Kenia

Als die Nachbarn zu Mördern wurden

Bilder des Grauens aus Kenia kannte die Welt bislang nicht. Seit der Präsidentenwahl hat der ethnische Konflikt indes eine Dimension erreicht, die den Fortbestand Kenias als Nation in Frage stellt. Von Thomas Scheen, Eldoret

Lesermeinungen zum Beitrag

15. Januar 2008 11:52

Gewalt in Kenia

Horst Ulrich (Kenia11)

Ich habe diesen Bericht sehr genau gelesen und sehe dort vieles was doch nicht den Tatsachen entspicht,habe eine Kenianiche Frau und selber 12 Monate dort verbracht.
Dies was dort geschehen ist geht schon seit Jahren nur nicht in diesem Ausmass
wenn man all das Politiche dort beobachtet hängt alles nur mit Geld zusammen den das ist was Sie brauchen um etwas zu erreichen egal auf welches Amt Sie gehn.
Keiner wird es zugeben doch jeder weiss es,wenn wir Europäer nicht aufhören das alles zu Unterstützen wird das was in diesem Bericht steht nur der Anfang sein doch wer möchte eine Änderung wir nicht könnte ja sein das Afrika uns überhohlen wird sobald alle sich einig sind, den das Land hat die Möglichkeit doch keiner will es wiklich Fördern! Mein Meinung hierzu wird leider nicht viel daran Ändern doch habe Ich die Hoffnung das mal ein paar Medien wirklich unter den Teppich schauen wäre immer bereit dabei zu helfen! Doch wollen Sie das ?
Danke D.H.A.Sch.

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14. Januar 2008 18:43

Stämme sind protostaatliche Gebilde

Harry LeRoy (Cimon)

Wäre dem so, wie antiimperialistische und antikolonialistische Märchen suggerieren wollen, dass alle Probleme Afrikas von den furchtbar bösen Kolonialmächten verursacht worden, so erklärt dies immer noch nicht die jetzigen Unruhen. Zumal es naiv ist anzunehmen, dass sich die Stämme dort vor der Ankunft der fremden Mächte friedlich gegeneinander verhalten hätten. Selbst wenn man die Deutung akzeptiert, dass dort praktische mehrere protostaatliche Gebilde zwangsweise vereinigt worden, so müssten sich diese doch, nachdem der Zwang weg war wieder getrennt haben, oder? Eine gewisse Eigenverantwortung für die politische Entwicklung muss man den Afrikanern auch zugestehen, es hat sie ja niemand gezwungen, die von den Europäern gezogenen Grenzen beizubehalten, wenn diese den ethnischen nicht entsprachen.

Abgesehen davon ist es mir immer noch schleierhaft wie Menschen auf die Idee kommen Angehörige einer anderen Gruppe umzubringen, bloß weil diese die Regierung stellen. Aber mit Vernunft und Rationalität lässt sich nicht alles durchschauen und erklären...

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14. Januar 2008 16:02

Stammes-Mythen

Daniel Becker (danielbecker1975)

V.a. den Leserkommentatoren hier, aber auch den Berichterstattern, sei geraten, ein wenig vorsichtiger zu sein mit "den afrikanischen Stämmen" (die auch als "Ethnien" nicht unbedingt besser werden). "Stämme" sind i.w. Erfindungen der europäischen Kolonialherren, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts versuchten, die politischen Gebilde, auf die sie trafen einerseits ihren eigenen Kategorien unterzuordnen (und da die Staaten oder Staatsgebilde, die man vorfand, den europäischen Vorstellungen von Staatlichkeit nicht entsprachen, wurden sie zu Stammesverbänden erklärt) und andererseits in ihrem Status herabzusetzen (um es flippisch auszudrücken, nicht nur die Deutschen hielten mit Hegel den europäischen Staat für die größte Errungenschaft der Geschichte und des Weltgeistes, und da Afrikaner "bekanntlich" "Völker ohne Schrift und Geschichte" waren, konnten sie "natürlich" auch keine Staaten, sondern nur Stämme haben). Mit anderen Worten: Die "Stammeskonflikte", die hier allenthalben beobachtet werden, sind ebenso Relikte der Kolonialzeit wie die willkürlichen Grenzen der "National"-Staaten. Man lese zur Einführung Basil Davidson, The Black Man's Burden, oder, auf deutsch, Bartholomäus Grill, Ach Afrika!

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14. Januar 2008 11:59

(Auto-)Kannibalistische Exzesse!

Herold Binsack (Devin08)

Die Nationenbildung ging an Afrika völlig vorbei und jetzt ist es ehe zu spät. Was wir dort sehen ist tragischerweise genau das, was uns noch bevorsteht. Der Balkan hat uns vorgemacht, wie nahe sie uns doch gekommen sind – diese kannibalistischen Exzesse. Der postmoderne Kapitalismus kann sehr gut ohne Nationen und Staaten leben. Was gebraucht wird, sind nur paramilitärische, von Oligarchien oder Clans kontrollierte, Gruppierungen. Russland oder auch Albanien zeigen wo es da lang zu gehen hat. Und auch die ehemalige Führungsclique Hoxha aus Albanien bildet heute in Belgien eine bekannte Mafiafamilie. - Und was Putin so treibt, muss ich hier nicht näher beschreiben. Auch in Europa ist die Demontage der Politik längst eingeleitet. Es ist eben kein Zufall, dass nicht nur in der EU die Verwaltungsbürokratie die eigentliche Macht ist. Und diese Bürokratie war schon immer korrupt, ja sogar korrupter als die bürgerliche Politikerkaste. Und vergessen wir nicht: Bürokraten muss man irgendwann auch nicht mehr wählen, die „wählen“ sich selbst, oft dann durch gegenseitiges Mobbing. Die „aufgedeckten“ Skandale in letzter Zeit (Arbeitsamt, VW, Siemens, "Politikerzusatzeinkommen"...) haben daher auch etwas autokannibalistisches.

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14. Januar 2008 07:57

News von da wo der Tod regiert ?

St. Koch (Pensacola)

Solange wie Afrika, in den Köpfen der Menschen die dort leben, noch in Stammesgebiete aufgeteilt ist, bleiben Demokratien westlichen Zuschnitts ein Wunschbild. Die "Staaten" welche die Kolonialherren in Afrika hinterlassen haben, sind auf Stammeshierarchien aufgepfropft ohne Verstand und von daher Pulverfässer - instabil und ohne jede tragfähige öffentliche Ordnung. Das war natürlich nicht zuletzt von den nur widerwillig, unter dem Druck aufkeimender Demokratisierungsbestrebungen, abziehenden Kolonialmächten so gewollt. Nur so konnten sie u.a. die Bodenschätze des schwarzen Kontinents weiter ausbeuten. Solange Hetzer und Ignoranten wie Odinga oder Kibaki in Afrika an der Macht sind, solange das Denken der Menschen dort nicht über den letzten Zaunspfahl ihres Kraals hinausgeht, solange "Macheten-Demokratien" und "Benzin-Poltik" einzelner diktatorenähnlicher Staatsführer in Afrika an der Tagesordnung bleibt - solange wird Afrika (einer der an Bodenschätzen reichsten Kontinente) immer arm und ausgebeutet bleiben und von der Hand in den Mund leben müssen. Man kann nur hoffen, das man das irgendwann auch in Afrika begreift. Eher gehts nicht aufwärts dort.

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14. Januar 2008 03:23

Hallo liebe Islamkritiker,

Klaus Meyer (deutschlaender2)

na, welche Religion wollt Ihr nun für die oben geschilderten bestialischen Exzesse verantwortlich machen? Ungeschickterweise sind die Täter keine Moslems, genauso wenig wie sie das in Ruanda la Catholique waren. Passt nicht so ganz in Euer Weltbild, was?
Vielleicht bedeutet das aber, dass es ein bisschen zu kurz gegeriffen ist, bei den Moslems für sämtliche Missstände reflexartig immer deren Religion verantwortlich zu machen - vielleicht gibt es noch andere Gründe, die solche Gewaltausbrüche erklären, niemals aber rechtfertigen können. Schließlich würde doch niemand für Ruanda oder Kenia die dort jeweils dominierenden christlichen Denominationen verantwortlich machen.
Warum aber bringt Ihr bei den Moslems dieses Mindestmaß an Objektivität und Anstand (auf Neu- Deutsch: Politische Korrektheit) nicht auf? Das kann dann nur noch ideologische Gründe (Islamophobie) haben...

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14. Januar 2008 01:23

Ein interessantes Studienbeispiel...

Harry LeRoy (Cimon)

Man ist immer wieder versucht solche ethnischen Unruhen als Werk machtgieriger Eliten und krimineller Elemente anzusehen, obwohl man ganz genau weiß, dass solche Dinge nicht möglich wären, wenn die breite Masse nicht gleichgültig gegenüber dem Geschehen oder gar sympathisierend mit den Tätern wäre. Die Verteilung von Macht und Reichtum mögen in Kenia ungerecht sein. Dennoch ist es eine große Dummheit die Stämme gegeneinander zu hetzen, anstatt für eine Einheit der Nation oder eine friedliche Trennung zu plädieren. Multiethnische und sonstige Multigemeinwesen scheinen mir geradezu dazu bestimmt zu sein in solchen Wirren unterzugehen. Was mich im Falle Kenias eigentlich wundert, da dort sich die Stämme in Sprache und Sitte doch ähnlich sein müssten und folglich eigentlich die Grundlage für ein gemeinsames Staatswesen vorhanden wäre. Aber wenn man seine Nachbarn abschlachtet, weil die herrschenden Politiker aus ihrem Stamm sind, dann bleibt wohl nur noch die Trennung.

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13. Januar 2008 22:54

Afrikas Intrumentarium heisst Mord, Todschlag und Vertreibung

Peter Slater (Wales-Rhondda)

Also dieser gewollte Chaos bringt nur Verlierer mit sich. Die grossen Parteien und deren Politiker tragen die Hauptschuld an diesem Disaster. Die Wahl wurde zum Instrumentarium fur Mord und Todschlag bewusst genutzt und jetzt wird man nicht mehr Herr der Vertreibung und des bewussten Chaos. Die Bevolkerung Kenias und auch deren Politiker haben aus der Vergangenheit rein garnichts gelernt. Selbst in der Nachbarschaft Zaire mit Ruanda und Uganda und naturlich in Somalia werden solche Beispiele immer vor Augen gefuhrt, wie man sich in der afrikanischen Normalitat Politik betreibt. Was soll ich uber Dafur schreinen? Ist es dort nicht genauso und versagt Afrika nicht auch da? Solange Afrika nicht bereit, von solchen Beispiele sich zu verabschieden, solange wird das Morden das gewollte Instumentarium Afrikas bleiben.

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