„Schutz- und Begleitdienst“

Deutsche Hilfe für Libyen schon 1979

PLO-Chef Arafat (r.) und Gaddafi im Jahr 1977

PLO-Chef Arafat (r.) und Gaddafi im Jahr 1977

14. April 2008 Das Bundeskriminalamt hat nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schon 1979 den libyschen Herrscher Gaddafi im Personenschutz unterstützt. Das BKA bestätigte der F.A.Z., dass ein Kriminalbeamter in jenem Jahr zweimal - im Frühjahr und im Herbst - wegen „Ausbildungsmaßnahmen“ in Libyen war. Es ging nach Auskunft der Behörde um „Schutz- und Begleitdienst“. Libysche Anfragen nach einer entsprechenden Zusammenarbeit nach der außenpolitischen Wende Staatschef Gaddafis 2004 sind hingegen nach Berichten vom Wochenende von Deutschland zurückgewiesen worden. Danach wurde die private Firma BDB tätig, für die zwischen 2005 und 2007 auch aktive Polizeibeamte unerlaubt tätig waren.

1979 handelte es sich dem Vernehmen nach um ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Die Bundesregierung wollte in Zeiten des Terrorismus verhindern, dass die „Palästinensische Befreiungsorganisation“ (PLO) den Terroristen der „Rote Armee Fraktion“ (RAF) Zuflucht bot. Gaddafi sollte vermitteln. Als „Dankeschön“ habe man einen erfahrenen Personenschützer nach Libyen geschickt, heißt es in der Bundesregierung.

„Das war paramilitärische Ausbildung“

Ehemalige Soldaten der Bundeswehr, die als Personenschützer eingesetzt waren, berichteten der F.A.Z. von einem Film eines BKA-Beamten über die Ausbildung in Libyen, der Mitte der achtziger Jahre in Sonthofen während der jährlichen Sicherheitstagung gezeigt worden sei. Einer berichtete von Aufnahmen, die nur im kleineren Kreis gezeigt worden seien: „Einiges hatte mit Personenschutz nichts mehr zu tun.“ Das sei „paramilitärische Ausbildung“ gewesen.

Ein ehemaliger Offizier sagte, seiner Kenntnis nach sei die Zusammenarbeit privater Firmen mit Libyen „kontinuierlich über mehr als 20 Jahre fortgesetzt“ worden. Auch der Bundesnachrichtendienst (BND) arbeitete nach Informationen dieser Zeitung in den achtziger Jahren mit Libyen zusammen - zumindest vor den Terroranschlägen von Lockerbie und Berlin („La Belle“).

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte berichtet, dass Libyen 2006 die Bundesregierung abermals um Ausbildung von Personenschützern gebeten habe. Der neue Innenminister Schäuble habe im März 2006 prinzipiell positiv geantwortet. Im Juli habe eine gemeinsame Delegation von Bundesinnenministerium und Bundeskriminalamt Tripolis besucht, um die gewünschte Ausbildung zu besprechen. Von der Tätigkeit der Firma BDB habe man allerdings dabei nichts erfahren. Ausbildungshilfe für Personenschützer werde auch für China und Usbekistan geleistet. (Siehe auch: BKA bildete Personenschützer in China und Usbekistan aus)

Text: Mü./löw./F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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