Sehr geehrter Herr Stettner,
mit Verlaub Ihr Beitrag wirkt klischeehaft und oberflächlich:
"Die Gebiete in denen der Krieg in Kroatien tobte, waren Gebiete, die mehrheitlich von Serben bewohnt wurden (Ost-Slawonien, Lika, Kordun, Baranja, Mittel-Dalmatien, dalm. Hinterland)."
Frage: Wie können ca. 5% der Bevölkerung in ca. 30% der Fläche die Mehrheit stellen?
"Es gilt zu erwähnen, dass vor allem unter Österreich-Ungarn und vor allem unter dem Nazi-Vasalen NDH (unabhängiges Land Kroatien während des 2. Weltkriegs durch Hitlers Förderung) die Serben systematisch "kroatisiert" bzw. vernichtet wurden. U.a. diese alten Ängste führten gewichtig zum Krieg."
Fragen:
- Können Sie mir ein Beispiel für die "Kroatisierung" und Vernichtung der Serben zur K.u.K Zeit nennen?
- Warum wurde ein friedliebender Demokrat wie Stjepan Radic, lange vor der NDH (nämlich 1928), im jugoslawischen Parlament erschossen?
Mit freundlichen Grüßen,
Darko Dragicevic
Werter Herr Stettner,
nein ich bin kein Kroate.
Meine Vorfahren waren sogenannte Donauschwaben. Aber ich bin eben jemand, der kritisch hinterfragt. Leider ist die Berichterstattung der FAZ von 1991 -1995 über Kroatien eine viel bessere gewesen als die aktuelle. Leider.
Natürlich war die FAZ auch damals Kroatien-kritisch, aber nur dort wo es gerechtfertigt war. Es wurden damals keine Fakten unterschlagen/ weggelassen. Sie wurden auch immer im richtigen Licht gezeigt.
>>Die serbische Minderheit stellt mit 4,5% der Gesamtbevölkerung die bedeutsamste der in Kroatien ansässigen Volksgruppen.<<
>>Aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen 1991 – 1995 gibt es in Kroatien eine erhebliche Zahl von zurückgekehrten Flüchtlingen und Binnenvertriebenen. Nach Angaben des UNHCR handelt es sich um über 320.000 Personen (registriert). Davon sind knapp 108.000 Personen ethnische Serben, die übrigen sind Binnenvertriebene (überwiegend ethnische Kroaten
Übrigens: Die serbische Kirche in Zagreb wurde nicht zerstört.
Wenn Sie sich darauf besinnen woher die größte Antihitler Bewegung Europas seine Wurzeln hat und wer ihr Anführer war dürfte ihr Abschäulicher Nazi-Vergleich selber klar werden.Jugoslawien und später die Republik Kroatien hat nichts mit einer faschistischen "NDH" zu tun.Die Serben bekommen sehr wohl neue Häuser in Kroatien sofern sie denn zurrückkehren möchten.Auch wenn die Anträge dafür nicht zu 100% bearbeitet werden können,kann man nicht sagen den Serben irgendwie im Wege zu stehen.Die Beziehung ist neutral,vereinzelt mag man sich eben nicht.Ein Generall kann nicht einzelne Verbrechen seiner 20.000 Mann starken Armee kontrollieren. 125 Tote sind natürlich schlimm,man muss dazu bedenken das dies bei einer Militäroperation leider üblich ist.Was die Amerikaner Tagtäglich im Irak machen ist weitaus schlimmer und die Ziele der dortigen Missionen sind nichteinmal richtig deffiniert.Bloß,Den Haag ist wohl über die Entdeckung Amerikas noch nicht informiert.Solange diese nicht als Angeklagter neben Gotovina sitzen sollte man alle Länder die Gotovinas Verhalten verurteilen aber das gleiche nichtmitdenAmerikanern machen zum Denken bewegen.Die AmerikanerhattenauchihreRollein derOperationSturm.dagegensitzt hierderchef derkroatischen polizei
Werter H. Hrbat, ich nehme an, dass Sie selbst Kroate sind. Andernfalls kann ich mir einige der von Ihnen dargestellte Thesen nicht erklären. Wenn Sie behaupten, dass ein Großteil der Serben in Kroatien nicht in der Krajina lebte, dann stimmt das nicht. Ebenso wenig stimmt es, dass diese Leute außerhalb der Krajina unbeheligt lebten bzw. noch leben. Es ist leider so, dass den Serben in Kroatien heutzutage - egal in welcher Gegend - ein einigermassen unbeheligtes Leben nur dann möglich ist, wenn Sie ihre serbische Identität verheimlichen oder sogar (größtenteils angeordnet) zum Katholizimus übertreten.Unter diesen Voraussetzungen gebe ich Ihrer These Recht, aber dass haben Sie leider vergessen zu erwähnen.Zudem will ich kurz den geschichtlichen Aspekt aufgreifen. Die Gebiete in denen der Krieg in Kroatien tobte, waren Gebiete, die mehrheitlich von Serben bewohnt wurden (Ost-Slawonien, Lika, Kordun, Baranja, Mittel-Dalmatien, dalm. Hinterland). Es gilt zu erwähnen, dass vorallem unter Österreich-Ungarn und vorallem unter dem Nazi-Vasalen NDH (unabhängiges Land Kroatien während des 2. Weltkriegs durch Hitlers Förderung) die Serben systematisch "kroatisiert" bzw. vernichtet wurden. U.a. diese alten Ängste führten gewichtig zum Krieg.
Weisswaschen, Hr. Hrbat, kann man das trotzdem nicht so einfach.
Anstatt sich bedingungslos hinter die Verdächtigen zu stellen, tut Kroatien ebensogut daran, wie es Serbien TÄTE, sich eigenen Verfehlungen zu stellen, um Ähnliches in Zukunft zu verhindern und auf ein höheres Niveau zu gelangen.
Dass die Serben zur gleichen Zeit in Srebrenica wüteten, ist das schlechtest mögliche, um nicht zu sagen "das dümmste", Argument. Denn dann sind Sie bereits wieder im ewig balkanischen Rechtfertigungskreislauf drin: Immer haben die Anderen angefangen (oder zur Not geht auch: Wollten grad anfangen!). Das kann niemals eigene Verbrechen rechtfertigen, sondern bedingt gerade deshalb eine klare Abgrenzung durch Rechtsstaatlichkeit (aufgrund der man sich dann tatsächlich als über der Barbarbei stehend rühmen kann).
Dies schliesst die Verklärung von Kriegsverbrechern zu Helden ohne jedes Wenn und Aber aus! Denn ansonsten hätten die bösen, bösen Anderen mit der Verehrung Ihrer Mordbuben nicht minder Recht.
Auch Kroatien wird sich - vor seinem EU-Beitritt! - dieser Diskussion offen stellen müssen. Es sollte seine Europareife gerade dadurch beweisen, dass es im Gegensatz zu Bosnien, Serbien und dem Kosovo heute bereits dazu fähig ist.
Ehrlich gesagt kenne ich die Details bzgl. der konkreten Geschehnisse und Abläufe der Operation kaum. Jedoch, daß das Gericht, die Ereignisse (völlig) losgelöst von den Vorfällen in der Region in den 5 Jahren davor betrachtet, ist schwer nachvollziehbar.
Meine persönliche Meinung ist, daß unter Berücksichtigung der Umstände und der Vorgehensweisen und Verbrechen der Serben in den Jahren zuvor, die Operation "Sturm", mit sicherlich einigen Ausnahmen, als nahezu moderat zu bezeichnen ist. Den schließlich war Krieg und mir ist nicht bekannt, daß Russen, Tschechen, Polen oder andere Europäer angeklagt wurden weil sie zum Ende des 2. Weltkrieges den "Agressor" bekämpft und vertrieben haben.
Im damaligen Kroatien lebten bei einer Gesamtbevölkerung von 4,8 Mio Menschen etwa 600.000 Serben.
Ein Teil davon war schon zur k.u.k.-Zeit angesiedelt worden, ein Teil ab 1918 als das serbisch dominierte Königreich SHS ( ab 1921 Königreich Jugoslawien genannt) gegründet wurde.
Die meisten Serben lebten/leben in Istrien und Zagreb.
Nur ein Drittel, also ca. 200.000 Menschen, waren in der Krajina.
Die restlichen zwei Drittel Serben blieben während des gesamten Krieges unbehelligt im restlichen Kroatien. (!)
Die Befreieung der Krajina erfolgte mit US-Hilfe. Die Amerikaner zerstörten die serbischen Landebahnen und Funkmasten.
Doch was war der Hintergrund?!
Am 9. Juli 1995 fiel in Bosnien die Stadt Srebrenica. Unter den Augen holländischer UNO-Truppen starben Tausende Menschen. Ähnliches wurde nun für Bihac vermutet.
Die Vojska Republike Srpske (Armee der Republika Srpska) begann kurz vor der kroatischen Operation Oluja eine massive Militäroperation auf die Stadt Bihac, welche seit Monaten belagert wurde und kurz vor dem Fall stand.
Nahezu die gesamte serbische Bevölkerung der Krajina floh bereits, von ihren politischen Führern dazu aufgefordert, vor Eintreffen der kroatischen Armee.
"Nach der kroatischen Unabhängigkeitserklärung am 25. Juni 1991 hatten die Jugoslawische Volksarmee und serbische Verbände etwa ein Drittel des kroatischen Territoriums besetzt und im Dezember die „Republik der Serbischen Krajina“ (RSK) ausgerufen."
Falsch! Die Serben (einerseits als Freischärler, andereseits als jugoslawische Volksarmee) haben bereits 1990 haben die Serben unter der Führung von Milosevic eine Abtrennung der Krajina vorangetrieben. Milosevic hat ab 1986 - angefangen im Kosovo - eine serbische Hegemonie errichten wollen.
Das Gebiet war faktisch bereits 1990 besetzt. Innerhalb des besetzten Gebietes wurden ab 1986 neue Straßen asphaltiert, mit Knin im Zentrum des neuen Straßennetzes.
Die UNO hat 1992 festgestellt:
"Eine Reihe von Anzeichen deutet darauf hin, dass die politische und militärische Führung des ehemaligen Jugoslawien [gemeint ist u.a. Milosevic] die Vorbereitungen für ein militärisches Eingreifen in Kroatien im Jahr 1990, möglicherweise auch davor getroffen hatte."
