Afghanistan-Einsatz

„Washington braucht einen Erfolg im Antiterrorkampf“

Amerikaner in Afghanistan: Ein Kampfeinsatz

Amerikaner in Afghanistan: Ein Kampfeinsatz

31. Mai 2007 Über die hohen Opferzahlen in der afghanischen Bevölkerung durch das Vorgehen westlicher, vor allem amerikanischer Soldaten sagte jetzt der Befehlshaber des Nato-Operationenhauptquartiers im niederländischen Brunssum, der deutsche General Egon Ramms: „Es sind in der Regel nicht die originären US-Einsatzkräfte, deren Vorgehen diese Opfer fordert.“ In Afghanistan operieren amerikanische Spezialkräfte, wie es in Berlin heißt, teils unter der Operation „Enduring Freedom“ (OEF), teils aber auch direkt vom Pentagon geführt.

Ramms beschreibt in der sicherheitspolitischen Fachzeitschrift „Loyal“ das Spannungsfeld, in dem der Afghanistaneinsatz steht: „Die amerikanische Regierung braucht aus politischen Gründen einen Erfolg im weltweiten Antiterrorkampf. Den wird sie, bei nüchterner Betrachtung der Lage, im Irak in absehbarer zeit nicht erzielen. Folglich konzentriert sie sich stärker auf Afghanistan.“ Das äußere sich unter anderem darin, dass die amerikanische Truppenpräsenz in Afghanistan nicht zugunsten des Irak geschwächt, sondern im Gegenteil gestärkt werde und dass OEF-Einheiten unter Isaf-Kommando gestellt würden.

Druck auf europäische Nato-Partner

Seite an Seite im Ant-Terror-Kampf: Der amerikanische Nato-Kommandeur McNeill (l.) und der deutsche General Ramms

Seite an Seite im Ant-Terror-Kampf: Der amerikanische Nato-Kommandeur McNeill (l.) und der deutsche General Ramms

Dieses stärkere Engagement erwarteten die Amerikaner allerdings auch von ihren europäischen Nato-Partnern. „Der Druck ist längst da, entsprechende Aufforderungen zur Entsendung weiterer Truppen, Fähigkeiten und Geräte sind formuliert und die Briefe des Nato-Oberbefehlshabers an die Mitgliedsstaaten geschrieben.“

Aus Europa gebe es allerdings nur „sehr begrenzte“ Reaktionen, die Forderung nach zusätzlichen Infanteriebataillonen sei nach wie vor unerfüllt. Wie es in Berlin heißt, bezieht sich diese Anforderung schon seit dem vergangenen Jahr auf die Bereitstellung von zwei Kampfgruppen (jeweils etwa 800 Mann), die vom Isaf-Kommandeur als „Feuerwehr“ in ganz Afghanistan eingesetzt werden können. Da das deutsche Isaf-Mandat eine räumliche Beschränkung auf Kabul und die Nordregion vorsieht (Ausnahmen nur zur Unterstützung des Isaf-Gesamtauftrags für begrenzte Zeit), käme dies für die Bundeswehr nach gegebener Mandatslage nicht infrage.

Die amerikanischen Isaf-Truppen bewegen sich nach Auffassung des Nato-Generals „deutlich in die von uns Europäern bevorzugte Richtung eines zivil-militärischen Ansatzes“. Sie bemühten sich um Kommunikation mit der Bevölkerung und darum, in Kampfhandlungen zivile Opfer zu vermeiden. Auch der Isaf-Kommandeur, der amerikanische General McNeill „steht dem europäischen Ansatz immer positiver gegenüber und unterstützt ihn nachhaltig.

Fatale Fehleinschätzung eines Tornado-Piloten

Die Beschädigung eines deutschen Aufklärungsflugzeugs, die im April bei der Landung auf dem Stützpunkt im nordafghanischen Mazar-i-Scharif passierte, ist dem Vernehmen nach nicht auf einen Fahrbahnfehler zurückzuführen, wie es zuerst hieß.

Vielmehr sei dem Piloten eine Fehleinschätzung bei einem schwierigen Landemanöver unterlaufen. Dabei wird das Triebwerk in größerer Höhe auf Leerlauf gestellt, damit es für etwaige Infrarotgesteuerte Raketen keine Hitzesignatur abgibt. Dieses Manöver ist eines von mehreren, mit denen die Aufklärungs-„Tornados“ möglichen Bedrohungen entgegenwirken. Das Flugzeug setzte zu hart auf, weswegen das Fahrwerk brach und ein Teil der Landung auf dem „Recce“-Behälter mit dem optischen Gerät erfolgte. Das Verteidigungsministerium sprach von „Spekulationen“, die Untersuchungen dauerten an; ebenso sei noch unklar, ob das Flugzeug dort instandgesetzt werden kann oder ersetzt werden muss.

Text: löw; F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, dpa

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