An Einfallsreichtum und Geschäftssinn hat diesem Cavaliere del lavoro, diesem schon 1977 offiziell zum Ritter der Arbeit geschlagenen Silvio Berlusconi, noch keiner das Wasser reichen können.
Das zeigte sich abermals beim Fernsehduell in der vergangenen Woche, als er den Italienern in der Manier eines Staubsaugerverkäufers in buchstäblich letzter Minute die Befreiung von der Grundsteuer für ihr erstes Haus versprach. Bei einem Volk, das zu achtzig Prozent in den eigenen vier Wänden lebt, kommt das gut an.
Überhaupt versteht Lebemann Berlusconi von Häusern einiges: Neben seiner Residenz auf Sardinien, der Villa Certosa, mit Köchen, Gärtnern und mehreren Swimmingpools, nennt Italiens reichster Mann manch schmuckes Heim sein eigen: nicht zuletzt die Villa Arcore bei Mailand, auf deren Gelände er sich für später ein Mausoleum errichten ließ. Geboren am 29. September 1936 in Mailand, begann er seine Karriere als junger Mann mit einer Baufirma, bevor er in den siebziger Jahren ins Mediengeschäft einstieg und zum Pionier des Kabelfernsehens wurde.
Bald sorgte Berlusconis Nähe zu Politik und Verwaltung für mancherlei Spekulationen, über seine Kontakte zur Mafia wurde gemutmaßt, er bekam oft Schwierigkeiten mit der Justiz. 1986 kaufte er den Fußballverein AC Milan - und Forza Italia, der Schlachtruf der Fans, wurde 1993 der Name seiner politischen Bewegung, mit der er 1994 zum ersten Mal Ministerpräsident wurde, 2001 ein zweites Mal. Seine (zweite) Ehefrau Veronica Lario sagte über ihn: Er telefoniert beim Mittagessen, Abendessen, beim Weihnachtsmahl. Nie ist er still oder schweigt. Er spricht noch im Schlaf!
Text: hoi. / Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.04.2006, Nr. 14 / Seite 3
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