Von Michael Ludwig, Moskau
29. März 2007 Ehemalige Guantánamo-Häftlinge sind nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nach ihrer Rückführung nach Russland im März 2004 gefoltert und misshandelt worden. Zusicherungen an die amerikanische Regierung, die Gefangenen strafrechtlich wegen Terrorismus zu verfolgen, aber menschlich zu behandeln, seien nicht eingehalten worden, heißt es in dem Bericht.
Sieben russische Staatsbürger wurden demnach nach dem Einmarsch der Amerikaner in Afghanistan festgenommen und danach zwei Jahre in Guantánamo festgehalten. Die Russen sollen sich über Misshandlungen durch Amerikaner beschwert, aber zugleich auch gebeten haben, dass man sie nicht an Russland zurückschicke, weil sie befürchteten, dort noch schlechter behandelt zu werden. Nach ihrer Überstellung an Russland seien sie zunächst drei Monate in russischer Gefangenschaft gewesen, während dieser Zeit nicht misshandelt worden und schließlich freigekommen.
Einer von ihnen sei aber dann in seiner Heimatregion Kabardino-Balkarien von den Behörden mit dem Aufstand vom Oktober 2005 in Verbindung gebracht, verhaftet und geschlagen worden. Zwei andere rücküberstellte Gefangene seien im Frühjahr 2005 in Tatarstan im Zusammenhang mit der Explosion an einer Gasleitung festgenommen und so lange geschlagen worden, bis sie gestanden haben. Vor Gericht hätten beide ihr Geständnis widerrufen, seien aber dennoch verurteilt worden. Ein anderer ehemaliger Gefangener habe berichtet, dass russische Sicherheitsorgane immer wieder mit Verhaftung drohten, weil er nach seinem Aufenthalt in Guantánamo automatisch als Terrorist gelte.
Text: F.A.Z., 29.03.2007, Nr. 75 / Seite 6
Bildmaterial: AP