22. August 2005 In der zerstrittenen griechisch-orthodoxen Kirche von Jerusalem gibt es nun zwei Patriarchen. Am Montag wählte die Synode
Metropolit Theophilos als Nachfolger von Irineos I., der im Frühling gegen das Kirchenrecht gestürzt worden war.
Unschuld ermittelt
Irineos war fälschlich der Verkauf von wichtigen Grundstücken am Jaffa-Tor zur Jerusalemer Altstadt an israelische Siedler vorgeworfen worden. Auch wenn Rechtsanwälte die Unschuld des griechischen Würdenträgers ermittelten, bestand die Synode weiterhin auf seiner Absetzung. Irineos trat aber nie zurück. Er sitzt mit einem kleinen Stab weiterhin im Patriarchat.
Die palästinensische Autonomiebehörde und Jordanien, die wie Israel den Patriarchen anerkennen müssen, sagten sich nach dem Bekanntwerden der Verdächtigungen von Irineos los und revidierten später ihr Urteil nicht mehr. Israel hielt sich bisher zurück.
Fragwürdige Verträge
In vier rechtlich fragwürdigen Verträgen hatte ein zeitweiliger Vertrauter von Irineos im vergangenen Jahr vier Grundstücke an eine israelische Off-shore-Gesellschaft verkaufen wollen. Er hatte dafür aber nie die Unterschrift von Irineos erhalten,der als Patriarch seit September 2001 amtierte.
Theophilos gelobte nach seiner Wahl, diese Grundstücke zurückzuholen. Dafür finden im Hintergrund schon Austauschverhandlungen statt. Israelische Juristen bieten einen Rücktritt von den fragwürdigen Verträgen an, wollen dafür aber einen neuen Vertrag zum Beispiel über das Grundstück, auf dem die Knesset steht, dessen Erbpacht in knapp 40 Jahren endet. Die Kirche verkauft nie Land; sie vergibt Grundstücke aber über eine Frist von 99 Jahren.
Text: jöb.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb