Merkel will Dalai Lama treffen

China protestiert

15. September 2007 Die chinesische Regierung hat aus Protest gegen das geplante Treffen von Bundeskanzlerin Merkel mit dem Dalai Lama den deutschen Botschafter einbestellt. Das bestätigte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Regierungssprecher Wilhelm sagte am Freitag in Berlin, Frau Merkel werde am Sonntag kommender Woche den tibetischen Religionsführer "zu einem privaten Gedankenaustausch im Bundeskanzleramt" empfangen. Dies ist das erste Treffen eines Bundeskanzlers mit dem Dalai Lama.

Wilhelm verwies darauf, dass "die Tibet betreffenden Menschenrechtsfragen" zu den Themen gehörten, die regelmäßig im sogenannten Menschenrechtsdialog besprochen würden. Das Treffen stehe zudem in Kontinuität mit Dialogen der Kanzlerin mit anderen Religionsführern. Frau Merkel hat sich schon 2005 - damals noch Oppositionsführerin - mit dem Dalai Lama getroffen.

Empörte Proteste aus Peking

Es gibt zwei Themen, bei denen die sonst so zurückhaltende Pekinger Diplomatie schnell entschlossen und manchmal laut reagiert. Das eine sind Kontakte mit Taiwan, die über das hinausgehen, was China unter "Ein-China-Politik" versteht. Das zweite sind Gespräche mit dem Dalai Lama.

Wann immer ausländische Politiker mit dem Dalai Lama zusammentreffen, gibt es empörte Proteste aus Peking. Dass westliche Politiker in dem religiösen Oberhaupt der Tibeter eine wichtige religiöse Persönlichkeit sehen und der Dalai Lama als Friedensnobelpreisträger überall geachtet und vielerorts sogar verehrt wird, kann und will die Pekinger Regierung nicht verstehen. Für sie ist der Dalai Lama nicht bloß eine religiöse Persönlichkeit, sondern ein Politiker, der die "Abspaltung Tibets vom Vaterland" betreibt. Obwohl der Dalai Lama bereits seit Jahrzehnten seine Forderung nach einer Unabhängigkeit Tibets aufgegeben hat und ein hohes Maß an Autonomie für Tibet fordert, will Peking nicht von diesem Urteil abweichen. Jetzt heißt es eben, der Dalai Lama fordere Unabhängigkeit unter dem Mantel der Autonomie, aber er bleibt in Pekinger Augen ein "Separatist".

Somit will die Pekinger Regierung in jedem Treffen eines ausländischen Politikers eine Unterstützung "separatistischer Tendenzen" sehen und reagiert manchmal mit unverhohlenem Druck. Dabei wird auf mögliche Auswirkungen auf die Beziehungen "hingewiesen".



Text: löw/P.K. , F.A.Z., 15.09.2007, Nr. 215 / Seite 2
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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