27. November 2004 Zwei Orte stehen für die orangene Revolution von Kiew: zuerst der "Maidan", der Unabhängigkeitsplatz im Herzen der Stadt, wo Tag für Tag Zehntausende zusammenströmen, um eine korrekte Zählung ihrer Wahlstimmen zu fordern.
Ebenso wichtig aber ist die Zeltstadt auf dem Prachtboulevard Chreschtschatik gleich nebenan. Mehrere tausend Menschen stehen hier seit Sonntag in Schnee und Matsch, halten bis in den Morgen in langen Spalieren Wache, damit keine Provokateure einsickern können, und hauchen sich in die Hände.
Sie sind entschlossen, nicht eher das Feld zu räumen, als bis der angebliche Sieger der gefälschten Präsidentenwahl vom 21. November, Janukowitsch, seine Niederlage eingesteht und der Oppositionskandidat Juschtschenko seine faire Chance erhält. Wenn der Maidan mit seiner Volksfestatmosphäre für den Optimismus dieser Revolte steht, dann steht die Stadt der Zelte für ihren langen Atem. Sechs ihrer Bürger haben Konrad Schuller ihre Geschichte erzählt.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2004, Nr. 278 / Seite 8
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