UN-Sonderbeauftrager

Koenigs verlässt Afghanistan

UN-Sonderbeauftrager Tom Koenigs

UN-Sonderbeauftrager Tom Koenigs

08. Oktober 2007 Der Grünen-Politiker Tom Koenigs möchte sein Amt als Afghanistan-Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen zum Jahresende aufgeben. Das sagte Koenigs der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Kabul. Was er später tun werde, ließ Koenigs offen.

Koenigs bekräftigte seine Haltung, es sei notwendig, mit Taliban-Kämpfern zu sprechen. Es sei „nicht zu hoffen“, dass ein militärischer Sieg zur „bedingungslosen Kapitulation“ der Taliban führe. Verhandlungen könnten auch dazu dienen, den Gegner zu spalten. Koenigs verwies darauf, dass die Taliban eine zunehmend schwächere Kommandostruktur hätten und dass verschiedene Taliban-Gruppen unterschiedliche Interessen verfolgten. Es gehe aber nicht um Gespräche mit dem Taliban-Anführer Mullah Omar. (Siehe auch: Tom Koenigs: „Nicht auf einen militärischen Sieg über die Taliban hoffen“)

Weitere Angriffe auf deutsche Soldaten

Video in voller Größe

In Afghanistan griffen Extremisten abermals deutsche Soldaten an. Im Feldlager der Bundeswehr in Kundus schlugen am Sonntagabend vier Raketen ein, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Montag in Berlin sagte. Verletzt worden sei niemand. Bundeswehrsoldaten und afghanische Sicherheitskräfte lieferten sich einen Schusswechsel mit den Angreifern und verfolgten die Täter, konnten jedoch niemanden festnehmen.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, offensichtlich versuchten „radikale Kräfte“, Einfluss auf die am Freitag anstehende Entscheidung des Bundestags über eine Verlängerung des Mandats in Afghanistan zu nehmen.

Erst vergangenen Freitag waren in Afghanistan drei deutsche Soldaten bei einem Selbstmordanschlag verletzt worden. In der Provinz Uruzgan, wo vor allem australische und niederländische Truppen stationiert sind, wurde ein Soldat der Nato-geführten Schutztruppe Isaf durch eine Bombenexplosion getötet.

„Kampf mit einem Arm hinter dem Rücken“

Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer teilte derweil mit, die Allianz wolle demnächst Videoaufnahmen ihres Einsatzes in Afghanistan zur Verfügung stellen, um die Öffentlichkeit in den Mitgliedstaaten besser zu informieren. Außerdem müsse die Nato Zwischenfälle schneller aufklären und Falschmeldungen rascher entgegentreten.

In einer Rede in Kopenhagen sagte de Hoop Scheffer, das Bündnis kämpfe „mit einem Arm hinter dem Rücken“, wenn es um die Berichterstattung über seine Operationen gehe. So brächten die Taliban bei Zwischenfällen oft hohe Zahlen ziviler Opfer in Umlauf. Diese Fehlinformationen würden von den Nachrichtenagenturen in wenigen Minuten in alle Welt verbreitet. Die Nato brauche dagegen oft Tage, um ihre Darstellung des Vorfalls zu veröffentlichen.

Bekämpfung des Opiumanbaus

Vertreter der amerikanischen und der afghanischen Regierung haben am Montag in Kabul Gespräche über Möglichkeiten zur Bekämpfung des Opiumanbaus geführt. Wie amerikanische Medien am Montag berichteten, drängt Washington die Regierung in Kabul, dem Einsatz von Pestiziden aus der Luft gegen Mohnpflanzen zuzustimmen. Aus Afghanistan stammen nach einer weiteren Rekordernte in diesem Jahr 93 Prozent des weltweit vertriebenen Opiums. Die Anbauflächen für Mohnpflanzen in Afghanistan sind größer als jene in Bolivien, Kolumbien und Peru zusammengenommen.

Bisher hat sich die Regierung Karzai gegen den Einsatz von Pestiziden ausgesprochen, weil sie fürchtet, erzürnte Opiumbauern könnten dadurch den Taliban in die Arme getrieben werden. Zudem könnten die Taliban behaupten, durch den Einsatz der Pestizide würden Tiere und Menschen geschädigt. Obwohl in Washington die Frustration über den schnell wachsenden Opiumanbau und das damit zusammenhängende Wiedererstarken der Taliban in Afghanistan wächst, heißt es offiziell, man werde jede Entscheidung der Regierung in Kabul akzeptieren.

Usbekischer Islamist getötet

Jung: „Klare Chancen für einen Erfolg”

Jung: „Klare Chancen für einen Erfolg”

Der Anführer der Islamischen Bewegung Usbekistans (IBU), Tohir Yuldoschev, ist am Wochenende in Afghanistan getötet worden. Das berichtete die Internetnachrichtenagentur Ferghana am Montag unter Berufung auf den afghanischen Polizeichef der Region Paktika im Osten Afghanistans, Dschan Mullachailja. Insgesamt sollen bei einem Luftangriff der internationalen Streitkräfte mit Bomben und Raketen am Sonntag 16 Terroristen aus Usbekistan, Pakistan und Tschetschenien getötet worden sein. Die Amerikaner hatten auf die Ergreifung oder Tötung Yuldoshevs, der einer der meistgesuchten Terroristen in Afghanistan war, 200 000 Dollar ausgesetzt.

Yuldoshev hatte vor sechs Jahren, nachdem die Amerikaner die militärische Struktur der IBU im Norden Afghanistans weitgehend zerschlagen hatten und der damalige Anführer der IBU, Dschuma Namangani, getötet worden war, die Führung der überlebenden Untergrundkämpfer übernommen. Zeitweise hatte sich die Gruppe nach Pakistan in die Provinz Südwasiristan zurückgezogen. Die IBU hat ihre Wurzeln im Ferghanatal, das zwischen Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan aufgeteilt ist. Im vergangenen Jahr drohte Yuldoshev den Präsidenten dieser drei Länder mit der Ermordung, weil sie den wahren Islam bekämpfen würden. Yuldoshev ist in den neunziger Jahren mehrmals mit Usama Bin Ladin zusammengetroffen. Al Qaida finanzierte die Ausbildung von Mitgliedern der IBU in afghanischen und pakistanischen Trainingslagern für Terroristen.

Text: tah. / nbu. / rüb.
Bildmaterial: AP, ASSOCIATED PRESS, Daniel Pilar, F.A.Z., reuters

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