der Folge wächst die Zahl der Albaner, die von serbischen Sicherheitstruppen verhaftet und verschleppt werden. Rugova plädiert dennoch für die Fortführung des passiven Widerstands gegen das Belgrader Regime.

Von 1996 an: Erste Anschläge der albanischen „Befreiungsarmee Kosovo“ (UÇK) auf Serben und Repräsentanten des serbischen Staates in der Provinz.

Frühjahr 1997: Der Zusammenbruch eines betrügerischen Geldanlagesystems stürzt Albanien in die Anarchie. Große Waffenvorräte aus albanischen Depots gelangen ins Kosovo. Die UÇK, die Ausbildungslager in Nordalbanien unterhält, vermehrt die Zahl ihrer Attentate. Der serbische Staat reagiert mit verstärkten Repressionen.

Februar 1998: Nachdem der amerikanische Balkan-Beauftragte Gelbard die UÇK „terroristische Organisation“ genannt hat, befiehlt Milosevic Großeinsätze gegen die Freischärler. Dabei werden ganze Familien, die dem Umfeld der UÇK zugerechnet werden, ermordet. In den folgenden Wochen werden weitere Massaker verübt. Viele tausend Albaner flüchten nach Albanien, Montenegro oder Mazedonien.

24. März 1999: Nach dem endgültigen Scheitern der mehrfach unterbrochenen Kosovo-Verhandlungen von Rambouillet beginnt die Nato mit Luftangriffen auf Jugoslawien (Serbien und Montenegro). Dabei werden vereinzelt auch zivile Ziele bombardiert (“Kollateralschäden“). Belgrad verstärkt die Massenvertreibungen aus dem Kosovo. Mehrere hunderttausend Albaner fliehen.

9. Juni 1999: Jugoslawien erklärt sich zum Abzug aller Truppen aus dem Kosovo bereit. Serbische Armee und Polizei ziehen sich danach aus der Provinz zurück, viele serbische Zivilisten flüchten mit den Einheiten. Die Provinz wird durch die UN-Resolution 1244 übergangsweise zu einem Protektorat der Vereinten Nationen erklärt. Die Verwaltung übernimmt eine UN-Mission. Gegen die Unabhängigkeitswünsche der Albaner wird später die Losung „Standards vor Status“ aufgestellt: Erst wenn das Kosovo demokratische Standards erfüllt, könne über einen neuen Status für das Gebiet gesprochen werden.

Oktober 2000: Die Serben stürzen Präsident Milosevic.

März 2004: Bei Unruhen, die gegen die serbische Minderheit und die UN-Mission gerichtet sind, kommen 21 Personen ums Leben. Orthodoxe Klöster gehen in Flammen auf, mehrere hundert Häuser von Serben und Roma werden zerstört. Im Westen setzt sich die Ansicht durch, dass der Status quo unhaltbar sei. Die Losung „Standards vor Status“ wird aufgegeben.

Juni 2005: UN-Generalsekretär Kofi Annan beauftragt den norwegischen Nato-Diplomaten Eide damit, die Bedingungen für den Beginn von Verhandlungen über den künftigen Status des Kosovos zu untersuchen.

Oktober 2005: Annan schließt sich Eides Empfehlung zum Beginn von Verhandlungen an. Eide hatte in seinem Bericht gewarnt, weiteres Zögern werde die Lage nur erschweren.

November 2005: Annan ernennt den Finnen Martti Ahtisaari zu seinem Beauftragten für die Suche nach einer Statuslösung.

Juli 2006: Nach 15 direkten Gesprächsrunden im sogenannten Ahtisaari-Prozess gehen die Verhandlungsdelegationen der Serben und der Kosovo-Albaner ohne Einigung auseinander. Ein Gipfeltreffen zwischen den Führungen Serbiens und des Kosovos in Wien bringt keine Annäherung.

März 2007: Nach dem Scheitern eines weiteren serbisch-kosovarischen Gipfels in Wien teilt Ahtisaari mit, dass alle Verhandlungsmöglichkeiten erschöpft und weitere Gespräche sinnlos seien. Ahtisaaris Kompromissvorschlag für die „überwachte Unabhängigkeit“ des Kosovos wird dem UN-Sicherheitsrat übergeben. Versuche, dem Plan durch eine Resolution des Sicherheitsrats eine völkerrechtlich unumstrittene Grundlage zu verschaffen, scheitern am Widerstand Moskaus.

August 2007: Eine sogenannte Troika aus Diplomaten der EU, der Vereinigten Staaten und Russlands wird gebildet, die einen weiteren Versuch unternehmen soll, zwischen Belgrad und Prishtina zu vermitteln. Ihr Mandat ist auf drei Monate begrenzt. Die Vereinigten Staaten kündigen an, danach auf jeden Fall die Unabhängigkeit des Kosovos anzuerkennen.

Dezember 2007: Die Arbeit der Troika endet ohne Vermittlungserfolg. In der EU werden nun die Bemühungen verstärkt, eine möglichst einheitliche Position zur Anerkennung des Kosovos sowie zur Entsendung einer Polizei- und Rechtsstaatsmission auf der Grundlage des Ahtisaari-Plans zu finden.

17. Februar 2008: Das kosovarische Parlament verabschiedet die von der Regierung unter Hashim Thaçi vorgeschlagene Unabhängigkeitserklärung.

Text: tens., F.A.Z.

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