Neapel

Müll aus Italien kommt nach Deutschland

Ein größerer Teil des Mülls von den Straßen Neapels soll nun in Deutschland landen. Statt wie in den vergangenen Wochen drei oder vier Güterzüge sollen künftig bis zu 25 Müllzüge aus Neapel nach Deutschland rollen. In den italienischen Medien gibt's deshalb Seitenhiebe auf die Deutschen. Von Tobias Piller

Lesermeinungen zum Beitrag

16. Januar 2008 18:18

Eine Frage der Mentalität

dietmar frensemeyer (jarama72)

Ich kenne Italien bestens seit zig Jahren. Für mich beginnt "Italien" südlich der Toskana in Latium. Dort ist auch meine Wahlheimat. Selbstverständlich ist die dortige Mentalität sehr verschieden vom Norden. Das äussern die Einwohner doch selbst. Viel mehr Wärme in jeder Beziehung, aber auch viel mehr Zeit für alles, will sagen viel mehr Chaos. Neapel, das ist nicht nur Verkehr wie in Kairo, das ist auch totale Anarchie in unserem Verständnis. Inzwischen fordern und bekommen die Bauern und Hoteliers dort Subventionen für den Schaden,,den die Müllsituation anrichtete. Wieder fliessen Millionen in verschlungene Administrationen des Amiciprinzips. Die Müllverwertungsanlage in Acera wurde mit Deutscher Technologie gebaut. Aber die Napolitaner misstrauen den Landsleuten, die diese Anlage bedienen sollen. Deshalb wurde die Fertigstellung verhindert. Inzwischen greift der Müllvirus über auf andere Provinzen Süditaliens. Latium diskutiert über das mit Deutscher Technologie gebaute Werk in Civitavecchia. Auch dort haben die Menschen massiv Angst vor den möglichen Folgen. Umbrien entdeckt jetzt die jahrelange Dioxin Verseuchung durch die Anlage in Terni. Ich wiederhole, ja, die Mentaltiät in Süditalien wird zu einer Bedrohung.

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16. Januar 2008 11:39

Aha, der feine Unterschied heißt: Süditalien!

Gerhard Strunz (gherardo)

Der Verfasser dieser Lesermeinung verschweigt ganz einfach die Tatsache, dass man Süditalien von Norditalien nicht einfach trennen kann, politisch wie kulturell. Ein beträchtlicher Anteil der norditalienischen Bevölkerung stammt aus Süditalien und/oder hat seit Generationen süditalienische Wurzeln. Das Herabschauen von Oben nach Unten und das Ablassen von nordischen Emotionen, werden dem Thema nicht annähernd gerecht. Aus einigen Lesermeinungen geht dieses Nord-Süd-Gefälle ganz deutlich hervor. Mir fehlt jetzt nur noch die Variante Skandinavien zu Mitteleuropa.

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15. Januar 2008 19:40

Italien ? Süditalien

andrea borsato (KonstantinLevin)

Viele der bisher Italien-kritischen gegebenen Kommentare würden stimmen, wenn man 'Italien' mit 'Süditalien' ersetzen würde. Im Norden wird die Abfalltrennung sehr gut gemacht, und dies zeugt dafür, dass zwischen Norditalienern und Süditalienern nicht einfach ein Unterschied im Reichtum besteht, sondern in der Kultur. Man muss nicht reich sein, um Abfalltrennung zu machen. Man muss nur zivilisiert sein. Dieser Unterschied, der den meisten Ausländern immer noch entgeht, scheint doch selbst der Verfasser des Artikels zuzugeben, indem er die nördlichen Regionen nicht einfach als 'wohlhabend', sondern auch als 'wohlhabend und wohlorganisiert' bezeichnet. Und bitte 'wohlhabend weil wohlorganisiert', und nicht 'wohlorganisiert weil wohlhabend'. Von der üblichen Ausrede 'Süditaliener sind schlechtorganisiert weil sie arm sind' haben die Norditaliener seit Jahrzenten die Nase voll. Es ist vielleicht an der Zeit, dass die Süditaliener die Verantwortung ihrer Taten endlich mal übernehmen. Solange sie dies nicht machen werden, wird Bossi Recht haben.

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15. Januar 2008 17:51

Wo bleibt der Deutsche Protest?

dietmar frensemeyer (jarama72)

Aus eigener Anschauung vor Ort in Neapel und sprachkundiger Lektüre frage ich,
wo ist die Reaktion der Deutschen Bevölkerung?
Neapolitaner sprechen und schreiben inzwischen von Deutschland als der Müllkippe Europas. In Neapel wurde noch nie Müll sortiert. In Campagnien wurde der Sondermüll Europas, darunter auch radioaktiver Müll von der Camorra deponiert.
Jetzt kommt u.a. auch dieser Müll unsortiert nach Deutschland und wird hier verbrannt.
Keine Reaktion der Deutschen? Der Grünen? Der Umweltschützer?
Menschen in Ketten auf Gleisen gegen Gorleben.
Und jetzt 17 000 Tonnen Sondermüll jede Woche?
Geht das nicht alle an?
Keine Schlagzeilen ? Ich bin darüber mehr geschockt als über den langjährigen Skandal in Süditalien.
Und: Remondis erzeugt Strom aus dem Müll, den der deutsche Stromkunde nach dem Erneuerbaren Energiengesetz teuerst bezahlt. Wie dumm ist er Deutsche Michel?
Warum wird das nicht thematisiert, fragt fassungslos
dietmar frensemeyer


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15. Januar 2008 12:58

Keine Nachhaltigkeit in Italien

Annette Moussa (oerschen)

Es ist wirklich eine Krise, wenn die Italiener es nicht schaffen, ihren Müll loszuwerden und ihn nach Deutschland verschicken müssen. Aber sie sollen sich nicht beschweren, dass es was kostet, denn jemand muss doch die Arbeit, den Transport und die Anlagenbenutzung finanzieren. Sollte das etwa der deutsche Steuerzahler für sie machen? So weit kommts noch: der Deutsche bezahlt die Müllentsorgung des Italieners.

Sie protestieren nur, weil die Regierung einen Ausweg gefunden hat, der ihnen nicht gefällt. Anstatt Pläne für eigene Anlagen zu machen, versucht die Regierung einach nur den Müll loszuwerden, aber eine nachhaltige Lösung muss trotzdem noch gefunden werden.

Vielleicht können sie deutsche Unternehmen zur Installation solcher Anlagen in Italien beauftragen. Dann wird die Presse aus nächster Nähe erfahren, wie das deutsche Müllsystem läuft, anstatt Halbwahrheiten zu fantasievollen Storys zusammenzuschneidern.

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15. Januar 2008 10:02

Gelegenheit macht Diebe!

A. Malliki (a.malliki)

Ich bin davon überzeugt, dass die Italiener ihre Müllgebühren bezahlt haben und jetzt mit Steuergeldern noch einmal für die Entsorgung zahlen müssen.

Dass das alles nur auf dem Mist der Mafia gewachsen sein soll, kann ich mir nicht vorstellen, dazu braucht es Beziehungen in die Politik, die diese unlauteren Geschäftsmänner überhaupt mit Aufträgen versorgt.

Die italienische Politik muss die Drahtzieher und Auftragsvermittler zur Verantwortung ziehen, so wie die Urheber des Chaos von Genua während des G8-Gipfels. (siehe Gipfelstürmer)

Die Politik ist anscheinend eine große Familie, die sich nicht selber bekämpft, sondern Scheingefechte mit imaginären Gegnern führt - die natürlich wieder zusätzliche Kosten ursachen und in privaten Kanälen verschwindet.

In der Wirtschaft gilt, ist kein Bedarf, muss er geschaffen werden - diesen Grundsatz hat die Politik perfektioniert - der Steuerzahler hat keinen Einfluss auf seine Ausgaben.

Hier macht Gelegenheit Diebe und unsere Müllverbrennungsanlagen jetzt wenigstens ausgelastet.

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15. Januar 2008 09:36

Der dt. Michel ist wieder einmal der Dumme

Claus Behrens (chipin)

Der Artikel wirf mehr Fragen auf, als er beantwortet.
Wir trennen seit Annnodunnemal wie die Blöden den Müll, streiten uns über die richtige Farbe der Mülltonne für die Brötchentüte etc., haben Müllsheriffs eingeführt.
Wo kommen dann noch die Überkapazitäten in den Verbrennungsanlagen her. Die stellt sich ja auch kein Normalbürger mal eben in den Garten, sondern sind steuerfinanziert. Hat da jemand die Kapazitäten so großzügig kalkuliert, dass es für die Azzuri auch noch reicht? (Angemessene Gegenleistung wäre eine Niederlage im WM-Halbfinale gewesen!!)

Wieso gibt es überhaupt noch VerbrennungsanlageN?
Sollte es so sein, dass eine Alimentierung des Dualen Systems der einzig vernünftige Grund für die Mülltrennung ist und eine thermische Verwertung doch ökonomischer sein könnte. Sind wir von Trittin und Gabriel mittlerweile soweit weichgekocht, daß uns ein rationales Verhalten abgewöhnt wurde. Oder steht diese Alternative dem dt. GlobalMusterKnaben einfach nicht gut zu Gesicht?

Die Entsorgung ital. Mülls kostet 200€ pro Tonne:
Wieviel bezahlt der Deutsche über den Grünen Punkt und sonstige Gebühren eigentlich für die dt. Tonne sortenreinen Mülls.

Für diese Antworten sollten wird Italienern fast dankbar sein.

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15. Januar 2008 04:36

Muell hin, Muell her ...

Harald Nehm (leiming)

Ist Muell wirklich ein so wertvoller Roh-(Heiz-)stoff, dass deutsche Firmen ihn aus dem
Krisengebiet importieren?

Lasst ihnen ihren Muell doch vor der Tuer liegen. Es ist schon schlimm, wenn eine zivilisierte Gesellschaft nicht mit einem solchen kleinen Problem fertig wird. Bevor sie unter ihren Muellbergen ersticken, werden sie schon einen eigenen Weg zur Beseitigung finden. Hoffentlich ihn aber nicht ins Mittelmeer kippen.

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14. Januar 2008 22:22

Ciruclus vitiosus!

Gerhard Strunz (gherardo)

Also, das mit der italienischen Presse ist so eine Sache, die weiß nichts, meist nichts Gescheites, das ist so! Was weiß die deutsche Öffentlichkeit von den italienischen Problemen? Nichts! Was weiß die italienische Öffentlichkeit von deutschen Problemen? Nichts! Deutschland und Italien, das sind Länder die sich gut verstehen, im Sommer. Es ist leicht über die italienische Mafia zu poltern, den Missständen die man sieht, den Dreck auf der Straße, den Mülltüten, doch wem interessieren die Probleme die unter den Mülltüten liegen, niemanden? Oder, wem interessieren die Probleme, die man nicht sieht? Niemanden! Dreck weg, Probleme weg? Nicht erst seit gestern findet ein Müll- und Wertstofftransfer zwischen Italien und Deutschland statt, der unglaubliche Ausmaße hat. Deutschland, warum so erstaunt? Das ist ein Business, wie in anderen Bereichen auch. Frankreich hat die Atomkraftwerke, Deutschland hat die Müllverbrennungen, davon jede Menge, alle gieren auf 100% Auslastung. Italien braucht viel Energie und produziert viel Müll u. Italien hat die richtigen Partner, die nur für Bares diese Dienste erbringen. Die italienische Presse versagt seit Jahrzehnten, auf der ganzen Linie. Auch unser Verblödungsgrad ist im stetigen steigen begriffen

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14. Januar 2008 21:35

Unregierbar

Rolf-Peter Lacher (Ganbat)

Die Frage, mit wem wir da in der EU sind, ist berechtigt, nicht nur das, auch die in der Frage enthaltene Antwort hat einiges für sich: die Finanzierung Italiens über die EU erspart es Italien, sich um seine Probleme zu kümmern. Es handelt sich nicht nur um die Müllentsorgung. Es geht auch um einen verlotterten Staatsapparat, um ein geradezu absurdes System der Alterssicherung, dessen Reform man sich spart in der Hoffnung, die EU werde die italienischen Finanzen auf dem Umweg über den Agrarhaushalt und die Regionalförderung vor dem Zusammenbruch retten. Italien war nie Europa-reif und es wird nie Europa-reif werden, weil es vorher von der demographischen Katastrophe ereilt wird. Italien wäre ein Fall für einen EU-Verwalter wie mancher Balkanstaat.

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14. Januar 2008 21:12

AW: Martina Weinich, "nach Italien überwiesene Gelder"

W. Wooldoor (Wooldoor)

Was faseln Sie über "von Deutschland nach Italien überwiesene Gelder"?

Italien ist der zweitgrößte Nettozahler in der EU, noch vor Frankreich und Großbritannien. Niemals hat Italien in der Geschichte der EU netto Mittel aus Brüssel erhalten.

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14. Januar 2008 19:31

Zivilisationswüste Italien

Martina Weinich (Weinich)

Vielleicht wird es jetzt auch einer breiteren Öffentlichkeit klar: Italien, das durch Presse und einem um Demonstration von 'Lebensart' bemühten Personenkreis zum Hort und Inbegriff kultivierten Lebens - edle Weine, köstliche Speisen, Kultur, etc. - deklarierte Urlaubsziel, ist in Wahrheit ein politisches Gemeinwesen, das zivilisatorische Minimalanforderungen - öffentliche Sicherheit, unabhängige Justiz, etc. - nur rudimentär erfüllt und jetzt auch in Bezug auf die Entsorgungsproblematik auf der ganzen Linie versagt.
Mit wem sind wir da in der EU sind und welche Wege nehmen die von Deutschland nach Brüssel überwiesenen Gelder ...

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14. Januar 2008 18:10

Warum auf die Neapolitaner schimpfen?

Hermann Trouvain (liwiz)

Die sollten einen Preis für besondere Leistungen im Umweltschutz bekommen.
Laut Umweltminister Gabriel haben wir 2 große Umweltschutzprobleme:
den CO2 Ausstoß und den Feinstaub.
Die Neapolitaner haben das verstanden. Also verbrennen die keinen Müll, anderenfalls wird zuviel Feinstaub und noch viel mehr CO2 produziert.
Also ab mit dem Dreck nach Deutschland. Wirklich clever! Die haben verstanden, wie man die Umweltprobleme des Herrn Gabriel löst.

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14. Januar 2008 17:17

Eigenartig

Chris Heidrich (Rockwilder1979)

Wird der Müll aus Neapel in andere Italienische Regionen geschickt, gibt es Strassenschlachten und Proteste. Anstatt dankbar zu sein, dass sich Deutschland bereiterklaert, den Muell anzunehmen, wirft man Deutschland vor, Geschäfte machen zu wollen.

Scheinbar schrumpfen die Gewinnmargen der Italienischen Müllmafia dahin, wenn der Müll in Deutschland entsorgt wird. Zu dumm ! Wer sich lange nicht um aufkommenede Probleme kümmert, muss halt nun die Rechnung bezahlen.

Ich schicke einen Gruss an die Deutschen Anlagenbauer. Scheinbar besteht in Süditalien Bedarf ein Müllverbrennungsanlagen....

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14. Januar 2008 16:54

Unverschämtheit - 200 €/t ist immer noch zu billig für diesen Maffiastaat

Dietrich Wollheim (tillwollheimgmx.de)

Es ist schon bezeichnend, daß die sich jetzt darüber bechweren. Erst sich minder wie die Tiere verhalten und dann auf Hilfsangebote so zu reagieren. Natürlich ist die Müllentsorgung in machen Regionen auch durch Maffia viel zu teuer geworden. Aber wer erst sein Kind in den Brunnen fallen lässt, muss dann halt auch die Konsequenzen tragen.

Man kann das nur beantworten mit: was juckt es die Deutsche Eiche, wenn das Borstenvieh sein Fell an ihr scheuert!

Till

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