Umwelt

Amerika entwirft eigenes Klimaschutz-Abkommen

Bush mit dem indischen Premier Singh

Bush mit dem indischen Premier Singh

27. Juli 2005 Die Vereinigten Staaten wollen gemeinsam mit Australien, China, Indien und Südkorea ein Bündnis zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes und zum Kampf gegen den globalen Klimawandel schließen.

Das Abkommen, an dem die Umweltminister der fünf Staaten in den vergangenen Monaten gearbeitet haben und das dieser Tage vorgestellt werden soll, ist als Gegenmodell zum Kyoto-Abkommen gedacht, das nach Überzeugung der Signatarstaaten des neuen Bündnisses den falschen Weg zur Reduzierung der sogenannten Treibhausgase weist. (Siehe auch: Neues Abkommen: Ein Alternativentwurf für den Klimaschutz)

Kyoto-Protokoll sei faktisch gescheitert

Der australische Umweltminister Campbell bestätigte am Mittwoch in Canberra die im stillen geführten Verhandlungen, die offenbar auch Gegenstand der Gespräche von Präsident Bush mit den Premierministern Australiens und Indiens, Howard und Manmohan Singh, bei deren jüngsten Besuchen in Washington waren. Australien, Südkorea und die Vereinigten Staaten haben das im Februar in Kraft getretene Kyoto-Protokoll, dem inzwischen 150 UN-Mitgliedstaaten beigetreten sind, nicht unterzeichnet, weil nach ihrer Ansicht auch Entwicklungsländer wie China und Indien, deren Schadstoffausstoß am deutlichsten wächst, in die Bemühungen zur Reduzierung der Treibhausgase eingeschlossen werden müssen.

Das Kyoto-Protokoll verpflichtet die Industriestaaten, den Ausstoß der Treibhausgase bis 2012 um mindestens fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Für die Entwicklungsländer sieht es noch keine Auflagen vor, weil deren Anteil an der Luftverschmutzung seinerzeit noch als relativ gering eingeschätzt wurde. Campbell begründete das Bündnis damit, daß das Kyoto-Protokoll faktisch gescheitert sei. „Es ist offensichtlich, daß Kyoto die Welt nicht dahin bringt, wohin wir wollen. Wir müssen etwas finden, das besser funktioniert - und daran arbeitet Australien zusammen mit Partnern weltweit“, sagte Campbell. Die Signatarstaaten des neuen Bündnisses sind für mehr als 40 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich; sie wollen beim Klimaschutz auf erneuerbare Energien sowie eine breite Palette neuer Umwelttechniken setzen.

Trittin: „Keine Alternative“ zu Kyoto

Präsident Bush hatte beim jüngsten G-8-Gipfel den von Menschen verursachten Beitrag zur Klimaerwärmung erstmals öffentlich anerkannt, zugleich aber gefordert, es gelte Wege zum Klimaschutz „jenseits von Kyoto“ und ohne wachstumsfeindliche Auflagen zu finden. Details des neuen Abkommens wurden zunächst nicht bekannt. Oppositionspolitiker und Vertreter von Umweltschutzorganisationen wiesen das Argument zurück, das neue Abkommen trage sowohl dem Umstand eines steigenden Energiebedarfs und den Forderungen nach Abgasreduzierung Rechnung.

Vielmehr handele es sich um ein Bündnis der größten Kohleexporteure der Welt zur Verteidigung ihrer wirtschaftlichen Interessen. Bundesumweltminister Trittin (Grüne) sagte, solche regionalen Technologieabkommen könnten zwar die internationale Zusammenarbeit unterstützen, sie seien jedoch „keine Alternative“ zu Kyoto.

Text: rüb. / F.A.Z., 28.07.2005, Nr. 173 / Seite 1
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Die perfekte Wohnung oder das ideale Haus zum Kaufen oder Mieten: Jetzt über 960.000 Angebote bei Immowelt.de und FAZ.NET!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche